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Rentner sollen die kritische Infrastruktur in Sachsen bewachen

Symbolbild Umspannwerk / pixabay LWS
Symbolbild Umspannwerk / pixabay LWS

Das Konzept eines Dresdner Stadtrates sieht ein Netz von 20.000 menschlichen Sensoren zum Schutz der Versorgungsnetzwerke vor. Im Ehrenamt.

Kürzlich gab es einen Stromausfall im sächsischen Landtag. In Berlin hatten Zehntausende über mehrere Tage hinweg keinen Strom und keine Heizung. Angesichts wachsender Bedrohungen für die kritische Infrastruktur durch Sabotage, Spionage und hybride Angriffe hat der Dresdner Stadtrat Steffen Große (Team Zastrow) ein Konzept für ein landesweites Sachsen-Resilienz-Netz vorgelegt. Mit dem Vorhaben will er eine zivile Sicherheitsreserve aus bis zu 20.000 freiwilligen Infrastruktur-Paten (ca. 0,5 % der Bevölkerung) schaffen und damit eine Schutzlücke schließen, die Polizei und Versorger in der Fläche nicht abdecken können. Das teilte Steffen Große Meißen News mit.

Sein Konzept stellte er in dieser Woche dem Staatssekretär im Innenministerium Ulf Bandiko und kurz zuvor dem Versorger Sachsen-Energie vor. Zudem schickt er das Papier dem THW und dem Radebeuler OB Bert Wendsche als Chef des Sächsischen Städte- und Gemeindetages. Die Reaktionen waren eher zurückhaltend. Insbesondere OB Wendsche bleibt skeptisch, weil er damit neue Kosten auf die Kommunen zukommen sieht. 

Große setzt aber vor allem aufs Ehrenamt. Die Paten – vor allem aus der Generation der jungen Alten mit hoher Ortskenntnis und technischer Expertise – sollen als qualifizierte menschliche Sensoren fungieren: tägliche Sichtprüfungen von Umspannwerken, Stromkästen, Brücken oder anderen systemrelevanten Knotenpunkten (ca. 1.500 in Sachsen), frühzeitiges Melden von Auffälligkeiten sowie – im Krisenfall wie Blackout oder Cyberangriff – Unterstützung bei Lagebildern, Einweisen von Einsatzkräften und Nachbarschaftsinformation. Wichtig: Die Paten erhalten keine Eingriffs- oder Polizeirechte, sondern agieren rein beobachtend und meldend – vergleichbar mit einer „digitalen Stadtwache“ oder der Freiwilligen Feuerwehr, jedoch mit klarem Fokus auf Infrastrukturschutz statt Gefahrenabwehr oder Strafverfolgung.



Steffen Große. Foto: Team Zastrow


Das Konzept - das auf Ideen aus der Schweiz basiert - grenzt sich bewusst von Sicherheitswacht, THW oder Polizei ab. Große betont den doppelten Nutzen: Sachsen könne sich als besonders resilienter und sicherer Wirtschaftsstandort profilieren – ein entscheidender Vorteil für Investoren, etwa in Silicon Saxony und der Chip-Industrie. Gleichzeitig biete das Ehrenamtsprojekt älteren Bürgern sinnvolle Teilhabe, wirke Vereinsamung entgegen und stärke das Wir-Gefühl.

Zur Bindung der Freiwilligen sind Anreize geplant: eine kleine jährliche Pauschale (ca. 300 Euro), möglicher Energierabatt, Deutschlandticket-Zuschuss, offizielle Akkreditierung, Funktionskleidung, spezielle App und 450-MHz-Funkgeräte sowie exklusive Seminare und Fast-Lane bei Behörden. Der Aufbau soll schlank und kostengünstig bleiben: Keine neue Behörde, sondern Integration ins bestehende Katastrophenschutz-Referat des Innenministeriums, digitale Abwicklung über Sachsen-ID, Koordination weitgehend durch erfahrene Ehrenamtliche (z. B. pensionierte Ingenieure/Polizisten). Versorger wie Sachsen-Energie liefern nur Geo-Daten – die Menschen betreut das Netzwerk selbst.

Möglicherweise wird Große, der im Kultusministerium arbeitet, einem Vorschlag aus dem Innenministerium folgen, wie er sagt, und sein Konzept erst einmal in einer kleineren Einheit testen. "Das ist doch ein guter Vorschlag", sagte Große zu Meißen News. "Wir werden das mal so versuchen."


Text: Ulf Mallek


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