Nach 21 Jahren tritt Burkhard Jung als Oberbürgermeister von Leipzig im kommenden Jahr nicht wieder an. Kurz vor Ende seiner Amtszeit durchlebte er mit der Amokfahrt in der Messestadt mit zwei Toten und vielen Verletzten eine besonders schwere Zeit. «Das hat mich kalt erwischt. Man kann auf so etwas auch nicht vorbereitet sein», sagt der 68 Jahre alte SPD-Politiker. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht er über seine Amtszeit und Zukunftspläne.
Frage: Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie von der Amokfahrt in Leipzig hörten?
Das hat mich kalt erwischt. Man kann auf so etwas auch nicht vorbereitet sein. Ich hatte zuvor mit Amtskolleginnen und Amtskollegen anderer betroffener Städte wie Trier oder Magdeburg gesprochen. Man kann viel vorbereiten: dass der Katastrophenstab funktioniert, dass die Feuerwehr gut aufgestellt ist. Aber was die Situation mit dir macht, darauf ist man nicht vorbereitet.
Frage: Gehen Sie seitdem sorgenvoller durch die Innenstadt?
Antwort: Ich möchte Ihnen ehrlich antworten. Meine Naivität im öffentlichen Raum ist seit der großen Flüchtlingslage 2015 nicht mehr gegeben. Ich war damals sehr klar in meiner Haltung: Offenheit, Vielfalt, Gastfreundschaft. Wir haben eine humanitäre Verantwortung. Und es gab sehr schnell Gegenwind. Es gab Morddrohungen, das Bild eines Galgens auf einem Container für eine Flüchtlingsunterkunft mit der eindeutigen Botschaft: Der Jung muss weg. Dann hatte ich kurzzeitig Personenschutz und das hat viel für mich verändert. Seitdem habe ich eine Art 360-Grad-Empfinden. Ich gehe nicht mehr völlig unbefangen mit meinem Kind am Schaufenster vorbei, sondern ich schau auch, wer noch alles da ist.