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Forscherinnen testen neuen Ansatz gegen Vorstufe von Leukämie

Eine Biologin, eine Ärztin, ein Ziel: Prof. Manja Wobus (l.) und Dr. Katja Sockel vom Universitätsklinikum Dresden haben einen Wirkstoff gefunden, der die Knochenmarkerkrankung MDS gleich doppelt bekämpfen könnte.
Prof. Manja Wobus (l.) und Dr. Katja Sockel forschen gemeinsam am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Dresden – ihr „Tandem" aus Biologie und Medizin könnte neue Wege in der MDS-Behandlung eröffnen. © M. Kretzschmar/S. Wiegand
Von: Wissensland
Wer an MDS erkrankt, kämpft oft auf zwei Fronten: schlechte Blutbildung und brüchige Knochen. Dresdner Forscherinnen haben nun einen Wirkstoff getestet, der beide Probleme gleichzeitig angehen könnte.

Müdigkeit, Blässe, brüchige Knochen: Bei einer bestimmten Erkrankung des Knochenmarks leiden Betroffene oft gleich an mehreren schweren Beschwerden. Ein Dresdner Forschungsteam hat nun einen Wirkstoff untersucht, der möglicherweise zwei dieser Probleme gleichzeitig beeinflussen könnte. Die Ergebnisse der Studie erschienen im Fachjournal HemaSphere.

Die Erkrankung heißt Myelodysplastische Neoplasie, kurz MDS. Das Knochenmark produziert dabei zu wenige gesunde Blutzellen. Die Folge ist häufig eine Blutarmut, auch Anämie genannt. Gleichzeitig werden die Knochen brüchiger, weil entzündliche Prozesse im Knochenmark die Knochenstruktur angreifen. MDS gilt als Vorstufe von Leukämie, also Blutkrebs. Bisherige Behandlungen richten sich oft vor allem gegen einzelne Aspekte der Erkrankung.

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Ein Wirkstoff mit doppeltem Effekt

Forschende am Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Dresden, kurz NCT/UCC Dresden, haben nun den Wirkstoff Tasquinimod untersucht. Er wirkt entzündungshemmend und beeinflusst gezielt Signalwege, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind. In Laborversuchen und in präklinischen Modellen zeigte sich dabei ein doppelter Effekt: Der Wirkstoff verbesserte die gestörte Blutbildung und verringerte gleichzeitig Schäden an den Knochen.

"Wir konnten in vitro nachweisen, dass die Zugabe von Tasquinimod die Funktion wichtiger Unterstützungszellen im Knochenmark verbessert und die Bildung roter Blutzellen steigert“, erläutert Prof. Manja Wobus, Erstautorin der Studie und Gruppenleiterin im Labor für Experimentelle Hämatologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden. "In vitro“ bedeutet dabei, dass die Versuche außerhalb eines lebenden Organismus im Labor durchgeführt wurden. "Zusätzlich zeigte sich in einem MDS-Mausmodell eine Verbesserung der Knochenstruktur, sodass der Wirkstoff potenziell zwei zentrale Krankheitsaspekte gleichzeitig adressieren könnte.“

Warum die Forschung für MDS wichtig ist

Bei myelodysplastischen Neoplasien konzentrieren sich Therapien bisher häufig vor allem auf die gestörte Blutbildung. Gleichzeitig rücken entzündliche Prozesse im Knochenmark zunehmend in den Fokus der Forschung, weil sie offenbar auch den Knochenabbau und den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. Wirkstoffe, die mehrere dieser Prozesse gleichzeitig beeinflussen könnten, gelten deshalb als besonders interessant. Nun geht es darum, den Wirkstoff für mögliche klinische Studien weiterzuentwickeln. "Das wäre aus meiner Sicht der nächste und folgerichtige Schritt hin zu einer integrativen Behandlungsstrategie, die sowohl Blutbildung als auch Knochengesundheit berücksichtigt und damit langfristig die Versorgung vor allem von Patientinnen und Patienten mit Niedrigrisiko-MDS verbessern kann“, sagt Dr. Katja Sockel, Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie.

Dass eine Biologin und eine Ärztin gemeinsam forschen, ist in Dresden bewusst Teil des Forschungsansatzes. "Die gemeinsame Forschung durch eine Biologin und eine Ärztin in einem ‚Tandem‘ ist ein Modell, das sich in Dresden in der Bearbeitung komplexer Krebsforschungsprojekte sehr bewährt hat“, sagt Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik 1 und einer der geschäftsführenden Direktoren des NCT/UCC Dresden. An der Studie waren mehrere Arbeitsgruppen des Universitätsklinikums Dresden und der Medizinischen Fakultät der Technische Universität Dresden beteiligt.


Originalpublikation:
Wobus, M., Weidner, H., Wehner, R., Baumann, A.-L., Möbus, K., Balaian, E., Törngren, M., Vahtola, E., Eriksson, H., Winter, S., Platzbecker, U., Chavakis, T., Hofbauer, L.C., Rauner, M., Bornhäuser, M. and Sockel, K. (2026), Preclinical efficacy of tasquinimod in myelodysplastic neoplasms: Restoring erythropoiesis and mitigating bone loss. HemaSphere, 10: e70352.

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