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Abwasser-Pakt bringt enorme Fortschritte im Müglitztal

Ein lächelnder Mann mit Oberlippenbart, kariertem Hemd und Arbeitshandschuhen lehnt sich auf ein grünes Metalltor eines Gartenzauns vor einem Wohnhaus.
Der Dohnaer Frank Bähschnitt freut sich, dass an seinem Haus in punkto Abwasser endlich alles gut funktioniert. Bevor die Stadtentwässerung den Betrieb übernommen hatte, musste er oft wegen Störungen an der dortigen Pumpstation anrufen. Diese Zeiten sind vorbei. „Auf Abwassermeister Marco Feustel kann ich mich immer verlassen“, sagt der Dohnaer. Foto: Peter Hilbert
Seit über zweieinhalb Jahren hat sich die interkommunale Zusammenarbeit zwischen Dresden, Dohna und der Gemeinde Müglitztal bewährt. Welche Vorteile sie bringt.

Von Peter Hilbert

Dohna. Der Dohnaer Frank Bähschnitt ist vor seinem Haus an der Altenberger Straße 1 gerade beim Unkrautjäten, als Abwassermeister Marco Feustel und Bürgermeister Ralf Müller (CDU) vorbeikommen. An diesem Tag geht es darum, wie sich der Abwasser-Pakt der Interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) zwischen Dresden, Dohna und der Gemeinde Müglitztal bewährt hat, seitdem er im März 2024 besiegelt wurde. Deshalb sind Feustel und Müller am Pumpwerk vor Bähschnitts Haus, das vor einem guten Jahr mit der nötigen Technik ausgestattet wurde, sodass es von der zentralen Leitwarte in Kaditz rund um die Uhr fernüberwacht werden kann.

Der Effekt: Zeit der Störungen am Pumpwerk vorm Haus ist vorbei

Und das spürt der 73-jährige Anwohner ganz praktisch, der mittlerweile mit Meister Feustel auf Du und Du ist. Der Dohnaer kümmert sich an dem Mehrfamilienhaus um alles, vom Rasenmähen bis zum Jäten. Deshalb hat er auch genau im Blick, ob beim Abwasser alles funktioniert. Bereits seit 2022 war die Stadtentwässerung Dresden bei der Betriebsführung in Dohna und der Gemeinde Müglitztal aktiv.

Zwei Männer stehen links und rechts neben einem großen, geöffneten Elektro-Schaltschrank im Freien, der Steuerungstechnik und Zähler für eine Abwasseranlage enthält.
Abwassermeister Marco Feustel (l.) und Dohnas Bürgermeister Ralf Müller vor der Pumpstation an der Altenberger Straße, die jetzt wie neun weitere in Dohna in der zentralen Leitwarte in Kaditz überwacht wird. Foto: Peter Hilbert

Zuvor hatte ein kleines Unternehmen den Betrieb der Anlagen geführt. Mit dem IKZ-Pakt wurde die langfristige Partnerschaft besiegelt. „Da gibt es einen echten Fortschritt“, sagt Anwohner Bähschnitt. „Früher mussten wir oft anrufen, weil die rote Störlampe auf dem Pumpwerk gebrannt hat“, erinnert sich der rührige Rentner. „Damals kam immer einer aus Weesenstein. Doch geändert hat sich nichts.“ Das sei jetzt völlig anders. Die Zeit der Störungen ist vorbei. „Auf Marco Feustel können wir uns eben verlassen“, resümiert der Dohnaer.

Die Vereinbarung: Vorteile für alle Beteiligten

Die Stadtentwässerung Dresden hat am 1. April 2024 für die Nachbargemeinden den technischen Betrieb der Abwasseranlagen übernommen und leistet organisatorische Unterstützung, unter anderem bei Verwaltungsverfahren, Rechtsstreitigkeiten und der Erstellung von Wirtschaftsplänen. Mit der interkommunalen Zusammenarbeit gibt es mehrere Vorteile. So die Flexibilität bei der Erledigung der Aufgaben und die Transparenz der Kosten, da kein Gewinn erwirtschaftet werden darf. Im Gegenzug kümmern sich die kommunalen Bauhöfe um Abwasseranlagen, so um die Pflege von Regenrückhaltebecken.

Die Partner: Klärwerke, Pumpwerke und dezentrale Kleinkläranlagen

Die Stadt Dohna mit ihren rund 6.100 Einwohnerinnen und Einwohnern umfasst zwölf Ortsteile, darunter neben Dohna Meusegast, Borthen und Röhrsdorf, erklärt Stadtchef Müller. Eine eigene Kläranlage hat Dohna nicht. Damit das Abwasser Steigungen im Stadtgebiet überwinden kann, gibt es 23 Pumpwerke. An sechs Stellen wird das Abwasser in die Kanalnetze von Pirna, Heidenau und Dresden eingeleitet. Letztlich landet es im Klärwerk Kaditz, wo es gereinigt wird.  „Allerdings gibt es auch Ausnahmen“, so Müller. Im Dohnaer Stadtgebiet gibt es rund 100 dezentrale Kleinkläranlagen. Der Anschluss dieser Grundstücke ans zentrale Netz wäre nicht wirtschaftlich, da die Kosten unverhältnismäßig hoch wären.

