Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Sport

Die Hoffnung nach der Fast-Sensation: So wollen die DSC-Volleyballerinnen noch ins Europacup-Finale

Die Hoffnung nach der Fast-Sensation: So wollen die DSC-Volleyballerinnen noch ins Europacup-Finale
Die Stimmung in der fast ausverkauften Margon-Arena war "unfassbar. Die Fans haben uns getragen", sagte Kapitänin Patricia Nestler nach der Partie.
Von: Alexander Hiller
Am Donnerstag unterlagen die Volleyballerinnen des Dresdner SC im Heimspiel des CEV-Cups nur äußerst knapp dem haushohen Favoriten aus Chieri. Das lässt für das Rückspiel am kommenden Mittwoch alle Optionen offen.

Dass sich Dresdens Volleyballerinnen nach dem Heimspiel im Europacup-Halbfinale gegen das italienische Top-Team aus Chieri extrem über eine vertane Siegchance ärgern würden, war so nicht abzusehen. Nach einem phänomenalen Beginn und einer 2:0-Satzführung musste der DSC vor 2921 Zuschauern in der Margon-Arena gegen den haushohen Favoriten noch mit 2:3 (25:23, 26:24, 24:25, 14:25, 10:15) beugen. 

"Zwei Sätze stark, zwei Sätze schwach. Ich bin einfach nur genervt", sagt DSC-Trainer Alexander Waibl ungewohnt schmallippig. Dabei hatte seine Mannschaft gegen die mit Weltklassespielerinnen gespickten Gäste einen bärenstarken Start hingelegt. "Die ersten zwei Sätze waren überragend: Mit das Geilste, was ich hier in der Halle je erlebt habe", betonte der 57-Jährige. Dabei steht der Schwabe in Dresden bereits seit 2009 unter Vertrag. "Deswegen nervt mich der Abfall danach so." 

Auch seine Kapitänin suchte nach der Beinahe-Sensation erst mal nach den richtigen Worten. "Es war ein krasses Spiel. Wie wir gestartet sind, war unglaublich, ein Traumstart. Wir haben in allen Elementen so konstant gut gespielt, alles umgesetzt, worauf wir uns vorbereitet hatten und die Emotion mit reingebracht. Aber das jetzt", sagte die 24-Jährige und deutet auf die Anzeigetafel, "fühlt sich schon blöd an." 

Mehr aus dieser Kategorie

Der sportliche Einbruch lässt sich aber erklären. "Wir haben aufgehört, gut anzunehmen und dadurch im Angriff keine Punkte mehr gemacht. Wenn mir vorher einer gesagt hätte, dass wir hier mit einem 2:3 einen Punkt holen, wäre ich erst mal happy gewesen. Aber dass wir dann in der Annahme so rumwackeln und im Angriff Bälle weghauen, halbherzig angreifen, das hat mich genervt", erklärte der DSC-Cheftrainer. 


Vielleicht war der krasse Außenseiter selbst am meisten überrascht über den sensationell anmutenden Zwischenstand. Die Angst vor der eigenen Courage. "In solchen Spielen muss man versuchen, immer das Maximum zu erreichen. Zum Maximum gehört halt das Risiko. Und der bucklige Verwandte des Risikos ist der Fehler. Letztlich wollten wir es irgendwann zu sehr erzwingen, haben unseren Flow verloren. Aber das ist eben so bei Mannschaften, die es nicht gewohnt sind, gegen solche Teams zu spielen." 

Anastasia Cekulaev, deutsche Nationalspielerin in Diensten den italienischen Meisterschaftsfünften, zollte dem Kontrahenten Respekt für dessen Vorstellung. "Wir sind schon mit dem Gedanken reingegangen, dass Dresden ein harter Gegner wird. Aber so hatten wir das nicht erwartet. Ich bin stolz auf die Mannschaft, dass wir das Spiel so überzeugend gedreht haben", sagte die 22-Jährige. 

Der Auswärtssieg war freilich erwartbar, auch wenn nicht in dieser knappen Konstellation auf sportlicher Augenhöhe. Denn die wirtschaftlichen Unterschiede der 1. Bundesliga und der Serie A in Italien sind enorm. Die Klubs können dank immenser Budgets und deutlich abweichender Steuerverhältnisse die besten und vor allem fertige Profis verpflichten.

In der jüngeren Vergangenheit auch DSC-Spielerinnen, die ihr Handwerk in der hauseigenen Talenteschmiede gelernt haben: Camilla Weitzel (2021), Monique Strubbe über den Umweg Stuttgart (2023) und nach der vergangenen Saison Kapitänin Sarah Straube.

"Haben im Rückspiel nichts zu verlieren"

„Die bezahlen einfach fünf Mal so viel wie wir – auch im Ligamittelfeld. Die Spielerinnen gehen nicht nach Italien, weil dort die Sonne scheint. Dadurch hast du automatisch ein höheres Niveau an Spielerinnen und Ligalevel”, betonte Waibl.

Die knappe Niederlage lässt für das Rückspiel am 18. März in Turin alle Optionen offen. Der DSC müsste dann beim Meisterschaftsfünften aus der vermeintlich stärksten Volleyball-Liga der Welt gewinnen. Bei einem 3:0 oder 3:1 wäre Dresden direkt weiter, ein 3:2-Erfolg würde einen Golden Set um den Einzug ins Europacup-Finale bedeuten. Bei allen anderen Ergebnissen stünde Chieri im Endspiel.

"Wir haben im Rückspiel nichts zu verlieren, wir müssen 3:0 oder 3:1 gewinnen", sagt Mittelblockerin Mette Pfeffer. Das scheint nach der Partie vom Donnerstag nicht mehr so unmöglich wie zuvor. Das erst 20-jährige Eigengewächs war mit 17 Zählern die beste Punktesammlerin ihres Teams. 

Alexander Hiller
Artikel von

Alexander Hiller

Alexander Hiller ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media

METIS