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Wenn Sonnenlicht Treibstoff erzeugt

Sonnenlicht als Rohstoff: Was Pflanzen seit Millionen Jahren können, will die Forschung nachbauen. Das CASUS in Görlitz macht dabei entscheidende Fortschritte.
Kostenlos und unerschöpflich: Die Sonne liefert mehr Energie, als die Menschheit je brauchen wird. Görlitzer Forscher arbeiten daran, sie direkt in Treibstoff umzuwandeln. © pixabay
Von: Wissensland
Sonnenlicht in sauberen Treibstoff verwandeln – das klingt utopisch, rückt aber näher. Forschende am CASUS in Görlitz haben eine neue Methode entwickelt, mit der sich Solarmaterialien gezielt berechnen und verbessern lassen. Ein Durchbruch für die Energiewende?

Licht fällt auf ein Material. Und plötzlich entsteht chemische Energie – etwa in Form von Wasserstoff oder anderen energiereichen Stoffen. Klingt wie Magie, ist aber Wissenschaft. Forschende aus Sachsen sind ihr ein großes Stück nähergekommen.

Photokatalyse nennt sich dieser Prozess. Manche Materialien können Sonnenlicht einfangen und diese Energie nutzen, um chemische Reaktionen anzustoßen. Wie ein Turbo für die Chemie, angetrieben von der Sonne. So ließe sich etwa Wasser in Wasserstoff spalten, ein sauberer Energieträger. Oder CO₂ in nützliche Grundstoffe verwandeln. Auch die Herstellung wichtiger Chemikalien wie Wasserstoffperoxid könnte so nachhaltiger werden.

Ein Team unter Leitung des Center for Advanced Systems Understanding (CASUS) am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) hat nun einen wichtigen Schritt gemacht. Die Forschenden in Görlitz haben eine verlässliche Rechenmethode entwickelt, um eine vielversprechende Gruppe von Materialien besser zu verstehen, die sogenannten Polyheptazin-Imide. Das sind hauchdünne, schichtartige Verbindungen aus der Familie der Kohlenstoffnitride, also Materialien aus Kohlenstoff- und Stickstoffatomen. Sie sind günstig herzustellen, ungiftig und hitzebeständig. Vor allem aber reagieren sie auf sichtbares Licht.

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Das Problem: Energie geht verloren

Der Haken an früheren ähnlichen Materialien war die sogenannte Ladungstrennung. Wenn Licht auf ein Material trifft, werden Elektronen in einen angeregten Zustand versetzt. Damit sie chemische Reaktionen auslösen können, müssen sie diesen Zustand lange genug halten. Bei vielen Materialien scheiterte genau das. Die Elektronen fielen rasch zurück, die Energie verpuffte als Wärme oder Licht.

"Polyheptazin-Imide mit eingebetteten positiv geladenen Metallionen zeigen eine deutlich verbesserte Ladungstrennung und sind daher besonders vielversprechend für praktische Anwendungen", erläutert Hauptautorin Dr. Zahra Hajiahmadi. Die eingebetteten Metallionen sitzen in negativ geladenen Poren im Material und verändern, wie Elektronen sich darin verhalten. Das Problem bisher: Es gibt Tausende denkbare Kombinationen aus Metallionen, Aufbau und chemischen Veränderungen. Alle auszuprobieren wäre unmöglich. "Der Designraum ist enorm", sagt Prof. Thomas D. Kühne, Direktor des CASUS.

Rechnen statt raten

Hier kommt die neue Methode ins Spiel. Das Team entwickelte ein computergestütztes Verfahren, das präzise vorhersagt, wie ein Material auf Licht reagiert. Entscheidend dabei ist, dass es nicht nur den Ruhestand eines Materials berücksichtigt, sondern auch angeregte Zustände. Also genau jene Momente, in denen das Licht auftrifft und Elektronen in Bewegung geraten.

Insgesamt analysierten die Wissenschaftler 53 verschiedene Metallionen und untersuchten, wie sie die Struktur und die elektronischen Eigenschaften des Materials verändern. Anschließend stellten sie acht davon tatsächlich im Labor her und testeten sie unter anderem für photokatalytische Reaktionen. Das Ergebnis war eindeutig: Die Berechnungen stimmten mit den Experimenten überein. "Sollten Zweifel bestanden haben, dass Polyheptazin-Imide zu den vielversprechendsten Plattformen für Photokatalyse-Technologien der nächsten Generation gehören, so hat diese Arbeit sie ausgeräumt", zieht Kühne ein klares Fazit.

Für die Energiewende könnte das bedeutend sein. Wer Sonnenlicht direkt in Treibstoff oder andere chemische Energieträger verwandeln kann, braucht weder riesige Batterien noch aufwendige Umwege. Die Natur macht es mit der Photosynthese vor. Die Wissenschaft arbeitet daran, es nachzubauen.


Originalpublikation:
Z. Hajiahmadi, A. L. Presti, S. Shahab Naghavi, M. Antonietti, C. M. Pelicano, T. D. Kühne: Theory-Guided Discovery of Ion-Exchanged Poly(heptazine imide) Photocatalysts Using First-Principles Many-Body Perturbation Theory, Journal of the American Chemical Society, 2026

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