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Niederau: AfD will höchste Windkraftanlagen in Deutschland stoppen

Niederau: AfD will höchste Windkraftanlagen in Deutschland stoppen
Die drei Initiatoren vor der Übergabe der Unterschriften an den Minister. Foto: privat
Von: Meißen News
In Niederau übergaben AfD-Gemeinderäte und ein Landtagsabgeordneter rund 500 Unterschriften gegen neue Windkraftanlagen an den sächsischen Umweltminister von Breitenbuch.

In der Gemeinde Niederau hat die AfD nach eigenen Angaben binnen drei Stunden fast 500 Unterschriften gegen den geplanten Bau neuer Windkraftanlagen gesammelt. Dieser Tage übergaben die AfD-Gemeinderatsmitglieder Friedhelm Meese und André Schmiege sowie der Meißner AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Kirste die Unterschriften dem sächsischen CDU-Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch. Zugleich luden sie den Minister zu einem Bürgerdialog nach Niederau ein, teilte Thomas Kirste mit. 

Hintergrund ist die Ausweisung von Flächen für Windenergieanlagen, die nach den vorliegenden Planungen eine Höhe von mehr als 266 Metern erreichen könnten. Damit wären es nach Darstellung der Initiatoren die höchsten Windkraftanlagen in Deutschland. Die Unterschriftenaktion richtet sich gegen die Vorhaben und fordert mehr Einflussmöglichkeiten der Kommune und der Einwohner im Verfahren.

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In Niederau wird die Dimension der geplanten Anlagen besonders kontrovers diskutiert. Kritiker befürchten erhebliche Eingriffe in das Landschaftsbild sowie Auswirkungen auf Lebensqualität und Immobilienwerte. Befürworter von Windenergie verweisen dagegen auf die Bedeutung des Ausbaus erneuerbarer Energien für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und langfristig stabile Strompreise. In der aktuellen Auseinandersetzung steht jedoch vor allem die Frage im Mittelpunkt, welche Rolle lokale Entscheidungen in einem bundesrechtlich geregelten Genehmigungsprozess spielen.

Die AfD-Vertreter betonen, dass sie die Unterschriften bewusst an den zuständigen Umweltminister übergeben hätten, um den politischen Druck zu erhöhen und die Debatte über Zuständigkeiten öffentlich zu machen. Der Minister verwies nach Angaben der Beteiligten auf Bundesvorgaben, die den Spielraum der Länder begrenzen.

Thomas Kirste hatte das Thema zuvor auch parlamentarisch aufgegriffen. In einer Kleinen Anfrage (Drs.-Nr.: 8/2696) ging es um die rechtlichen Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung und die Bedeutung kommunaler Positionen. Von Breitenbuch verwies demnach auf das Bundesimmissionsschutzgesetz. Danach hätten Bürgerentscheide im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens keine rechtliche Bindungswirkung. Entscheidungen würden nach festgelegten Kriterien getroffen, etwa zu Lärm, Schattenwurf, Naturschutz und Abständen.

Der Minister erklärte nach Darstellung der AfD, es handele sich um Bundesentscheidungen; er sehe im Bundesimmissionsschutzgesetz keinen Ermessensspielraum, um einen Bürgerentscheid oder kommunale Beschlüsse als rechtlich verbindlich zu behandeln. Änderungen seien nur durch eine Gesetzesänderung auf Bundesebene möglich. Damit blieb die zentrale Forderung der Initiatoren nach einem stärkeren kommunalen Mitspracherecht zunächst ohne Zusage.

AfD kritisiert fehlendes Mitspracherecht vor Ort

Gemeinderat Friedhelm Meese äußerte sich kritisch zur bestehenden Rechtslage: „Es kann nicht sein, dass weder Bürger noch Kommune irgendein Mitspracherecht bei Themen haben, die so massiv die Lebensqualität mindern.“ Kirste ergänzte, die Auswirkungen träfen vor allem Menschen im ländlichen Raum, die langfristig in Wohneigentum investiert hätten. Er sprach von Wertminderungen von Immobilien, die teilweise bis zu 25 Prozent betragen könnten, und verband dies mit grundsätzlicher Kritik an der Energiepolitik.

Der Gemeinderat André Schmiege stellte den demokratischen Anspruch in den Vordergrund. Wenn eine betroffene Gemeinde und ihre Bürger nicht mitentscheiden dürften, verletze dies grundlegende Prinzipien der Demokratie; undemokratische Vorgaben des Bundes seien abzulehnen. Die AfD-Vertreter forderten daher eine Neujustierung der Regeln, die kommunale Entscheidungen stärker berücksichtigen soll.

Politischer Streit um Zuständigkeiten

Minister von Breitenbuch verwies darauf, dass Sachsen an Bundesrecht gebunden sei. Kirste wiederum erklärte, sollte die CDU sich nicht für Änderungen einsetzen, müsse die AfD in Regierungsverantwortung kommen, um Gesetze „im Sinne der Bürger“ zu gestalten. Damit wird die Windkraftdebatte in Niederau auch zum Schauplatz eines grundsätzlichen politischen Konflikts: Wie weit soll der Ausbau der Windenergie vorangetrieben werden, und wie viel Entscheidungsmacht sollen Kommunen in Verfahren erhalten, die überregionalen energie- und klimapolitischen Zielen dienen? 

Ankündigung: rechtliche Schritte und Bürgerdialog

Ungeachtet der Verweise auf die Zuständigkeiten kündigten die Gemeinderäte und der Landtagsabgeordnete an, sämtliche rechtlichen Mittel ausschöpfen zu wollen, um den Bau der Anlagen zu verhindern oder zu begrenzen. Ziel sei es, die Lebensqualität der Einwohner zu erhalten und das Wohnen im ländlichen Raum zu fördern. Zugleich halten sie an der Einladung zu einem Bürgerdialog fest, bei dem der Minister die Situation vor Ort kennenlernen soll.

Wie es in Niederau weitergeht, hängt nun vor allem vom Fortgang der Planungen und der konkreten Genehmigungsverfahren ab. Entscheidend wird sein, ob Einwendungen im Rahmen der Beteiligung Gehör finden und ob rechtliche Fragen – etwa zu Abständen, Artenschutz oder Immissionswerten – das Projekt beeinflussen.

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