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Zeithain kritisiert Vorgehen beim Kiesabbau: „Bodenlos“

Zeithain kritisiert Vorgehen beim Kiesabbau: „Bodenlos“
Schwere Technik auf dem Gelände des ehemaligen Waldbades. Fotos (2): Mirko Pollmer
Von: Meißen News
Die Gemeinde Zeithain fühlt sich beim Start der Abbaumaßnahmen übergangen. Bürgermeister Pollmer erhebt schwere Vorwürfe.

Die Gemeinde Zeithain sieht sich beim geplanten Kiesabbau südlich des Mühlberger Weges übergangen und kritisiert das Vorgehen des Sächsischen Oberbergamts (OBA) scharf. Das teilte Bürgermeister Mirko Pollmer mit. Demnach wurde die Gemeinde am Freitag um 9.53 Uhr über den Grundabtretungsbeschluss und die vorzeitige Besitzeinweisung informiert – mit Wirkung zum 1. August, 0.00 Uhr.

Bereits in den frühen Morgenstunden am Samstag, 1. August, stellten Gemeindemitarbeitende schwere Technik auf den gemeindlichen Flächen des ehemaligen Waldbads fest. Die Zuwegungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits blockiert. Pollmer kritisiert, dass die extrem kurze Zeitspanne zwischen Information und Maßnahmenbeginn einen effektiven Rechtsschutz nahezu unmöglich mache. Die Gemeinde könne kaum prüfen, ob die Interessen der Bürgerschaft und das laufende Bürgerbegehren ausreichend berücksichtigt wurden.

Nach Angaben des Bürgermeisters lag der Gemeinde weder ein Beschluss zum vorzeitigen Beginn noch eine detaillierte Beschreibung der genehmigten Maßnahmen vor. Eine Prüfung sei nur durch kostenintensive juristische Schritte oder erst vor Gericht möglich. Um Klarheit zu erhalten, rief Pollmer am Samstag, 8.35 Uhr, die öffentlich zugängliche Notfallnummer des OBA an und forderte eine sofortige Prüfung der laufenden Arbeiten sowie eine Rückmeldung.

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Diese erfolgte um 13.44 Uhr: Laut OBA handele es sich nicht um bergbauliche Maßnahmen, sondern um Arbeiten des Naturschutzes. Pollmer stellt jedoch infrage, warum die Zuwegungen mit Schildern „Tagebau – Betreten verboten!“ versehen wurden. In der Gemeinde sorgten zudem Bilder der Arbeiten für Irritationen. Pollmer kommentiert sie sarkastisch: Man müsse davon ausgehen, dass Mulchgerät, Radlader und Dumper Reptilien und Bodenbrüter „behutsam“ einsammeln und in neue Biotope verbringen. Auch der im Bereich bestätigte Biber werde „an die Erschütterungen gewöhnt“, bevor er später umgesetzt werde.


Der Zugang zum ehemaligen Waldbad ist bereits blockiert.

Die Holcim Kieswerk Zeithain GmbH & Co. KG bestätigt den Beginn erster Arbeiten ab August. Für eine Teilfläche südlich des Mühlberger Weges liege seit 30. Juli eine Zulassung zum vorzeitigen Beginn vor. Die bisherige Abbaufläche sei im dritten Quartal ausgeschöpft, daher müsse das Kieswerk neue planfestgestellte Flächen nutzen. Die aktuelle Zulassung umfasst 6,4 Hektar, davon sollen ab September auf 2,9 Hektar Kies gewonnen werden. Auf den übrigen Flächen laufen vorbereitende Maßnahmen, insbesondere für den Artenschutz.

Holcim betont, dass das OBA 17 Stellungnahmen und Einwendungen geprüft habe. Die Zulassung sei mit umfangreichen Auflagen verbunden, deren Einhaltung überwacht werde. Sollte das laufende Planfeststellungsverfahren zu einem anderen Ergebnis kommen, habe sich Holcim zur vollständigen Wiederherstellung des früheren Zustands verpflichtet – inklusive finanzieller Sicherheitsleistung.

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Zu den aktuellen Arbeiten gehören Absperrungen, Schutzzäune, Kampfmittelprüfungen und Artenschutzmaßnahmen wie Ersatzlebensräume für Reptilien, Amphibien und Fledermäuse. Das Umsetzen von Tieren erfolge fachlich begleitet. Für den gesichteten Biber liege ein abgestimmtes Schutzkonzept vor. Rodungen seien erst ab Oktober erlaubt. Als Ausgleich sollen 20,8 Hektar neuer Wald entstehen, erste Pflanzungen beginnen im Herbst.

Holcim kündigt einen Informationsabend am 27. August, 18 Uhr, im Gemeindehaus Zeithain an.

In der Bevölkerung sorgt das Vorgehen dennoch für Unmut. Mehrere Einwohner kritisieren, dass die Gemeinde beim Waldbad lautstark Transparenz einfordere, während Eltern bei der Schließung der Kitas Kreinitz und Röderau eine ähnliche Unterstützung vermisst hätten. Die baulichen Probleme seien lange bekannt gewesen, nun müssten Familien innerhalb weniger Wochen neue Betreuungsplätze finden. Für viele sei nicht der Kiesabbau, sondern die Kita‑Situation „bodenlos“.

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