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Drei Generationen, ein Schwimmklassiker: Leipziger Ramon Klenz gewinnt den Wakenitzman

Ramon Klenz mit seiner Siegermedaille nach dem Wakenitzman 2026 in Lübeck.
Ramon Klenz gewinnt den Wakenitzman in Lübeck über 14km / Foto: SSV Leutzsch
Von: SSV Leutzsch
**Drei Generationen, ein Schwimmklassiker:** Ramon Klenz gewinnt den 14 Kilometer langen Wakenitzman – und schreibt damit eine außergewöhnliche Familiengeschichte fort. dieSachsen.de erzählt vom Sieg unseres Trainers und ehemaligen deutschen Rekordhalters, seinen Leutzscher Wurzeln und seinem neuen Blick auf den Schwimmsport.

Leipzig/Lübeck. Eine außergewöhnliche Familiengeschichte hat der Leipziger Schwimmer und Trainer Ramon Klenz fortgeschrieben: Der 28-Jährige gewann den rund 14 Kilometer langen Wakenitzman von Rothenhusen nach Lübeck. Bereits sein Großvater hatte 1958 ein Wakenitzrennen gewonnen, Vater Karl-Heinz „Fiete“ Klenz folgte 1995. Heute arbeitet der ehemalige deutsche Rekordhalter als Trainer beim SSV Leutzsch und begleitet dort die nächste Generation von Nachwuchsschwimmern. 

Nach 3:07:28 Stunden erreichte Ramon Klenz am 30. August als Erster das Ziel in Lübeck. Mehr als sieben Minuten betrug sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten. 

Dabei war der Sieg ursprünglich gar nicht der wichtigste Grund für seinen Start. „Ich habe das auf jeden Fall aus Nostalgie gemacht“, sagt Klenz. Bereits im Februar hatte er sich vorgenommen, den Wakenitzman zu schwimmen und sich in den folgenden Monaten insbesondere mental auf die ungewohnte Distanz vorbereitet.

Der Grund für die besondere Verbindung in den Norden liegt in seiner Familie.

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Eine Geschichte, die 1958 begann

Bereits 1958 gewann Ramons Großvater im Alter von 16 Jahren das damalige 1.000-Meter-Wakenitzrennen. 1995 folgte sein Vater Karl-Heinz „Fiete“ Klenz, der mit 26 Jahren das Einzelrennen gewann.

2018 kehrten Vater und Sohn gemeinsam an die Wakenitz zurück und bestritten das Rennen als Zweierstaffel. Acht Jahre später nahm Ramon Klenz die gesamte Strecke selbst in Angriff – und setzte mit seinem Sieg die Familiengeschichte fort.

Sein heute in Afrika lebender Vater kommentierte den Erfolg seines Sohnes anschließend mit wenigen Worten: „Starker Auftritt, mein Sohn.“

  

Bild 1: Drei Generationen im Wasser. Bild 2: Die Siegerurkunde von 1958 Bild 3: 2018 sind Vater und Sohn gemeinsam am Start.

Vom deutschen Rekordhalter zum Trainer in Leutzsch

Auch abseits der Wakenitz trägt die Geschichte der Familie tiefe Leipziger Wurzeln. Ramon Klenz selbst gehörte über Jahre zur deutschen Schwimmspitze. 2018 unterbot er über 200 Meter Schmetterling den mehr als drei Jahrzehnte alten deutschen Rekord von Schwimmlegende Michael Groß.

In diesem Jahr wurde Klenz bei den Deutschen Meisterschaften offiziell aus dem Leistungssport verabschiedet. Inzwischen hat sich seine Rolle verändert: Seit Anfang 2026 arbeitet er beim SSV Leutzsch als Trainer und trägt gemeinsam mit dem dortigen Trainerteam Verantwortung für die Leistungsgruppe des Vereins.

Damit kehrt eine weitere Generation einer außergewöhnlichen Schwimmerfamilie nach Leutzsch zurück. Seine Großeltern Eva und Jochen Herbst gehörten zu den Menschen, die den SSV Leutzsch mit aufbauten und prägten. Beide waren selbst erfolgreiche Schwimmer und nahmen gemeinsam an den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt teil.

Auch die nächste Generation setzte die sportliche Geschichte fort: Ramons Mutter Sabine Krauss, geborene Herbst, wurde Europameisterin, erreichte Olympiafinals und feierte zahlreiche weitere internationale Erfolge. Ihr Bruder Stefan Herbst gehörte ebenfalls zur internationalen Schwimmspitze. Vater Fiete sammelte in seiner aktiven Zeit ebenfalls viele Trainingskilometer in der Schwimmhalle West in Leutzsch.

Heute steht Ramon Klenz dort selbst am Beckenrand.

Gemeinsam mit dem Trainerteam begleitet er junge Leipziger Schwimmer auf ihrem sportlichen Weg. Die Entwicklung der Leistungsgruppe wird inzwischen auch über den Verein hinaus sichtbar: Mehrere Leutzscher Nachwuchsschwimmer wurden in Landeskader berufen, einzelne Athleten haben den Sprung bis auf die Ebene des Bundeskaders geschafft.

Dabei versteht der SSV Leutzsch diese Entwicklung ausdrücklich als Teamleistung von Trainern, Sportlern, Eltern und den vielen Unterstützern im Hintergrund.

Wie fließend bei Klenz selbst die Grenzen zwischen Trainer und Athlet noch immer sind, zeigte sich bei den Deutschen Meisterschaften. Dort führte er einige seiner schnellsten Schwimmer auf die größte nationale Bühne des deutschen Schwimmsports – und sprang im Staffel-Finale selbst mit ihnen auf den Startblock.

