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Musik, wo Schweigen ist – Kompositionen im Speziallager Bautzen

Konzertsaal
Foto: Achim Kleuker
Von: Uwe Tschirner
Trotz striktem Sing- und Schreibverbot komponierte der Häftling Hans Schmidt im Speziallager Bautzen zwanzig Werke – die Violinistin Dr. Anna Barbara Kastelewicz bringt diese vergessenen Stücke nun in einer Matinee in der Gedenkstätte Bautzen erstmals wieder zu Gehör.

Die Gedenkstätte Bautzen lädt am Sonntag, 20. Juni, 11.00 Uhr, zu einer besonderen Matinee ein, die sich einem bislang kaum bekannten Kapitel der Lagergeschichte widmet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Kompositionen des Häftlings Hans Schmidt, der im Speziallager Bautzen unter extrem widrigen Bedingungen musikalische Werke schuf. Das Speziallager Bautzen existierte von Mai 1945 bis Frühjahr 1950 als stalinistisches Internierungs- und Straflager auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone. Von etwa 27.300 inhaftierten Männern und Frauen starben rund 3.000 Menschen an den katastrophalen Haftbedingungen, darunter Hunger, Krankheiten und Misshandlungen. 

Anders als im sowjetischen GULAG, wo eine von der Lagerleitung geförderte „Kultura“ existierte, war in den Speziallagern der SBZ selbst das Singen offiziell verboten. Dennoch entstanden in Bautzen inoffizielle kulturelle Aktivitäten – Zeitzeugen berichten von einer Musikkapelle und heimlichen Gesangsgruppen, die sich trotz strikter Verbote bildeten. Der Konzertmeister Hans Schmidt, 1914 geboren und 1948 wegen angeblicher Spionage zu 25 Jahren Lager verurteilt, komponierte im Speziallager zahlreiche neue Werke, obwohl ihm das Schreiben strengstens untersagt war. Er bewahrte seine Stücke ausschließlich im Gedächtnis, bis er sie 1955 nach einer Lockerung der Haftbedingungen endlich notieren konnte – oft auf die Rückseiten bereits bedruckter Blätter. Heute sind etwa 20 Werke von ihm bekannt, die durch einen schlichten, homophonen Klaviersatz geprägt sind, der das Auswendiglernen erleichterte. 

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Die Violinistin und Musikwissenschaftlerin Dr. Anna Barbara Kastelewicz hat diese Kompositionen im Rahmen ihrer Forschung erschlossen und in ihrer Doktorarbeit „Musik, wo Schweigen ist. Kultura und kulturelle Betätigung in den sowjetischen Speziallagern in der SBZ und DDR 1945–1950“ aus dem Jahr 2024 wissenschaftlich aufgearbeitet. In der Matinee der Gedenkstätte Bautzen bringt Anna Barbara Kastelewicz Hans Schmidts Kompositionen nun erstmals in diesem Rahmen zur Aufführung. Sie beleuchtet dabei die besonderen Entstehungsbedingungen der Stücke, ihre musikalischen Besonderheiten und die Bedeutung der Musik als Form innerer Stabilisierung und Ausdrucksmittel für die Häftlinge. 

Die Veranstaltung wird von der Gedenkstätte Bautzen/Stiftung Sächsische Gedenkstätten ausgerichtet, der Eintritt ist frei. Veranstaltungsort ist die Gedenkstätte Bautzen in der Weigangstraße 8 a, 02625 Bautzen. Interessierte Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, dieses außergewöhnliche musikhistorische Zeugnis der Lagerwirklichkeit kennenzulernen. 

Uwe Tschirner
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Uwe Tschirner

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