Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Meißen News

Sächsische Wildbienen mögen Solarmodule

Sächsische Wildbienen mögen Solarmodule
Solarmodule sind gut für Bienen. Foto: Landesamt für Umwelt
Von: Meißen News
Ein Forschungsprojekt zeigt: Unter Agri‑PV‑Modulen leben deutlich mehr Wildbienenarten. Erste Ergebnisse aus Krauscha überraschen.

Auf einer ökologisch bewirtschafteten Ackerfläche mit Agri‑Photovoltaik in Krauscha sind im ersten Betriebsjahr deutlich mehr Wildbienenarten nachgewiesen worden als auf einer vergleichbaren Fläche ohne Solarmodule. Das teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie am Mittwoch mit. Die Ergebnisse stammen aus dem laufenden Forschungsprojekt „BiodivAgriPV“, das den Einfluss von Agri‑PV‑Anlagen auf die Biodiversität unter Praxisbedingungen untersucht.

Die Untersuchungen finden auf dem Bio‑Partnerbetrieb Gut Krauscha statt, wo die erste Agri‑PV‑Anlage im Praxismaßstab in Ostdeutschland steht. Die senkrecht aufgestellten Module ermöglichen eine gleichzeitige Nutzung der Fläche für Landwirtschaft und Stromproduktion. Ziel ist es, zu erfassen, wie sich die neuen Strukturen unter den Modulen auf Artenvielfalt und Lebensräume auswirken.

Bei vier Begehungen im Juni und Juli 2025 wurden 27 Wildbienenarten im Bereich der Agri‑PV‑Anlage festgestellt – auf der benachbarten Referenzfläche ohne PV waren es lediglich elf Arten. Darunter befanden sich mehrere gefährdete Arten wie die Senf‑Blauschillersandbiene (Andrena agilissima). Auch sogenannte Kuckucksbienen, die auf andere Wildbienen als Wirte angewiesen sind, traten ausschließlich im Bereich der Agri‑PV‑Anlage auf.

Mehr aus dieser Kategorie

Ein zentraler Grund für die höhere Artenvielfalt sind die Strukturen, die durch die Anlage entstehen. Unter den Modulen wird nicht bewirtschaftet, sodass sich selbstbegrünte Brachestreifen und offene Bodenstellen bilden – ideale Nistplätze für bodennistende Wildbienen. Die Kombination aus Nahrung und Nistmöglichkeiten auf engem Raum ist entscheidend, da viele Wildbienen nur kurze Flugstrecken zurücklegen können.

Zudem wurde eine verlängerte Blühphase des angebauten Leindotters beobachtet. Durch unterschiedliche Verschattung blühte die Pflanze zeitlich versetzt, was den Wildbienen über einen längeren Zeitraum Nahrung bot.

Die Forschenden sehen in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass Agri‑PV‑Anlagen Biodiversität fördern können. Ob die positiven Effekte langfristig bestehen bleiben, soll in den kommenden Jahren untersucht werden. Das Projekt läuft bis Ende 2027 und umfasst neben Wildbienen auch Untersuchungen zu Fledermäusen, Vögeln, Laufkäfern und Pflanzen.

In Deutschland kommen rund 600 Wildbienenarten vor, etwa die Hälfte davon steht auf der Roten Liste. In Sachsen leben über 400 Arten – viele davon sind gefährdet oder rückläufig.

Meißen News
Artikel von

Meißen News

Meißen News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media