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Motorsport-Wahnsinn: Keine Pause für sieben Stunden Zeitverschiebung

Motorsport-Wahnsinn: Keine Pause für sieben Stunden Zeitverschiebung
Lennox Lehmann legt sich auf seiner Yamaha ins Zeug, bis Sonntag in Most, nun in Asien. Foto: Team Motobox Kremer Racing
Von: Alexander Hiller
Der Dresdner Rennfahrer Lennox Lehmann steht zwei Tage nach seinem Rennerfolg in Most bereits wieder zum Training auf der Rennstrecke im japanischen Suzuka. Diktiert wird die wahnsinnig kraftraubende Energiehatz vom Weltverband FIA.

Heute Most, morgen Suzuka - auf diesen simplen Nenner lässt sich die verrückte Motorsportwelt für den Dresdner Motorradpiloten Lennox Lehmann dieser Tage bringen. Der 20-jährige Werksfahrer des japanischen Großkonzerns Yamaha zementierte zunächst auf dem traditionellen Kurs im Autodrom Most seinen dritten Gesamtrang in der Klasse Euro Moto, dem legitimen Nachfolger der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM). 

In der Supersportwertung wurde Lehmann am Samstag Zweiter für sein Team Apreco Yamaha - bei 40 Grad Lufttemperatur und teilweise bis zu 70 Grad auf dem Asphalt. Das für Sonntag geplante Rennen wurde zwar begonnen, aber nach zwei schweren Stürzen nicht beendet und geht ohne Resultat in die Wertung.

Wer sich danach eine Erholungsphase für die Fahrer vorgestellt hatte, liegt falsch. Denn direkt im Anschluss an die Rennen in Most saß Lennox Lehmann am Flughafen Prag bereits 19 Uhr im Flieger nach Helsinki. Von der finnischen Hauptstadt ging es weiter nach Suzuka. In der japanischen Rennsport-Metropole kam er am Montag, 19 Uhr Ortszeit an.  

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In Japan fährt der Sachse mit zwei Kollegen die Endurance World Championship, das dritte Rennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Training, Qualifying und Rennen erstrecken sich vom 30. Juni bis zum 5. Juli. Und die Asiaten sind den Deutschen sieben Stunden voraus. Terminwahnsinn im Motorrennsport. 

Stresstest für Körper und Geist

Lehmann muss also eine erhebliche Zeitumstellung verkraften – und das in Rekordzeit. „Am Dienstagmorgen war in Suzuka bereits das erste Training“, sagt er. Wie will er den Stresstest für Körper und Geist denn meistern? „Ich muss“, erklärt er kurz und knapp. 

Dabei hat der junge Pilot noch nie außerhalb von Europa ein Rennen bestritten. „Ich war im letzten Jahr als Zuschauer in Japan. Da hat mich der Jetlag schon ganz schön rausgenommen. Das habe ich relativ lange gemerkt“, gibt Lehmann zu. Wie sich sein Körper jetzt verhält, kann er allenfalls vermuten. 


Lennox Lehmann im Rennanzug seines holländischen Teams Apreco, für das er in der Euro Moto fährt. In der Langstrecken-WM startet er für deutsche Team Motobox Kremer Racing. Foto: Team Apreco

"Das Problem ist, wir haben durch die Euro Moto in Most keine andere Wahl”, sagt Lehmann. Er ist als Werksfahrer und damit als Profi an die Renneinsätze seines Arbeitgebers gebunden. „Normalerweise wären wir eine Woche vorher in Japan und könnten uns ein bisschen akklimatisieren und ganz entspannt an die Zeitverschiebung gewöhnen.“ 

Zum Vergleich: Die DFB-Elf reiste neun Tage vor ihrem ersten Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Chicago an, um die sechs Stunden Zeitverschiebung entsprechend aufzufangen. Genützt hat das den enttäuschenden Nagelsmännern freilich wenig. 

Jeder Fehler kann gefährlich werden

Das Termin-Domino im Rennkalender bürdet den Piloten diesen Stress aber auf. Damit nimmt der Motorrad-Weltverband FIM ein gewisses Risiko für die Fahrer in Kauf. Denn bei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern kann jeder kleine Fehler schwerwiegende Folgen haben, wenngleich die wagemutigen Rennfahrer immer besser geschützt sind. 

Immerhin ist Lehmann mit der außergewöhnlichen Herausforderung nicht allein. Viele der Fahrer bewältigen den Doppelstart in Most und Suzuka, auch seine beiden Langstrecken-Teamkollegen Max Stauffer aus Australien und der Österreicher Max Kofler. 

Doch auch müde Körper und Köpfe müssen im Motorrennsport stetig funktionieren. „Klar sollte da alles fokussiert sein. Ich denke aber, das geht schon“, vermeidet Lehmann Kritik und verweist auf seine Erfahrung beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, dem Auftakt der Langstrecken-WM. 

In Suzuka steht „nur“ ein Acht-Stunden-Rennen an, in das sich Lehmann mit Kofler und Stauffer reinteilt. „Ich habe versucht, mich irgendwie durch den Flug zu quälen, um nicht zu schlafen, damit ich nach der Ankunft einfach nur im Hotel einchecke und schlafe, um dem Jetlag ein bisschen aus dem Weg zu gehen", sagt der Dresdner. 

Und er will weiter funktionieren, weil er in beiden Rennserien bislang glänzen konnte. In der Gesamtwertung der Euro Moto in seiner Supersportklasse liegt Lehmann wie gehabt auf Rang drei. „Wir sind fünf Rennen gefahren, ich habe fünf Mal auf dem Podium gestanden, damit bin ich happy“, sagt der Dresdner. In der Langstrecken-WM ist das Trio um Lehmann als zweitbestes Yamaha-Team Zehnter - vor dem Rennen in Suzuka. 

Alexander Hiller
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Alexander Hiller

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