Die Gedenkstätte Bautzen lädt am Sonntag, 20. Juni, 11.00 Uhr, zu einer besonderen Matinee ein, die sich einem bislang kaum bekannten Kapitel der Lagergeschichte widmet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Kompositionen des Häftlings Hans Schmidt, der im Speziallager Bautzen unter extrem widrigen Bedingungen musikalische Werke schuf. Das Speziallager Bautzen existierte von Mai 1945 bis Frühjahr 1950 als stalinistisches Internierungs- und Straflager auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone. Von etwa 27.300 inhaftierten Männern und Frauen starben rund 3.000 Menschen an den katastrophalen Haftbedingungen, darunter Hunger, Krankheiten und Misshandlungen.
Anders als im sowjetischen GULAG, wo eine von der Lagerleitung geförderte „Kultura“ existierte, war in den Speziallagern der SBZ selbst das Singen offiziell verboten. Dennoch entstanden in Bautzen inoffizielle kulturelle Aktivitäten – Zeitzeugen berichten von einer Musikkapelle und heimlichen Gesangsgruppen, die sich trotz strikter Verbote bildeten. Der Konzertmeister Hans Schmidt, 1914 geboren und 1948 wegen angeblicher Spionage zu 25 Jahren Lager verurteilt, komponierte im Speziallager zahlreiche neue Werke, obwohl ihm das Schreiben strengstens untersagt war. Er bewahrte seine Stücke ausschließlich im Gedächtnis, bis er sie 1955 nach einer Lockerung der Haftbedingungen endlich notieren konnte – oft auf die Rückseiten bereits bedruckter Blätter. Heute sind etwa 20 Werke von ihm bekannt, die durch einen schlichten, homophonen Klaviersatz geprägt sind, der das Auswendiglernen erleichterte.