Ein langanhaltender Trend auf dem sächsischen Ausbildungsmarkt ist gebrochen: Unternehmen stellen nicht mehr unbedingt ein, wenn es keinen geeigneten Kandidaten gibt. «Wir stellen eine neue Tendenz fest. Unternehmen sagen: Wenn ich mir nicht hundertprozentig sicher bin und ein Kandidat nicht hundertprozentig passt, dann halte ich lieber Abstand», sagte Torsten Köhler, Geschäftsführer des Bereichs Bildung bei der IHK Dresden, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Rückgänge vor allem in der Autoindustrie
Zum Start des neuen Ausbildungsjahres beobachtet die IHK zu Leipzig einen Rückgang bei den Ausbildungsplätzen im produzierenden Gewerbe, vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. «Hier sind viele Unternehmen angesichts der angespannten wirtschaftlichen Entwicklung vorsichtiger geworden und stellen weniger Auszubildende ein», teilte Sprecher Carsten Wurtmann mit.
Das berichtete auch Köhler. Ihm zufolge bildet vor allem die strauchelnde Automobilindustrie in Südwestsachsen spürbar weniger aus. «Wer dort einsteigen will, der hat es natürlich dann dort schwieriger», sagte Köhler. Auch in Leipzig seien die Zahlen zurückgegangen. «Da zeigen sich viele Unternehmen sehr verhalten mit ihren Ausbildungsverträgen.» Die Planung richte sich nach den Betriebsaussichten sowie der Personalstruktur der Unternehmen und folge der wirtschaftlichen Entwicklung.
Entscheidung über Lehrstellen braucht langen Vorlauf
Dabei müsse man fünf Jahre im Voraus denken - ein Jahr vor Ausbildungsbeginn fällt die Entscheidung, ob eine Lehrstelle angeboten wird. Die Ausbildung selbst dauert drei Jahre, dann besteht bei größeren Unternehmen ein Jahr Weiterbeschäftigungspflicht. «Die Lage ist aktuell aber so unsicher, dass die Unternehmen nicht wissen, wie es im nächsten halben Jahr oder im nächsten Jahr aussieht. Da sind sie natürlich vorsichtig.»