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Ostdeutsche in Spitzenpositionen: Warum der Weg an die Spitze schwierig bleibt

Der Weg an die Spitze bleibt für Ostdeutsche schwieriger. Ihr Anteil wächst nur langsam.
Ostdeutsche sind in Deutschlands Spitzenpositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. @ pixabay/George Ion
Von: Wissensland
Ostdeutsche schaffen es noch immer deutlich seltener in Spitzenpositionen. Forschende aus Sachsen und Thüringen untersuchen, warum sich daran nur langsam etwas ändert.

Eine Hochschulpräsidentin, ein Richter am Bundesgerichtshof, der Chef eines großen Unternehmens: In Deutschlands Spitzenpositionen sitzt vergleichsweise selten jemand, der in Ostdeutschland aufgewachsen ist. Wie groß diese Lücke ist und warum sie sich nur langsam schließt, untersuchen Forschende aus Sachsen und Thüringen im bundesweiten Projekt "Elitenmonitor". Beteiligt sind die Universität Leipzig, die Hochschule Zittau/Görlitz und die Universität Jena.

Die Forschenden untersuchen, wer es in Deutschland in Spitzenpositionen schafft. Ihre Datenbank umfasst mehr als 3000 solcher Positionen, von Politik und Wirtschaft über Justiz und Medien bis zur Wissenschaft. Ostdeutsche stellen rund 19 Prozent der Bevölkerung. In Spitzenpositionen sind sie aber deutlich seltener vertreten. Zwischen 2018 und 2024 stieg ihr Anteil nur leicht, von 10,9 auf 12,1 Prozent.

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Wissenschaft holt auf, bleibt aber zurück

Besonders deutlich hat sich die Lage in der Wissenschaft verändert. 2018 waren nur 1,6 Prozent der wissenschaftlichen Führungspositionen mit Ostdeutschen besetzt. Bis 2023 stieg ihr Anteil auf 8,1 Prozent. Das ist ein deutlicher Sprung. Er liegt aber weiterhin weit unter dem Anteil Ostdeutscher an der Bevölkerung.

Für ihre Untersuchung werteten die Forschenden Karrieredaten aus, befragten 685 Führungskräfte und führten 35 ausführliche Interviews. Dabei zeigte sich, dass beim Aufstieg viele Faktoren zusammenspielen. Dazu gehören Karrierewege und Auswahlverfahren, aber auch persönliche Netzwerke und Kontakte zu Menschen, die Karrieren fördern können.

Die Unterschiede enden offenbar nicht mit dem Aufstieg. Ostdeutsche bleiben im Schnitt auch kürzer an der Spitze. Bei den zwischen 2018 und 2024 ausgeschiedenen Führungskräften waren es durchschnittlich 6,3 Jahre, bei Westdeutschen 7,1 Jahre.

Mehr Vielfalt an der Spitze

Wie sich die Situation verändern lässt, diskutieren die Forschenden auch mit Menschen, die selbst Spitzenpositionen erreicht haben. Eine von ihnen ist die gebürtige Dresdnerin und Kunsthistorikerin Isabel Wünsche. "Man muss insgesamt erst einmal eine breitere und buntere Mischung von Leuten in Führungspositionen bringen", sagt sie. Den Blick allein auf die ostdeutsche Herkunft zu richten, hält die Professorin deshalb für zu eng. Sie verweist auch auf Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte, unterschiedliche Generationen und Menschen aus bildungsfernen Familien.

Der Sammelband "Die Unterrepräsentation Ostdeutscher in Spitzenpositionen in Deutschland" nennt zudem konkrete Möglichkeiten, Aufstiegschancen zu verbessern. Für die Wissenschaft schlagen die Autorinnen und Autoren unter anderem flexiblere Karrierewege und eine gezieltere Suche nach Talenten für Stipendien vor.

Der Elitenmonitor wird von der Bundesregierung gefördert. Am Forschungsprojekt beteiligt sind Prof. Astrid Lorenz und Dr. Lars Vogel von der Universität Leipzig, Prof. Raj Kollmorgen von der Hochschule Zittau/Görlitz sowie Prof. Marion Reiser von der Universität Jena.


Originalpublikation:
Lorenz, Astrid/Vogel, Lars/Kollmorgen, Raj/Reiser, Marion (Hg./2026). Die Unterrepräsentation Ostdeutscher in Spitzenpositionen in Deutschland. Dynamik, Ursachen, Handlungsoptionen. Wiesbaden: Springer VS.

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