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Dieses Dresdner Eisschnelllauf-Talent ist besser als die ehemaligen Olympia-Stars

Dieses Dresdner Eisschnelllauf-Talent ist besser als die ehemaligen Olympia-Stars
Levente Engst konzentriert sich vor dem Startschuss. Dem Dresdner gelang vor wenigen Wochen sein größter Erfolg - aber für Erfurt. Foto: privat
Von: Alexander Hiller
Der 17-jährige Levente Engst holte sich Ende Februar in Inzell den Junioren-Weltmeistertitel im Teamsprint. So jung war in Dresden noch niemand so gut. Das verdankt er auch einem sehr frühen Abschied aus der Landeshauptstadt - und einer besonderen Marotte.

Die glanzvollsten Zeiten liegen lange zurück. In den 1980er-Jahren galt Dresden als Hochburg im Eisschnelllauf - und zwar weltweit. Karin Enke, Christa Luding-Rothenburg oder Andrea Ehrig sammelten unzählige internationale Medaillen - zusammen allein sechs Olympia-Goldmedaillen.

Jens Boden vom Eislauf-Verein Dresden, dem Nachfolger des SC Einheit Dresden, rückte kurz in diese Phalanx, gewann 2002 in 2002 in Salt Lake City Olympia-Bronze. Doch seither liegt der Schwerpunkt in der Landeshauptstadt auf der Ausbildung von Talenten. Sehr erfolgreich.

Der EV Dresden ist regelmäßig bei deutschen Nachwuchsmeisterschaften der erfolgreichste Verein in ganz Deutschland. Doch nur ganz wenige schaffen den Durchbruch nach ganz oben. Josephine Schlörb (22) wurde im Februar Olympia-Fünfte im Team Pursuit.

Von Olympia kann Levente Engst vorerst nur träumen. Doch der gebürtige Dresdner hat etwas vollbracht, was vor ihm noch kein Eisschnelllauf-Talent aus Dresden geschafft hat. Der 17-Jährige wurde vor einigen Wochen Junioren-Weltmeister. Der erste überhaupt, den der Standort je hervorbrachte. Engst gewann gemeinsam mit Ben-Luca Kleinke und dem deutschen Übertalent Finn Sonnekalb den Wettbewerb im Teamsprint über 1200 Meter.

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Früher Wechsel nach Erfurt

Ein Erfolg, an dem auch in Dresden gearbeitet wurde. Mit einer nicht unwesentlichen Einschränkung: Levente Engst startet seit September 2024 für den ESC Erfurt. Doch das gehört zur besonderen Geschichte des inzwischen 1,93 Meter großen Typen. Denn eigentlich verlassen die besten Dresdner Talente ihren Standort erst mit 18 oder 19 Jahren in Richtung Bundesstützpunkt, um sich dort unter optimaleren Bedingungen weiter zu entwickeln.

Engst wagte den Sprung bereits mit 15. "Dresden war eine richtig gute Zeit, die Ausbildung hat mich richtig weitergebracht - auch sportlich. Dem ganzen Verein verdanke ich sehr viel, ich bin ja hier", sagt er und meint Erfurt, "nur noch ein bisschen besser geworden."

Denn in Thüringen gibt es neben einer bärenstarken Trainingsgruppe um das deutsche Supertalent Finn Sonnekalb eine geschlossene Eishalle, in Dresden nur eine Freiluftbahn für die Eisschnelllauf-Talente. "Deshalb habe ich damals den Entschluss gefasst: Diese Bedingungen will ich nutzen, mit diesem starken Team in Erfurt will ich trainieren", sagt er.

In Dresden war man davon nicht begeistert, Engst galt für diesen Schritt noch als zu jung. Obwohl er erfolgreich war wie kein anderer. Zwischen 2022 und 2024 häufte er zwölf deutsche Meistertitel im Nachwuchs an. "Von der AK 12 bis 14 habe ich alles gewonnen, was ging. Bis dahin war die Entwicklung top, aber dann bin ich ein Jahr lang stehengeblieben."


Levente Engst ist früher als andere anderen Athleten vor einem Wettkampf in der entsprechenden Eis-Arena. Foto: privat

Für das Top-Talent ein Hauptargument für den Wechsel: "Ich wollte nichts mehr, als erfolgreich im Sport sein. Ich habe in Dresden auch etwas den Spaß an diesem Sport verloren, mit der Freiluftbahn hat man bei Regen, Schnee nie gleiche Bedingungen", sagt er, schränkt aber zugleich ein: "Ich glaube, das war schon sehr früh - in der 9. Klasse den Wechsel zu machen. Das war auch für meine Familie schwer. Aber ich will in dem, was ich tue, Erfolg und Spaß haben."

Engst wiederholte diese Klassenstufe zudem, besucht jetzt die 10. Klasse und möchte sein Abitur hinten anstellen. "Vielleicht hole ich irgendwann mein Fachabi nach." Er will sich jetzt nach dem Schuljahr ganz auf Eisschnelllauf konzentrieren, hat sich deshalb für eine Stelle in der Sportfördergruppe der Bundeswehr beworben. So kann er den sportlichen Umgang - bis zu elf Trainingseinheiten pro Woche - aufrechterhalten.

Und im Schatten von Finn Sonnekalb weiter wachsen. Der 19-Jährige hat seine Ausnahmestellung bei der Junioren-WM eindrucksvoll unter Beweis gestellt, bei sieben Starts fünf Mal Gold gewonnen. "Finn ist das Übertalent. Seine Bandbreite ist extrem groß, das ist schon krank", staunt Engst über seinen Trainingskollegen. "Wir hängen uns alle mit an ihn dran. Jeder orientiert sich an ihm. Man trainiert sozusagen mit einem Übermenschen, er macht auf dem Eis alles irgendwie besser. Ich gucke mir schon viel von ihm ab", unterstreicht der Dresdner.

Marotte: Eher als jeder andere in der Eishalle

Mit zunehmendem Erfolg. Auf seiner Spezialstrecke über die 500 Meter landete der Dresdner Jugendsportler des Jahres von 2022 bei der Junioren-WM als einer der jüngsten Starter im 63-köpfigen Feld auf Rang 15. "Das war ein Lauf mit vielen Fehlern, da ist noch viel Luft nach oben", sagt er. Wäre er nur 0,3 Sekunden schneller unterwegs gewesen, hätte das bereits für Rang acht gereicht. Engst hat noch zwei Juniorenjahre vor sich.

Und wohnt weiterhin in Erfurter Haus der Athleten - ein Internat für die besten auswärtigen Sportlern. Der ehemalige Sportakrobat des Dresdner SC, der sich dennoch selbst als ungelenk beschreibt, gehört zweifellos dazu. Und zu denen, die eine besondere Marotte pflegen. "Ich komme bei jedem Wettkampf anderthalb Stunden vor der Erwärmung, ich muss diese Stimmung aufnehmen. Ich kann nicht fünf Minuten vor der Erwärmung in die Halle kommen", sagt er. Angelehnt an einen deutschen Komödienhit von 2006 könnte man zu dem Schluss kommen: Wer früher kommt, ist länger Weltmeister. 

Alexander Hiller
Artikel von

Alexander Hiller

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