Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Meißen News

Gänsekiel, Schiefertafel und Computer im Schulmuseum Weinböhla

Gänsekiel, Schiefertafel und Computer im Schulmuseum Weinböhla
Armin May an seinem Schreibtisch. Foto: privat
Von: Meißen News
Der Leiter des Schulmuseums Armin May ist ganz anders. Er lebt seinen Kindheitstraum: Eine Entdeckungsreise auch zu Pionierblusen mit Halstuch und zum FDJ-Hemd sowie den Erstausgaben von Frösi und Bummi.

Ein Erlebnisbericht von Bürgerjournalistin Inge Krause

Wenn sich alte Schulkameraden treffen, werden Erinnerungen wach. Wie bei mir und Hannes Fritsch aus Meißen. Bei einer Begegnung nach Jahren kamen wir zu dem Entschluss, das Museum in unserer damaligen Schule zu besuchen. Da er gesundheitlich stark angeschlagen ist, vereinbarte ich allein einen Termin mit Armin May, dem Leiter des Schulmuseums in Weinböhla.

In meiner Vorstellung war das Schulmuseum ein kleiner Raum mit Nebengelass, einigen wenigen Ausstellungsstücken und einem stillen Mann, der die Schätze vergangener Zeit bewahrt. Armin May ist ganz anders. Er lebt seinen Kindheitstraum. Seine Augen leuchten, wenn es um seine Lieblingsstücke geht. Wenn er einmal anfängt zu erzählen, ist er kaum zu bremsen.

Mit genau dieser Energie hat er seinen Kindheitstraum wahr gemacht und ein Museum aufgebaut, das alle meine Erwartungen übertraf. Sowohl die Räumlichkeiten als auch die Vielfalt der Exponate und das Wissen des Mannes, der seit dem Jahr 2000 alles akribisch ordnet, was er gerettet hat, haben mich überrascht. Es gibt Unterlagen seit dem Jahr 1898 bis heute. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Zeit von 1949 bis 1989 nicht vergessen wird, weil sie zu unserer Geschichte gehört, nicht nur im Schulmuseum von Weinböhla.

Mehr aus dieser Kategorie

Der Werdegang des Aufbaus des Museums ist auch deshalb so spannend, weil Armin May nicht in Weinböhla, sondern in Meißen geboren wurde und in der 5. Oberschule gelernt hat. Er wohnt schon lange in dem schönen Ort und fühlt sich auch als Weinböhlaer. Über seinen eigentlichen Beruf als Zimmerer kam er zur Tätigkeit als Hausmeister an der damaligen Ernst-Thälmann-Oberschule. Noch heute erinnert er sich an den für ihn schlimmen Tag, als er mit anderen auf Weisung den Namenszug von Ernst Thälmann von der Schule entfernen musste. Das konnte aber sein Interesse an der Erhaltung historischer Begebenheiten nicht mindern. Schon 1995 erzählte er dem Geschichtslehrer, Herrn Rentzsch, von seiner Vorstellung, geschichtlich wertvolle Schriftstücke, Bilder, Gegenstände und Unterlagen zu sammeln und so zu retten.


Auf der Schulbank: Unsere Autorin Inge Krause mit Armin May. Foto: privat

Als dann im Jahr 2000 die Kellerräume der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Schule frei wurden, hatten die beiden endlich die Gelegenheit, die bis dato auf dem Boden gelagerten Exponate zu ordnen und zu präsentieren. Bis zum Jahr 2013 konnten beide zusammenarbeiten, dann verstarb der Geschichtslehrer. Seither ist Armin May allein Herr über so wertvolle Exponate wie das Hauptbuch der Schule von 1898 und noch ganz viele andere wichtige Gegenstände und Schriftstücke. Seine Frau, eine ehemalige Lehrerin, ist ihm eine große Stütze bei der Bewältigung der großen Aufgabe. Besonders wichtig war es ihm in der Zeit von 1989 bis 1992, Belege aus der DDR-Zeit zu retten, weil alles weggeworfen werden sollte, was an die DDR erinnert. Es ist ihm gelungen, diesen wichtigen Abschnitt unserer deutschen Geschichte nach seinen Möglichkeiten zu bewahren. Und so verwundert es nicht, dass bei ihm die Pionierbluse mit Halstuch und das FDJ-Hemd einen ebenso wichtigen Platz einnehmen wie die Erstausgaben von Frösi, Bummi und anderen Kinderzeitschriften.

Es fehlt ein Nachfolger

Dieser Zeitraum spielt in den 4. und 5. Klassen der Oberschulen von Weinböhla und Niederau bei der Vermittlung von geschichtlichem Wissen eine wichtige Rolle. Und dann kann es schon mal vorkommen, dass ein Schüler oder eine Schülerin in das Outfit der DDR-Zeit schlüpft. Er stellt immer wieder fest, dass die Jungen und Mädchen seinen Ausführungen ganz gespannt lauschen.

