Definition und aktueller Zustand des Bürgerjournalismus
Bürgerjournalismus bezeichnet die aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Erstellung und Verbreitung von Nachrichten und Informationen. Meist geschieht dies außerhalb klassischer Redaktionen, etwa über Blogs, soziale Medien, Video-Plattformen oder Podcasts. Bürgerjournalismus - oft auch Partizipativer oder Graswurzel-Journalismus genannt – berichtet eigenständig über lokale Ereignisse, teilt Fachwissen oder kommentiert das Geschehen aus subjektiver Perspektive. In demokratischen Ländern ergänzt er damit die Medienvielfalt, indem er Nischenthemen oder vernachlässigte Aspekte aufgreift. In repressiven Systemen trägt er häufig zur Aufdeckung von Missständen bei, indem er unzensierte Informationen liefert. Wichtig ist: Bürgerjournalismus versteht sich nicht zwingend als Ersatz für professionellen Journalismus, sondern als dessen Ergänzung und Erweiterung um neue Perspektiven.
In Deutschland hat Bürgerjournalismus vor allem im lokalen Bereich Fuß gefasst. Viele Lokalzeitungen laden Leserinnen und Leser ein, als Bürgerreporter Beiträge beizusteuern. Beispiele sind Mitmach-Portale wie myheimat.de, die seit den 2000er Jahren von Regionalverlagen genutzt werden, um Nutzerbeiträge in die Berichterstattung einfließen zu lassen. Insgesamt ist die deutsche Nachrichtenlandschaft aber weiterhin stark von professionellen Medien geprägt; eigenständige Bürgerjournalismus-Portale spielen (noch) eine vergleichsweise geringe Rolle. Nichtsdestotrotz ermöglichen neue digitale Initiativen engagierten Bürgerinnen und Bürgern, sich Gehör zu verschaffen. So betreibt etwa das Recherchezentrum CORRECTIV mit dem CrowdNewsroom eine Plattform, auf der Bürger und Reporter gemeinsam Daten sammeln und Geschichten recherchieren. Auch große Medien integrieren bürgerliches Engagement, z. B. durch Leserbeiräte, Umfragen oder Gastbeiträge – in ihre Inhalte. Der aktuelle Trend zeigt gemischte Entwicklungen: Einerseits gibt es in Deutschland (noch) ein dichteres Netz lokaler Medien als in den USA, andererseits geraten auch hier Lokalredaktionen unter ökonomischen Druck - zuletzt dokumentiert durch die Madsack-Übernahme der DDV-Mediengruppe oder der Einstellung des Wochenkuriers zum 30.09.2025 - und neue partizipative Projekte gewinnen an Bedeutung.