Schwimmen aus einer neuen Perspektive

Parallel studiert Klenz Sportwissenschaften und ist auch außerhalb des Schwimmbeckens sportlich aktiv. Beim SV Automation Leipzig spielt er Basketball. 

Seine Beziehung zum Schwimmen hat sich nach dem Ende der klassischen Leistungssportkarriere verändert.

„Ich glaube, dass ich das Schwimmen jetzt ein bisschen mehr schätze“, sagt er. Das Wasser sei für ihn inzwischen auch ein Ort geworden, an dem der Alltag und das Smartphone einmal außen vor bleiben.

Und auch die Arbeit als Trainer scheint ihm diese neue Perspektive auf seinen Sport zu ermöglichen.

„Die Gruppe ist cool. Ich gehe gerne ins Wasser, ich fühle mich gut. Und es macht gerade echt Spaß.“

14 Kilometer – aber nicht um jeden Preis

Beim Wakenitzman wollte Klenz genau diese Freude am Schwimmen bewahren.

Auf den ersten drei bis vier Kilometern versuchte er zunächst, seinen Rhythmus zu finden und Abstand zur Konkurrenz aufzubauen. Dass seine Grundgeschwindigkeit ausreichen würde, bezweifelte der ehemalige Weltklasseschwimmer kaum. Die größere Unbekannte war, wie seine Arme und Schultern auf eine Belastung von mehr als drei Stunden reagieren würden.

Bis Kilometer acht oder neun lief das Rennen nahezu problemlos. Von der Konkurrenz war kaum noch etwas zu sehen.

Spätestens jetzt war auch für Klenz klar: Er wollte das Rennen gewinnen.

Allerdings nicht um jeden Preis.

„Wenn ich drei Stunden all-out hätte gehen müssen, hätte mir das wahrscheinlich nicht so viel Spaß gemacht“, sagt er rückblickend.

Stattdessen nahm er seine Umgebung bewusst wahr. Seine Gedanken wanderten zwischen Freunden, Universität und seiner Leipziger Trainingsgruppe hin und her.

„Es ist einfach schon echt schön da oben. Ich habe versucht, viel von der Umgebung wahrzunehmen und zu genießen, dass man die Möglichkeit hat, so lange durch einen Fluss von A nach B zu schwimmen.“


Ramon Klenz beim Siegerinterview direkt nach der Ankunft in Lübeck. / Foto SSV Leutzsch

Basketballfreund begleitet Klenz im Kanu

Ganz allein war Klenz auf den 14 Kilometern nicht. Im Begleitboot saß Moritz Rudolph, ein Freund aus seiner Basketballmannschaft beim SV Automation Leipzig, der kurzfristig als Begleiter eingesprungen war.

Das Kanu liehen die beiden vor Ort aus. Rudolph navigierte, kümmerte sich um dieVerpflegung und sorgte zwischendurch auch für Ablenkung.

Die bestand keineswegs ausschließlich aus taktischen Gesprächen. Immer wieder unterhielten sich die beiden über Dinge, die sie nach dem Rennen vorhatten, oder versuchten schlicht, die lange Strecke kurzweiliger zu machen.

Klenz beschreibt es selbst etwas weniger feierlich: Zwischendurch hätten sie einfach ein bisschen „Scheiße gelabert“.

Auch die Verpflegung blieb für eine gut dreistündige Ausdauerleistung erstaunlich überschaubar. Zwei Quetschies und Getränke reichten Klenz während des Rennens. 

  

Spezial-Neoprenanzug für den ehemaligen Rekordhalter

Unterstützung erhielt Klenz auch bei seiner Ausrüstung. Als einige Monate vor dem Rennen die Frage nach einem Neoprenanzug aufkam, war der ehemalige Beckenschwimmer zunächst durchaus skeptisch, ob er einen solchen überhaupt benötigen würde.

Über einen Kontakt entstand schließlich die Verbindung zu Synergy. Für den Wakenitzman stellte das Unternehmen Klenz mit dem Hyperion einen speziellen Neoprenanzug zur Verfügung. Mit lediglich 2/3 Millimetern Neoprendicke ist das Modell insbesondere für sehr gute Schwimmer konzipiert, die bereits über eine ausgeprägte Wasserlage verfügen und möglichst viel Bewegungsfreiheit erhalten wollen.

Klenz entschied sich für die Ganzkörpervariante inklusive Armen. Nach 14 Kilometern fiel sein Urteil positiv aus. Vor allem dabei, die gute Wasserlage auch über die lange Distanz zu halten, habe ihn der Anzug unterstützt.

„Für die 14 Kilometer hat es gut gepasst. Ich bin gut zurechtgekommen.“

Drei Generationen – und die Geschichte geht weiter

1958 gewinnt der Großvater ein Wakenitzrennen.

1995 gewinnt Vater Fiete Klenz das Einzelrennen.

2018 kehren Vater und Sohn gemeinsam als Zweierstaffel an die Wakenitz zurück.

2026 schwimmt Ramon Klenz die gesamten 14 Kilometer – und gewinnt.

Was im Februar als persönliche „Halbjahres-Challenge“ und aus einer gehörigen Portion Nostalgie begann, endete nach 3:07:28 Stunden mit einem weiteren Kapitel einer außergewöhnlichen Schwimmerfamilie.

Ob Ramon Klenz den Wakenitzman noch einmal schwimmen wird?

„Das war einfach so eine Halbjahres-Challenge. Hat gut geklappt. Überraschend gut. Und jetzt werden wir sehen, was als Nächstes kommt.“

Bis dahin dürfte er wieder häufiger auf der anderen Seite der Stoppuhr stehen – am Beckenrand der Schwimmhalle West in Leipzig-Leutzsch und als Trainer einer neuen Generation von Schwimmerinnen und Schwimmern.

SSV Leutzsch
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SSV Leutzsch

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