In der Oberlausitz wächst die Sorge um das Gelingen des Strukturwandels. Die Landkreise Bautzen und Görlitz sind weiterhin von Abwanderung und dem Verlust von Arbeitsplätzen geprägt. «In der Kohlekommission wollten wir ein klares Signal an die junge Generation senden: Es lohnt sich, in der Lausitz zu bleiben», sagte der Bautzener Landtagsabgeordnete Marko Schiemann der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem ersten Drittel des anvisierten Zeitplans sieht der CDU-Politiker jedoch nicht genügend Impulse und warnt, der Strukturwandel sei gefährdet.
«Nicht verwalten, sondern gestalten»
«Wir brauchen mehr Impulse zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Schaffung von gut bezahlten und attraktiven Arbeitsplätzen. Dazu muss die Bundesregierung endlich wachstumsfördernde Rahmenbedingungen festlegen», sagte Schiemann. «Die Devise muss lauten: Nicht verwalten, sondern gestalten.»
Drastische Umbrüche in der Oberlausitz seit der Wende
Schiemann weist auf einschneidende Veränderungen seit 1990 hin. Rund 100.000 Industriearbeitsplätze gingen verloren – vor allem in der Textilindustrie, im Maschinenbau, Waggonbau, in der Braunkohle und im Energiesektor sowie in der Glasindustrie, Landwirtschaft und der Automobilindustrie. Nach 1999 passte sich die Wirtschaft den Wettbewerbsbedingungen an und die Eigenkapitalquoten mittelständischer Firmen stiegen. Erneute Erschütterungen folgten in der Baukrise bis 2004 und in der Bankenkrise bis 2012.
Hohe Energiekosten bedrohen den Strukturwandel
«Danach haben sich die mittelständischen Unternehmen weiter stabilisiert und sind mit guter Qualität zum Wettbewerber geworden. 95 Prozent aller Industrieprodukte werden aus der Oberlausitz in verschiedene Regionen Europas und der Welt verkauft», erklärte der Abgeordnete. Doch hohe Energiekosten und die folgende Inflation gefährden die Entwicklung des Strukturwandels.
Vor allem energieintensive Unternehmen seien betroffen und hätten 2025 schließen müssen, betonte Schiemann. Als Beispiele nannte er unter anderem die Glaswerke Bernsdorf und Schwepnitz mit je 100 Arbeitsplätzen, die Glasmanufaktur Tschernitz im benachbarten Brandenburg mit 300 Jobs, das Schamottewerk Wetro (200 Jobs) und das MFT Motorenwerk Cunewalde (90 Arbeitsplätze).