Ein Bericht von Ulf Mallek
Schloss Albrechtsberg über der Elbe, Sonntag, elf Uhr. Für einen Schauspieler ist das früher Morgen. Der Raum sitzt, die Aussicht sitzt, die Musik sitzt. „So perfekt“, sagt Samuel Koch – und schiebt sofort nach, ganz in seinem Ton: Dem Perfekten habe er etwas entgegenzusetzen. Seinen fragmentarischen Beitrag. Raum fürs Unperfekte.
Genau so redet er dann. Assoziativ, mit Zetteln, die „circa 20 Seiten“ geworden sind, mit Witzen gegen sich selbst und Sätzen, die plötzlich sehr ernst werden. Der Presseclub Dresden hat dem Schauspieler, Autor und Redner den 27. Erich-Kästner-Preis verliehen, 10.000 Euro, bestimmt für gemeinnützige Zwecke. Die Laudatio hielt Bischöfin Kirsten Fehrs. Koch bedankt sich bei ihr, zwinkert Richtung Vorstand Tobias Wolf, sagt, nach so schönen Worten sollte er eigentlich die Klappe halten – und hält sie dann doch nicht.
Er sitzt im Rollstuhl, seit er sich 2010 bei einer Wette in der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ das Genick brach. Das erwähnt er an diesem Vormittag kaum. Er redet von Musik, von seiner Oma aus der Dresdner Bürgerwiese, von Affen, von Inklusion, von seiner Mutter Marion, die mit im Saal war. Und davon, dass Applaus bei ihm den falschen Adressaten hat. Der Rollstuhl ist übrigend Hight-Tech. Er fährt ihn nach oben, wenn er mit einem stehenden Menschen redet, und nach unten, wenn er neben anderen sitzt.
