So emotional war der Saisonabschluss der Eislöwen mit 1500 Fans
Die Stimmung widerspricht der sportlichen Gemengenlage. Und zwar deutlich. Von Abstiegsschmerz keine Spur. Beinahe ausgelassen fiel der Saisonabschluss bei den Dresdner Eislöwen aus. Der sportlich chancenlose Absteiger aus der DEL generierte auch beim letzten Aufeinandertreffen dieser historischen Spielzeit mit den eigenen Anhängern einen enormen Fanandrang. Knapp 1500 Fans strömten am vergangenen Freitag in die Joynext-Arena.
Der Ansturm kommt nicht von ungefähr, schließlich war es für die leidgeplagten Eislöwen-Anhänger die letzte Möglichkeit, viele Profis in blau-weißen Vereins-Trikots zu sehen, zu fotografieren, Autogramme einzuholen – und ordentlich Geld auszugeben.
Die Trikotversteigerung – jeweils ein Punktspiel-Shirt und ein Warm-up-Trikot jedes Profis – brachte den Eislöwen eine kleine fünfstellige Summe ein. Das Spielerdress von Torhüter und Publikumsliebling Jannick Schwendener wechselte zum Tageshöchstwert von 750 Euro seinen Besitzer.
Der Schweizer mit deutschem Pass bleibt dem Team erhalten, doch der personelle Umbruch um ihn herum wird einschneidend. Am Donnerstag vergangener Woche vermeldete der Klub elf Abgänge auf einen Schlag: Rourke Chartier, Lance Bouma, Trevor Parkes, Alec McCrea, Emil Johansson, Justin Braun, die Torhüter Paul und Clemens Stocker sowie Jussi Olkinuora.
Unterschiedliche Ansichten zwischen Kapitän und Verein
Auch die langjährigen und verdienstvollen Eislöwen-Profis und Aufstiegshelden Niklas Postel und Matthias Pischoff mussten sich verabschieden. Der 28-jährige Postel fungierte nach der Olympiapause sogar als Kapitän des Absteigers. In insgesamt fünf Spielzeiten trug der in 269 Partien den Dress Eislöwen. Eine echte Identifikationsfigur für die Anhänger. Das verdeutlichte auch der Saisonabschluss.
„Niklas Postel, Niklas Postel, Niklas Postel“, skandierten deshalb viele der Freitag-Besucher frenetisch unter rhythmischem Beifall. „Wir hatten alle zusammen eine geile Zeit hier, turbulente Zeiten, aber richtig gute, daran werde ich mich immer erinnern. Ich hätte mir auch vorstellen können, dazubleiben“, sagte Postel auf der Abschieds-Bühne.
Der Bayer wäre also gern geblieben. Nach Informationen von diesachsen.de hatten beide Seiten aber deutlich unterschiedliche Vorstellungen davon, welche mentale und sportliche Rolle Niklas Postel in dem neu zu formierenden DEL2-Team hätte einnehmen sollen. Soll heißen: Eine Führungsrolle, wie von Postel offenbar erhofft, hätte es für ihn in Dresden nicht mehr gegeben. Mittlerweile sollen sich die Eislöwen für die Postel-Position bereits mit einem anderen Profi einig sein.
Zu den bislang bekannten 14 Abgängen gehören auch CJ Suess, Travis Turnbull und Tariq Hammond, die den Verein bereits in der Olympiapause verließen. Bei Andrew Yogan gibt es offenbar eine Option für eine Rückkehr. Darauf lassen die schwammigen Formulierungen schließen, mit dem die Eislöwen in der Olympiapause den Vertrag mit dem US-Amerikaner auflösen und ihn in Richtung Stavanger ziehen ließen.

Offen ist zudem, ob Trainer Gerry Fleming eine Zukunft bei den Eislöwen hat. Der Vertrag des Kanadiers galt nur für die DEL - und wirklich für ein weiteres Engagement empfohlen hat sich der Ex-Profi nicht. Die Zeichen stehen also auch da auf Abschied. Weitere Abgänge dürften noch folgen. Mit den Profis, bei denen der Klub bislang weder Abschied noch Vertragsverlängerung kommunizierte, werde noch gesprochen, betont die Vereinsspitze. Damit ist also auch Top-Torjäger Austin Ortega gemeint, der mit 21 Treffern der siebtbeste DEL-Torschütze in der Hauptrunde war.
Dementsprechend gefragt dürfte der Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln auch bei anderen Klubs sein, unter anderem aus der DEL. "Austins Ziel ist es wahrscheinlich, in der DEL zu spielen. Das kann man ihm auch nicht verübeln. Man muss da auch sehen, was er auf dem Tisch liegen hat. Rein finanziell würde es ein Kraftakt sein, ihn für die DEL2 hier zu halten", hatte Sportdirektor Jens Baxmann bereits vor zwei Wochen betont.
Im Kader stehen erst zehn Spieler - zumindest offiziell
Dafür bleibt ein Eigengewächs fester Bestandteil der neuen Mannschaft. Stürmer Ricardo Hendreschke verlängerte seinen Kontrakt mit den Eislöwen. Der 23-Jährige, der alle Nachwuchsstationen in Dresden durchlaufen hatte, absolvierte als Eislöwen-Profi auch immerhin schon 192 Spiele.
„Ricardo ist ein Paradebeispiel für unseren Weg, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Er hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt und bringt mit seiner Geschwindigkeit ein wichtiges Element in unser Spiel“, sagte Sportdirektor Jens Baxmann. „Wir sind überzeugt, dass er sein Potenzial noch weiter ausschöpfen wird.“ Damit umfasst der Kader für die kommende Spielzeit nun zehn Spieler.
„Wir sind relativ fortgeschritten mit den Planungen, werden nächste Saison ein starkes Team auf das Eis stellen, so viel kann ich schon mal verraten“, kündigte Jens Baxmann an. Und die werden wieder verlässlich von vielen Fans nach vorn gepeitscht.
Bereits jetzt haben die Eislöwen knapp 1800 Dauerkarten im Vorverkauf abgesetzt. Im Vorjahr hatten die Dresdner im Juli vor Beginn der ersten Erstliga-Saison in der Vereinsgeschichte den Vorverkauf bei 2000 Dauerkarten gestoppt. Auf dieses Szenario läuft es wieder hinaus. Trauer über den Abstieg sieht anders aus.