Zwei Mitarbeiter stehen an einem Holzzaun neben einem Schild mit der Aufschrift „Abwassertechnische Anlage Kläranlage Maxen 1000EW, SBR“ der Stadtentwässerung Dresden.
Der Müglitztaler Bauhofmitarbeiter Daniel Reichel (l.) und Abwassermeister Marco Feustel von der Stadtentwässerung vor der Maxener Kläranlage. Nach einer Havarie musste sie im März dieses Jahres in einer Blitzaktion instandgesetzt werden, damit kein ungereinigtes Abwasser in die Müglitz fließt. Das gelang durch eine Meisterleistung aller Beteiligten. Foto: Peter Hilbert

In Müglitztal sind die Abwässer von rund 2.000 Menschen zu reinigen. Im Zuge der Verwaltungsgemeinschaft kümmert sich Dohna auch um die Müglitztaler Anlagen. Zu der Gemeinde an den Ausläufern des Osterzgebirges gehören unter anderem Burkhardswalde, Weesenstein, Mühlbach und Maxen. Im Gegensatz zu Dohna gibt es hier keinen Anschluss ans Kanalnetz einer Nachbarstadt. „Das wäre zu teuer“, erklärt Abwassermeister Feustel.

Ein Mann in orange-blauer Warnjacke kniet neben einem geöffneten Kanaldeckel und hält eine Schöpfstange mit einem transparenten Messbecher voller Wasser aus dem Schacht.
Meister Feustel zeigt eine Abwasserprobe am Ablauf der Maxener Kläranlage, die so klar wie Leitungswasser ist. Foto: Peter Hilbert

Deshalb wird das Abwasser mit​ zwölf Pumpwerken zu vier vollbiologischen Kläranlagen befördert, die in den 1990er-Jahren gebaut wurden. In jeder von ihnen wird es mit einer anderen Technologie gereinigt

Die Fortschritte: Hohe Abgaben bereits halbiert

In Dohna wurde nicht nur das Pumpwerk an der Altenberger Straße, sondern neun weitere an die Fernüberwachung in der Kaditzer Zentrale angeschlossen, erläutert Meister Feustel. Ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren Zeiten. Außerdem wird das Kleineinleiterkataster, in dem alle Abwasseranlagen erfasst sind, aufgearbeitet und regelmäßig an die Landesdirektion gemeldet. So konnten die zuvor hohen Abgaben schon halbiert werden. Allerdings mussten die bisher von der Kommune gezahlt werden. Über eine neue Abwälzungssatzung gibt es jetzt die Möglichkeit, dass Grundstücksbesitzer mit Kleinkläranlagen zahlen und die Stadt somit erheblich entlastet wird.

Draufsicht in ein betoniertes Klärbecken mit strömendem, braunem Abwasser. Von den Wänden führen mehrere beige Kabel- und Schlauchbündel in das Wasser.
Ein Blick ins Belebungsbecken der biologischen Reinigung, dem Herzstück der Maxener Kläranlage. Nachdem dort im März dieses Jahres der Rotationsbelüfter ausgefallen war, wurden zwei Kompressoren und eine neue Belüftungsanlage mit sogenannten Belüftungskerzen eingebaut. Foto: Peter Hilbert

Auch die Müglitztaler Anlagen wurden schon umgebaut oder modernisiert. Dabei gab es mitunter erheblichen Zeitdruck, so als am 9. März dieses Jahres die Kläranlage Maxen ausgefallen war. Drei Tage waren Zeit, um das Abwasser im biologischen Becken zurückhalten zu können. In dieser Zeit gelang Meister Feustel mit allen Beteiligten das fast Unmögliche. Die Kläranlage wurde mit moderner Technik ausgestattet, sodass sie rechtzeitig wieder funktionierte und kein ungereinigtes Abwasser in die Müglitz floss.

Der Resümee: Sehr gute Zusammenarbeit mit Abwasserspezialisten

„Wir haben jetzt eine genaue Kenntnis über unsere Anlagen und haben mit der notwendigen Modernisierung begonnen“, sagt Bürgermeister Müller. „Mit der Stadtentwässerung Dresden haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit und sind sehr zufrieden.“

Ein Mann steht in einem holzverkleideten Betriebsraum neben einem geöffneten Steuerungsgehäuse an der Wand, das elektronische Platinen und Anschlüsse zeigt.
Nicht nur die Maxener, sondern auch andere Kläranlagen der Gemeinde Müglitztal wurden modernisiert. Hier zeigt Abwassermeister Feustel in der Maxener Anlage die neue Steuereinheit für die Kompressoren, die an die Fernüberwachung in der Kaditzer Zentrale angeschlossen ist. Foto: Peter Hilbert

Das ist bei der Gemeinde Müglitztal nicht anders, bestätigt Bauhofmitarbeiter Daniel Reichel, der eng mit Meister Feustel zusammenarbeitet. „Seit zweieinhalb Jahren hat sich sehr viel an unseren Kläranlagen getan“, berichtet der 37-jährige Maxener. Feustel kümmert sich schnell. „Außerdem haben mir Anwohner gesagt, dass es nicht mehr wie vorher stinkt.“