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Spione im Stasi-Saal

Spione im Stasi-Saal
Hauptprotagonist und Zeitzeuge des Films "Spione unter uns" Peter Keup © SideXSide Studios
Von: Heinz Koschiske
„Spione unter uns“ leuchtet das Innenleben der Stasi aus und feiert sächsische Premiere in der Gedenkstätte Bautzner Straße. Der Dokumentarfilm nimmt eine unerwartete Wendung, als dessen Hauptprotagonist Peter Keup Kontakt zu den Männern aufnimmt, die für das perfide System der Stasi stehen.

Der oscarprämierte Film „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmark ist eindrücklich. Aber er ist und bleibt Fiktion. Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm „Spione unter uns“ bietet hingegen einen seltenen Einblick in die Abläufe eines Überwachungsstaates, der von einem der restriktivsten Geheimdienste betrieben wurde: der Staatssicherheit in der DDR.
Der Film des US-amerikanischen Autorenpaares Jamie Coughlin Silverman und Gabriel Silverman begleitet hauptsächlich Peter Keup (*1958 in Radebeul), dessen Lebensweg als Turniertänzer 1981 eine dramatische Wendung erfährt. Als ihm sowohl Turnier- wie auch private Reisen ins Ausland verweigert werden, plant er seine Flucht. Bei der Passkontrolle im Zug, wird er im Juli 1981 festgenommen, muss drei Monate in Isolationshaft in der Stasi-Untersuchungshaftanstalt auf der Bautzner Straße in Dresden verbringen und wird anschließend wegen „Vorbereitung zur Republikflucht“ zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt. Im März 1982 gelangt er im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik.

Wer seine Familiengeschichte verstehen will, muss Geschichte studieren

Die Vorgeschichte zum Film beginnt 2012. Bis dahin hat Peter Keup in Essen gelebt und die eigene Vergangenheit verdrängt. Als er dann allerdings erfährt, dass sein inzwischen verstorbener Bruder inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen war, nimmt sein Leben eine entscheidende Wendung. „Da habe ich meine Zelte in NRW abgebrochen und bin nach Berlin gegangen, um Geschichte zu studieren. Ich habe mir gesagt: wenn ich meine Familiengeschichte verstehen will, muss ich mich intensiv damit befassen.“, erklärt der mittlerweile promovierte Historiker auf Nachfrage.
Und diese Familiengeschichte ist kompliziert: Keups Eltern siedelten 1956 aus dem westdeutschen Essen in die DDR über. Der Vater ist überzeugter Kommunist, die Mutter hingegen fremdelt mit dem realsozialistischen System. 1974 stellen die Eltern dann einen Ausreiseantrag. Sechs Jahre lang versucht Peter Keup, seinen Weg in der DDR zu finden. Ein Abitur bleibt ihm verwehrt, ein Studium sowieso. Dafür gab es Misstrauen und Schikanen. Alles Gründe für einen Fluchtversuch.

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Aufnahme Peter Keup, Stasi-Untersuchungshaftanstalt Dresden 1981

„Als ich die Filmleute 2019 kennenlernte“ erzählt Keup, „habe ich gerade mit meiner Promotion angefangen. Das ergab Synergien. In meiner Promotion ging es ja auch um die Staatssicherheit und was Menschen dazu gebracht hat, andere zu bespitzeln. Ich habe mich intensiv mit dem Instrumentenkasten des MfS auseinandergesetzt. Eine Analyse, die ich eigentlich für meinen Bruder gemacht habe, der nicht mehr lebt.“ Die beiden US-Amerikaner, die 2019 als Austauschstudenten nach Berlin kamen, hatten ihn über das Zeitzeugenbüro in Berlin angefragt, ob er sich vorstellen könne, an einem Filmprojekt teilzuhaben, bei dem es sich um Überwachungssysteme und Machtmissbrauch dreht. „Sie haben sechs Jahre intensiv dazu geforscht, recherchiert und redlich gearbeitet. Dies alles bringt der Film gut zum Ausdruck. So wurde es eine Symbiose aus sich entwickelnden freundschaftlichen Beziehungen, ihrer amerikanischen Sicht und meinen Erfahrungen als Zeitzeuge und Historiker.“, so Keup.

Datensammeln ist immer mit Macht verbunden

Im Zuge der Dreharbeiten stießen die Dokumentarfilmer dabei auch auf den letzten Stasi-Chef als Mielke-Nachfolger: General Wolfgang Schwanitz. „Den habe ich interviewt und er hat mir gesagt: ‚Hätten wir damals die Möglichkeiten von heute gehabt, wäre das für uns ein Paradies gewesen.‘ Und der sagte eben auch: Datensammeln ist immer mit Macht verbunden.“ Insofern ist für Peter Keup diese Auseinandersetzung mit dem MfS durch den Film und die Sicht Dritter auf seine Geschichte noch erweitert worden: „Bis dahin war es meine eigene Auseinandersetzung mit der Geschichte. Durch die beiden amerikanischen Filmemacher ist der Blick geweitet.“

Dabei sind die Publikums-Reaktionen auf den Film von Land zu Land sehr unterschiedlich. „So oft wie ich den Film in den USA gesehen habe, sorgt gerade die Anfangsszene auf dem Alexanderplatz, wo die Staatssicherheit Leute mitnimmt, für Beklemmung.“, so Peter Keup. „Sie sehen wohl darin Parallelen zu dem, was gerade bei ihnen auf den Straßen aufgrund der ICE-Einsätze stattfindet. Das war eine schockierende Erfahrung, denn für mich war Amerika bis dahin immer das Mutterland der Demokratie gewesen.“ In Warschau, wo im Oktober 2025 die Europapremiere des Films gefeiert wurde, sowie in Georgien, herrschte im Anschluss absolute Ruhe. Zu frisch sind offenbar noch die Erinnerungen an die Zeit der kommunistischen Diktatur. In Georgien kam zudem die Angst des Publikums hinzu, möglichst keine Bezüge zum aktuellen politischen Geschehen im Land herzustellen.

Mit welchem Gefühl reist Peter Keup nun aber nach Dresden, in die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt auf der Bautzner Straße, in der er 1981 schlimme Erfahrungen in Isolationshaft gemacht hat. „Zu Dresden habe ich ein gespaltenes Verhältnis, weil da auch meine Familie gelebt hat. Ich weiß offengestanden nicht, was da auf mich zukommt.“ Doch während der Haftzeit gab es auch Hoffnung für Peter Keup: Beim Rundgang im Freihof des Gefängnisses für politische Häftlinge in Cottbus spricht ihn ein Mitgefangener an. „Du musst nach oben schauen“, sagt er und zeigt zum Himmel. „Dort ist die Freiheit!“

Info: Das Screening von „Spione unter uns“ findet am 12. Juni, 18 Uhr, als sächsische Premiere in der Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden statt. Im Anschluss steht der Zeitzeuge und Historiker Peter Keup für ein Publikumsgespräch zur Verfügung. Der Eintritt ist frei.

Heinz Koschiske
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Heinz Koschiske

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