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Chemnitz: Investorenlösung bei STC sichert 40 Jobs

Chemnitz: Investorenlösung bei STC sichert 40 Jobs
Symbolbild Zwirn / pixabay wal_172619
From: Thomas Wolf
Für STC Spinnzwirn ist eine Teilfortführung gefunden. Rund 40 Stellen bleiben erhalten, für die übrigen gibt es eine Transfergesellschaft.

Teile von STC Spinnzwirn werden fortgeführt

Im Insolvenzverfahren der STC Spinnzwirn GmbH in Chemnitz ist eine Investorenlösung für zentrale Unternehmensbereiche gelungen. Der bisherige Gesellschafter Starlinger übernehme ausgewählte Vermögenswerte und lege damit die Grundlage für eine neue, eigenständige Gesellschaft mit rund 40 Beschäftigten, teilte der vom Amtsgericht Chemnitz bestellte Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus am 14. September mit. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze nicht erhalten werden können, sei eine Transfergesellschaft eingerichtet worden.

Voigt-Salus, der das Verfahren seit Ende Mai gemeinsam mit seinem Team von VOIGT SALUS begleite, sagte, mit der Übernahme könnten wichtige Teile des Unternehmens und rund 40 Arbeitsplätze erhalten werden. Zugleich habe man für einen großen Teil der Belegschaft keine Fortführungsperspektive schaffen können. Deshalb sei eine sozialverträgliche Lösung mit Transfergesellschaft besonders wichtig gewesen.

Neue Gesellschaft startet am 1. November

Die Starlinger-Gruppe, ein international tätiges Maschinenbauunternehmen in Familienbesitz, sei bereits Gesellschafter von STC. Für den Weiterbetrieb sei eine neue Gesellschaft gegründet worden, die am 1. November ihren Betrieb aufnehmen und am bisherigen Standort in Chemnitz ansässig sein soll. Die neue Einheit führe den Maschinen- und Anlagenbau im Bereich Extrusionsanlagen fort, vor allem Monofilamentanlagen. Im Mittelpunkt stünden Anlagen zur Herstellung von Ausgangsmaterialien für Kunstrasen.

Auch Reparatur, Service und Wartung sollen erhalten bleiben. Die neue Gesellschaft werde künftig von Nico Dürrschmidt, bisher Geschäftsführer der STC Spinnzwirn GmbH, geleitet. Ingo Meier, ebenfalls bislang Geschäftsführer, übernehme als Werksleiter und Prokurist eine zentrale operative Rolle.

Dürrschmidt erklärte, die vergangenen Monate seien für viele Beschäftigte persönlich belastend gewesen. Er dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Engagement, Loyalität und Zusammenhalt. Zugleich bedauerte er, dass nicht allen Kolleginnen und Kollegen eine Perspektive in der neuen Gesellschaft angeboten werden könne. Wichtig sei deshalb gewesen, den betroffenen Beschäftigten mit der Transfergesellschaft eine Unterstützung für neue berufliche Wege zu schaffen. Auch Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner hätten das Unternehmen in dieser Ausnahmesituation unterstützt.

Transfergesellschaft soll Übergang erleichtern

Allen Beschäftigten, die nicht übernommen werden können, werde der Übergang in eine Transfergesellschaft ermöglicht. Dort seien die ehemaligen STC-Mitarbeiter bis zu acht Monate angestellt und erhielten aufgestocktes Transferkurzarbeitergeld. Zusätzlich würden sie bei Bewerbungen und Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt. Nach Angaben des Insolvenzverwalters solle so ein geordneter und sozialverträglicher Wechsel in neue Beschäftigungschancen gelingen.

Michael Pfüller aus dem Team des Insolvenzverwalters erklärte, eine wichtige Voraussetzung für die Lösung sei gewesen, dass der Geschäftsbetrieb während des gesamten Insolvenzverfahrens habe aufrechterhalten werden können. Neben der großen Loyalität des Teams habe man auf einen gesunden Unternehmenskern bauen können. Dadurch sei es möglich gewesen, den Betrieb fortzuführen und parallel Sanierungsmaßnahmen sowie den Investorenprozess voranzutreiben.

Die bisherige STC-Gesellschaft werde mit einem Kernteam noch laufende Aufträge abarbeiten und bis Ende Oktober ausproduzieren. Danach könnten auch diese Beschäftigten in die Transfergesellschaft wechseln. Damit solle der Übergang aus dem Insolvenzverfahren heraus geordnet verlaufen.

Internationaler Investorenprozess brachte kein Komplettangebot

Die Suche nach einem Investor sei international durchgeführt worden und von M&A-Experte Simon Leopold sowie seinem Team bei ABG Consulting Partner verantwortet worden. Leopold sagte, der strukturierte Prozess habe gezeigt, unter welchem Anpassungsdruck die Maschinenbaubranche derzeit stehe. Man habe mit mehreren internationalen Interessenten verhandelt, doch keiner sei bereit gewesen, das Unternehmen in seiner bisherigen Form zu übernehmen. Das beste Angebot habe deshalb vom bisherigen Gesellschafter Starlinger gestammt.

Nach Angaben Leopolds laufen derzeit noch Gespräche mit einem potenziellen Investor über die Übernahme von Teilen der STC-Sparte Highspeedwickler. Ob daraus eine weitere Teilfortführung werde, sei offen. Die Verhandlungen dauerten an.

Schwache Auftragslage trieb STC in die Krise

Die Wurzeln der STC Spinnzwirn GmbH reichen bis ins Jahr 1866 zurück. Das Unternehmen habe sich über viele Jahrzehnte zu einem spezialisierten Anbieter im internationalen Maschinen- und Anlagenbau entwickelt. Produziert und vertrieben worden seien unter anderem Maschinen und Anlagen zur Herstellung von Monofilament sowie Folienbändchen, etwa für Teppiche, Kunstrasen sowie Landwirtschafts-, Agro- und Geotextilien.

Trotz der langen Firmengeschichte und einer festen Kundenbasis habe sich das Marktumfeld zuletzt deutlich verschlechtert. Schwache Auftragseingänge, geopolitische Unsicherheiten und eine anhaltende Investitionszurückhaltung wegen gestiegener Rohstoffkosten in wichtigen Absatzmärkten hätten zu deutlichen Rückgängen bei Umsatz und Ergebnis geführt. Außergerichtliche Maßnahmen hätten den Liquiditätsschwund nicht ausreichend stoppen können. Deshalb sei im Mai der Antrag auf ein gerichtliches Sanierungsverfahren gestellt worden; das Insolvenzverfahren wurde am 1. August eröffnet.

Betriebswirtschaftlich begleitet werde das Verfahren von der Anchor Management GmbH. Mit der nun gefundenen Teilfortführung bleibt der Standort Chemnitz in einem Kernbereich erhalten, während für die übrigen Beschäftigten ein Übergang in neue Beschäftigung organisiert wird.