Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Meißen News

Von der Spatzen- zur Regenbogen-Kita – ein Verfahren, das Vertrauen kostet

Von der Spatzen- zur Regenbogen-Kita – ein Verfahren, das Vertrauen kostet
Symbolbild kindergarten / pixabay ErikaWittlieb
Von: Meißen News
Erst standen die „Meißner Spatzen“ im Fokus, dann plötzlich der „Regenbogen“. Der kurzfristige Kurswechsel im Stadtrat mag rechtlich korrekt sein. Für viele Eltern und Beschäftigte fühlt er sich dennoch wie Willkür an.

Von Bürgerjournalistin Ostara Jasmin Hennig

Eine Kita-Schließung ist immer eine schmerzhafte Entscheidung. Dass sie in Meißen nun ausgerechnet die Kita „Regenbogen” trifft, ist dabei fast nebensächlich – entscheidend ist, wie diese Entscheidung zustande kam. Und das sollte alle Beteiligten nachdenklich stimmen.

Monatelang stand die Kita „Meißner Spatzen” im Zentrum der Debatte. Eltern, Erzieherinnen und Erzieher hatten sich offenbar auf dieses Szenario eingestellt, Diskussionen geführt, sich möglicherweise sogar schon nach Alternativen umgesehen. Dann, augenscheinlich in letzter Minute, ein Änderungsantrag der AfD-Fraktion – und plötzlich trifft es eine andere Einrichtung. Mit elf zu zehn Stimmen wird ein monatelang vorbereiteter Beschluss auf den letzten Metern gekippt.

Das ist formal demokratisch korrekt. Trotzdem bleibt ein Geschmack von Willkür zurück – und der beschränkt sich nicht auf die Ratssitzung selbst. Unter dem Facebook-Beitrag der SZ Meißen sammeln sich die Reaktionen der Betroffenen: Eine Stimme beschreibt die Kita Regenbogen als eine der wichtigsten und beliebtesten Einrichtungen der Stadt mit langjährig verlässlicher pädagogischer Arbeit und appelliert an den Stadtrat, die Entscheidung im Interesse von Kindern, Familien und Team noch einmal zu überdenken. Eine andere Stimme geht grundsätzlicher vor und macht den ohnehin angespannten Personalschlüssel in sächsischen Kitas für die Misere verantwortlich. Schließungen seien die falsche Antwort auf ein strukturelles Problem, das eigentlich auf Landesebene gelöst werden müsste. Der Tenor in beiden Fällen: Man fühlt sich nicht mitgenommen, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt.

Mehr aus dieser Kategorie


Ostara Jasmin Hennig. Foto: privat

Die demografischen Fakten, die die Stadt in ihrer Erklärung anführt, sind dabei nicht von der Hand zu weisen. Sinkende Geburtenzahlen, ein ungünstiger Personalschlüssel, steigende Betriebskosten pro Kind – das sind keine erfundenen Probleme, sondern eine strukturelle Realität, mit der viele sächsische Kommunen ringen. Dass nicht jede Einrichtung erhalten werden kann, lässt sich sachlich begründen.

Was sich nicht begründen lässt, ist die Art des Verfahrens. Wenn ein derart einschneidender Beschluss von einer Vorlage zur nächsten praktisch das Ziel wechselt, drängt sich die Frage auf, wie sorgfältig hier tatsächlich abgewogen wurde – und wessen Interessen bei diesem kurzfristigen Schwenk eigentlich im Vordergrund standen.

Transparenz nachträglich zu verordnen, ist vielmehr Schadensbegrenzung als Transparenz. Wer Eltern und Erzieherinnen erst überrumpelt und ihnen dann eine Presseerklärung nachreicht, hat das Prinzip der Bürgerbeteiligung nicht verstanden, sondern nur seine Pflicht erfüllt.

Meißen News
Artikel von

Meißen News

Meißen News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media