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Prag baut psychische Gesundheitsversorgung für Kinder und Senioren aus

Prag baut psychische Gesundheitsversorgung für Kinder und Senioren aus
Prag baut sein Netz für psychische Gesundheit aus – mit Akutambulanz für Kinder und Jugendliche, einem mobilen psychiatrischen Hilfsteam und der Kampagne „Hilfe ist greifbar“. Foto: MHMP
Prag hat das Jahr 2025/2026 zum Jahr der psychischen Gesundheit erklärt und baut sein Hilfenetz aus. Neu sind unter anderem eine Akutambulanz für Kinder und Jugendliche sowie ein mobiles psychiatrisches Team.

Die Stadt Prag stärkt ihre psychische Gesundheitsversorgung und hat das Jahr 2025/2026 zum Jahr der psychischen Gesundheit erklärt. Das teilte das Prager Rathaus mit. Hintergrund ist eine seit Langem angespannte Lage, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen: Seit 2010 ist der Anteil von Patienten unter 20 Jahren in psychiatrischen Ambulanzen um mehr als 60 Prozent gestiegen, die Zahl der stationären Akutbehandlungen in dieser Altersgruppe hat sich mehr als verdoppelt. Zugleich altert die Bevölkerung: In den vergangenen neun Jahren nahm die Zahl der Menschen mit Demenz um 53 Prozent zu, bei Alzheimer um 64 Prozent. „Unser Ziel ist es, dass niemand in einer psychischen Krise allein gelassen wird", sagte Alexandra Udženija, Prager Vizebürgermeisterin für Soziales und Gesundheitswesen.

Eine zentrale Rolle spielt die vom Rathaus geförderte Organisation Zahrada pro duši („Garten der Seele"). Sie gründete 2024 das Perinatale Zentrum für psychische Gesundheit, das als einziges seiner Art in Tschechien Familien während Schwangerschaft und nach der Geburt betreut. Nach Angaben von Leiterin Markéta Školoudová suchten bislang 700 Kinder Hilfe im Zentrum für psychische Gesundheit, 1.200 Frauen und ihre Partner wurden im Perinatalen Zentrum unterstützt. Die Organisation wirkte zudem am psychosozialen Modul der Rettungs-App „Záchranka“ mit und startete den Wegweiser „Psychosoziale Hilfe in Prag“, der zur umfassendsten Datenbank geprüfter Angebote in der Hauptstadt werden soll.

Im Mai eröffnete eine Akutpsychiatrische Ambulanz für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, die kurzfristig ambulante Versorgung bietet. Im Probebetrieb läuft außerdem das mobile psychiatrische Hilfsteam, das mit einem Spezialfahrzeug direkt zu Krisenfällen fährt. Es besteht aus psychiatrischen Pflegekräften, einem Fahrer und Rettungssanitäter, einem Koordinator und Psychiatern und wird gemeinsam mit der Psychiatrischen Klinik des Allgemeinen Universitätskrankenhauses und dem Prager Rettungsdienst betrieben. Rettungsdienstdirektor Petr Kolouch verwies darauf, dass die Zahl der Einsätze bei Patienten mit akuter Verschlechterung des psychischen Zustands von 2023 bis zum vergangenen Jahr um ein Viertel auf mehr als 6.300 gestiegen ist. Rund 40 Prozent der vom Spezialteam betreuten Patienten könnten dank der Hilfe vor Ort zu Hause bleiben.

Begleitet wird der Ausbau von der Kampagne „Hilfe ist greifbar“, deren zweite Phase derzeit läuft. Auf der Website pomocnadosah.cz finden sich Erfahrungsberichte und Kontakte zu professioneller Hilfe. „Wir wollen, dass Hilfe jedem, der sie braucht, schnell, respektvoll und unvoreingenommen zur Verfügung steht", betonte Udženija.