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Der Arbeitsmarkt in der Oberlausitz

Arbeitsmarkt
Foto: Uwe Tschirner
Von: Uwe Tschirner
Im April 2026 hat sich der Arbeitsmarkt in den Landkreisen Bautzen und Görlitz leicht entspannt. Gleichzeitig bleiben Unternehmen bei Neueinstellungen vorsichtig.

Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt im Bezirk Bautzen und Görlitz

Der Arbeitsmarkt in den Landkreisen Bautzen und Görlitz hat sich im April 2026 leicht entspannt. Die Arbeitslosigkeit sank, weil die Winterpause in wetterabhängigen Jobs zu Ende ging, während Unternehmen weiter vorsichtig bei Neueinstellungen blieben. Einzelne Branchen, vor allem die Zeitarbeit, machten da eine Ausnahme, weil sie vorübergehende Auftragsspitzen abdecken. Das zeigt, dass Unternehmen für vorübergehende Auftragsspitzen aktuell mehr auf Zeitarbeit setzen, anstatt Personal direkt einzustellen. Trotzdem sind von den über 4.100 gemeldeten Arbeitsstellen im Bestand der Arbeitsagentur immer noch drei Viertel außerhalb der Zeitarbeit zu besetzen. Da aber Qualifikationen der Arbeitslosen und Anforderungen der Arbeitsstellen häufig nicht zusammenpassen, sind Flexibilität, Veränderungs- und Lernbereitschaft unbedingt nötig. An beruflicher Umorientierung und Qualifizierung führt oft kein Weg vorbei, um die Jobchancen nachhaltig zu steigern, sagte Anja Schilling, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen.

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Wesentliche Kennzahlen der Arbeitslosigkeit im April 2026

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Bautzen (Landkreise Bautzen und Görlitz) waren im April 2026 20.173 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 268 Personen (-1,3 Prozent) weniger als im Vormonat und 361 Personen (-1,8 Prozent) weniger als im April 2025. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vormonat leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent. Im April 2025 betrug sie 7,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit nach Aufgabenbereichen

Bei der Agentur für Arbeit Bautzen, welche unter anderem für die Auszahlung von Arbeitslosengeld zuständig ist, waren im April 2026 7.557 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 361 Personen weniger als im Vormonat, aber 301 Personen mehr als vor einem Jahr. Bei den beiden Jobcentern der Landkreise Bautzen und Görlitz waren 12.616 Arbeitslose registriert, welche Bürgergeld empfingen. Das sind 93 Personen mehr als im Vormonat, aber 662 Personen weniger als im Vorjahr.

Unterbeschäftigung

Die Unterbeschäftigung umfasst neben der Arbeitslosigkeit auch die Arbeitsmarktpolitik und kurzfristige Arbeitsunfähigkeit und zeichnet daher ein umfassenderes Bild. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im April 2026 bei 23.078. Das waren 268 Personen weniger (-1,1 Prozent) als im Vormonat und 332 Personen weniger (-1,4 Prozent) als im Vorjahresmonat. Die Unterbeschäftigungsquote sank gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent. Vor einem Jahr lag die Unterbeschäftigungsquote bei 8,4 Prozent.

Arbeitskräftenachfrage und Stellenbestand

Die Unternehmen meldeten der Arbeitsagentur Bautzen im April 2026 665 freie sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen. Das ist der viertniedrigste Stand in einem April in den letzten 15 Jahren. Nur im April der Jahre 2020, 2024 und 2025 war die Zahl der neu gemeldeten Arbeitsstellen noch niedriger.

Insgesamt hat die Arbeitsagentur Bautzen 4.153 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen im Bestand, 861 Stellen (+26,2 Prozent) mehr als im Vorjahr. Dennoch ist die Gesamtzahl der gemeldeten Arbeitsstellen deutlich vom erreichten Höchststand vom April 2022 entfernt. Damals waren noch 5.120 Stellen im Bestand.

Aktuell sind die meisten Arbeitsstellen in der Zeitarbeit gemeldet (1.041), gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe (746), dem Handel (452), dem Gesundheits- und Sozialwesen (356) sowie freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (337). Für Hilfskräfte sind derzeit 599 Arbeitsstellen im Bestand, für Fachkräfte, Spezialisten und Experten insgesamt 3.554 Arbeitsstellen.

Job-Chancen variieren je nach Qualifikation

Aktuell stehen statistisch fünf Arbeitslose einer gemeldeten Arbeitsstelle gegenüber. Langfristig betrachtet hat sich dieses Verhältnis verbessert: Vor 10 Jahren, im April 2016, waren es noch sieben Arbeitslose je gemeldete Arbeitsstelle (25.310 Arbeitslose / 3.400 Arbeitsstellen) und vor 17 Jahren, im April 2009, konkurrierten sogar 31 Arbeitslose um eine gemeldete Stelle (48.000 Arbeitslose / 1.550 Arbeitsstellen).

Die Jobchancen variieren je nach Qualifikationsstufe: Um eine Arbeitsstelle im Helferbereich konkurrieren statistisch jeweils 18 arbeitslose Hilfskräfte. Für Fachkräfte, Spezialisten und Experten ist die Ausgangslage deutlich günstiger, hier kommen statistisch jeweils drei Arbeitslose auf eine gemeldete Arbeitsstelle.

Gute Jobchancen gibt es im Bereich der fertigungstechnischen Berufe, wozu unter anderem die Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe zählen. Hier kommt statistisch ein Arbeitsloser auf eine gemeldete Arbeitsstelle. Das Risiko, länger arbeitslos zu bleiben, ist niedrig. Gute Jobchancen haben beispielsweise auch Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Steuerberatung sowie den Bereichen Kunststoffherstellung und -verarbeitung, Holzbe- und -verarbeitung, Klempnerei, Sanitär, Heizung, Klimatechnik, Verkehr und Logistik.

Kurzarbeitergeld und konjunkturelle Lage

Nach vorläufigen Hochrechnungen haben im April 2026 17 Unternehmen für 377 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Das waren neun Betriebe und 249 Beschäftigte mehr als im Vormonat. Im März 2026 kamen die meisten Betriebe, welche Kurzarbeit neu anzeigen mussten, aus dem verarbeitenden Gewerbe. Für April 2026 liegen hierzu noch keine statistischen Daten vor.

Nach aktuellen Hochrechnungen haben bislang im Dezember 2025 43 Betriebe konjunkturelles Kurzarbeitergeld für insgesamt 1.179 Beschäftigte beantragt. Das sind vier Betriebe und 429 Beschäftigte weniger als im Vorjahresmonat. Rechnerisch waren im Dezember 2025 0,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Arbeitsort im Arbeitsagenturbezirk Bautzen von Kurzarbeit betroffen, im Dezember 2024 waren es 0,8 Prozent.

Ausblick und Handlungsempfehlungen

Die aktuelle Entwicklung deutet darauf hin, dass Unternehmen vermehrt auf Zeitarbeit setzen, um Auftragsspitzen abzudecken, während Stammpersonal erst skaliert wird. Angesichts der Qualifikationsübereinstimmung bleibt Weiterbildung entscheidend: Berufliche Umorientierung, Qualifizierung und lebenslanges Lernen erhöhen die Jobchancen nachhaltig. Anja Schilling, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen, betont dazu, dass die Arbeitslosigkeit im April 2026 leicht gesunken ist und Unternehmen weiterhin auf eine gute Passung von Qualifikationen achten sollten, um langfristig die Jobchancen zu verbessern.

Uwe Tschirner
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Uwe Tschirner

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