Vom bösen Wolf kann hier keine Rede sein: Ein junger Wolf hat wegen auffälligen Verhaltens die Behörden in Sachsen auf den Plan gerufen. «Der Welpe nähert sich Menschen auf kurze Distanz, ist neugierig, folgt Spaziergängern über weite Strecken und zeigt dabei Spielaufforderungen, indem er kleine Sprünge macht oder Gegenstände ins Maul nimmt», gab das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bekannt. Ein aggressives Verhalten gegenüber Menschen sei bislang nicht beobachtet worden.
Welpe hat vermutlich keine schlechten Erfahrungen mit Menschen
Für die Experten ist das Verhalten des Welpen noch nicht geklärt. Es wird aber vermutet, dass er positive Erfahrungen mit Menschen gemacht haben könnte. «Die instinktive Vorsicht von Wölfen gegenüber Menschen kann verloren gehen, wenn die Tiere zum Beispiel über längere Zeit gezielt angefüttert werden oder in menschlicher Nähe Futterquellen wie Kompost, Schlachtabfälle oder Katzenfutter finden», hieß es. Auch ein spielerisches Anlocken könne gerade bei Welpen ein Interesse wecken und die Fluchtdistanz verringern.
Zutraulicher Wolf soll vergrämt werden
Die Behörden sehen sich nun zum Handeln gezwungen. Nachdem sich die Meldungen über Begegnungen gehäuft hatten, wurde das Monitoring im Gebiet verstärkt, hieß es. Mitarbeiter des Wolfsmanagements seien vor Ort aktiv, um das Tier nach Möglichkeit mit einem Senderhalsband zu versehen und Maßnahmen zur Vergrämung einzuleiten. Dadurch solle das Tier wieder die Scheu vor dem Menschen aufbauen. Zudem wurden Hinweisschilder angebracht, um Spaziergänger über den zutraulichen Welpen zu informieren.
«Es ist wichtig, dass sich dieses unerwünschte Verhalten nicht weiter festigt beziehungsweise möglichst schnell abgestellt wird», teilte das Landesamt mit. Anwohner und Spaziergänger wurden aufgerufen, alle möglichen Futterquellen für den Jungwolf zu vermeiden und ihn nicht anzulocken. Bei einer Begegnung soll man laut rufen oder schreien, gezielt Steine werfen und den Welpen vertreiben. Zugleich wurde darum gebeten, jede Sichtung schnell zu melden, um fortlaufend ein aktuelles Bild der Lage zu bekommen.
Bei einem ähnlichen Fall hatte sich das Problem im Frühjahr dieses Jahres von selbst gelöst. Damals hatte ein Jungwolf in Sachsen auch Anzeichen von Nähe gezeigt. Daraufhin wurde das Monitoring aktiviert und der Wolf verschwand.