Bei allen Erfolgen, die Armin May für sich in Anspruch nehmen kann, hat er doch ein großes Problem: Um alle seine Schätze noch besser präsentieren zu können, bräuchte er noch mehr Raum. Und er sorgt sich um den weiteren Bestand des Museums, weil es noch keinen Nachfolger für ihn gibt.

Das Museum hat nicht nur für die Schüler einen großen Wert. Sein Fundus stand und steht auch bei großen Veranstaltungen wie dem Jubiläum 100 Jahre Weinböhlaer Schule, dem Umzug zum Winzerstraßenfest oder auch Ausstellungen im Heimatmuseum zur Verfügung. Es ist der Gemeinde zu danken, dass es dieses Kleinod gibt, denn in ihrem Auftrag leitet Armin May das Schulmuseum.

Die Weinböhlaer lieben ihr Schulmuseum. Das zeigt sich darin, dass immer wieder von Einwohnern interessante Bilder, Gegenstände und Unterlagen zur Verfügung gestellt werden. Bei Klassentreffen oder zum Tag der offenen Tür werden Schulführungen angeboten und als Höhepunkt gibt es eine Führung durch das Museum. Viele nutzen dann die Gelegenheit, sich von Herrn May zeigen zu lassen, welche Prüfungsaufgaben sie in den einzelnen Fächern gestellt bekamen, ob sie gelöst werden konnten und wie sie bewertet wurden. Auch ich habe dies genutzt und tatsächlich meine einzige „4“ im Prüfungsaufsatz im Fach Deutsch gefunden und konnte mich daran erinnern, wie sie zustande kam: Ausdruck und Rechtschreibung 1, aber am Thema vorbeigeschrieben. Es hieß: „Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter im Strom der Zeit“ von J. W. Goethe. Ich habe die Schmach überwunden.

Im Museum finden sich viele Unterlagen zu Prominenten des Ortes. Ein ganz besonderer Schüler der Oberschule war der Schauspieler Peter Sodann, leider bereits verstorben. Er hat sich große Verdienste um die Rettung der in der DDR erschienenen Literatur erworben.

Ich habe Herrn May gefragt, welches seine Lieblingsexponate sind. Er musste nicht lange überlegen: das Hauptbuch der Schule von 1898 und eine Kiste mit den Jahresberichten von 1898 bis 1922. Es gibt auch Ausstellungsstücke, die nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind. So zum Beispiel Protokolle von Lehrerkonferenzen und Klassenbücher.

Der Robotron-Computer KC 85 ist zu sehen

In dem Raum, der der alten Technik vorbehalten ist, fand ich auch die beiden sehr alten deutschen Computer: den von Robotron von 1984 bis 1988 hergestellten Computer KC 85 und den aus der BRD stammenden Commodore CBM 3001, der ab 1980 produziert wurde. Die meisten der technischen Exponate wie Tonbandgeräte, Sternrecorder, Plattenspieler, eine Dampfmaschine und vieles andere funktionieren noch einwandfrei.

Fast zum Schluss führte er mich in den Raum, in dem wie in einem richtigen Klassenzimmer Schulbänke aus verschiedenen Epochen (u. a. aus der Kaiserzeit) aufgestellt sind. Es war uns beiden eine Freude, auf dem harten Holz zu sitzen und uns an unsere Schulzeit zu erinnern. Aber nicht nur die Schulbänke wecken Erinnerungen, sondern auch die Schiefertafeln, alten Lederranzen und Brottaschen. An einem besonderen Schreibtisch dürfen die Schüler alte Schreibgeräte ausprobieren und staunen, dass man früher einen Gänsekiel in Tinte tunkte und damit schrieb.

Die drei Stunden, die ich mit Armin May im Museum verbringen durfte, fühlten sich an wie eine Viertelstunde. Ich danke ihm für seine humorvollen und ausführlichen Informationen und komme gerne wieder, spätestens zum nächsten Höhepunkt am 2. Dezember 2026 zum „Tag der offenen Tür“.

Zum Schluss noch eine Bitte von ihm an alle Weinböhlaerinnen und Weinböhlaer: Sein größter Wunsch ist es, dass sich bald eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger findet, die oder der aus dem Ort stammt und sein Lebenswerk mit der gleichen Freude und Akribie fortführt. Damit die Geschichte weiterleben kann.

Inge Krause aus Meißen ist Mitglied im neuen Verein Bürgerjournalisten für Sachsen e. V. (i.G.)

Meißen News
Artikel von

Meißen News

Meißen News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media