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Gegen den Trend: Creator-Plattform BestFans bringt gedrucktes Magazin in den Handel

Eine Frau in einem roten Kleid liest entspannt ein Magazin auf einem Bett.
Beim Blättern in einem Magazin entdeckt man oft Dinge, die in einem kurzen Online-Format untergehen würden. / Foto: prostooleh auf magnific.com
Von: Konrad Vers

Während Verlage reihenweise Print-Titel einstellen, wagt eine Erotik-Plattform den umgekehrten Weg. Der „BestFans Insider" erscheint seit Juni als Quartalsheft – und soll ausdrücklich mehr sein als ein Marketing-Gag.

Die Nachricht klingt zunächst wie aus der Zeit gefallen: Eine digitale Plattform, deren Geschäftsmodell vollständig im Netz stattfindet, bringt ein gedrucktes Magazin an den Kiosk. Seit dem 11. Juni ist der „BestFans Insider" im Handel erhältlich, herausgegeben von der Creator-Plattform BestFans. Vier Ausgaben pro Jahr sind geplant – in einer Branche, die seit über einem Jahrzehnt fast ausschließlich Meldungen über sinkende Auflagen, eingestellte Titel und geschlossene Redaktionen produziert.

Der Zeitpunkt wirkt paradox. Publikumszeitschriften verlieren seit Jahren kontinuierlich an verkaufter Auflage, Verlage verlagern ihre Budgets in digitale Kanäle, und selbst traditionsreiche Titel verschwinden vom Markt oder existieren nur noch als Online-Ableger weiter. Ausgerechnet jetzt in Papier zu investieren, erscheint auf den ersten Blick wie eine Wette gegen den Markt.

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Bei BestFans sieht man das anders – und begründet den Schritt mit einer Eigenschaft, die digitale Formate strukturell nicht bieten können: Beständigkeit. „Ich glaube, viele Menschen mögen trotz der Digitalisierung immer noch Dinge, die sie wirklich in der Hand halten können", sagt Germaine, Account & Talent Relations Managerin bei BestFans und zentrale Ansprechpartnerin für die Creator-Community der Plattform. „Ein Social-Media-Post oder eine Story ist oft nach wenigen Sekunden wieder verschwunden, ein Magazin bleibt dagegen länger präsent."

Dahinter steht eine Überlegung, die in der Medienbranche zunehmend diskutiert wird: Gerade weil digitale Inhalte im Überfluss vorhanden und beliebig reproduzierbar sind, gewinnt das physische Produkt an Wert – als Objekt, als Sammlerstück, als bewusste Entschleunigung. Nischen-Magazine, aufwendig produzierte Independent-Titel und limitierte Printprojekte haben sich in den vergangenen Jahren als Gegenbewegung zum endlosen Scrollen etabliert. Der „BestFans Insider" reiht sich in diese Logik ein, wenn auch mit einem Thema, das man in der Indie-Magazin-Szene eher selten findet.

Inhaltlich soll das Heft nach Angaben der Plattform mehr leisten, als es kurze Online-Formate können. „Außerdem bietet ein Print-Magazin die Möglichkeit, Geschichten, Interviews und Hintergründe auf eine ganz andere Art zu erzählen", erklärt Germaine. „Man nimmt sich mehr Zeit dafür und entdeckt oft Dinge, die in einem kurzen Online-Format untergehen würden." Einen Widerspruch zwischen den Kanälen sieht sie nicht: „Für mich schließen sich Print und Digital daher gar nicht aus. Im Gegenteil: Sie können sich sehr gut ergänzen. Gerade deshalb finde ich es spannend, dass wir mit dem BestFans Insider beide Welten miteinander verbinden."

Bemerkenswert ist die strategische Dimension des Projekts. Das Magazin ist nicht als isoliertes redaktionelles Produkt konzipiert, sondern als Instrument der Plattform: Für die Creator, die auf BestFans ihre Inhalte vermarkten, bedeutet die Präsenz im gedruckten Heft eine zusätzliche Möglichkeit, Reichweite und wirtschaftlichen Erfolg auszubauen. Das Heft funktioniert damit gewissermaßen als analoge Verlängerung des digitalen Geschäftsmodells – eine Umkehrung des üblichen Weges, bei dem Printmarken verzweifelt versuchen, digitale Standbeine aufzubauen.

Auch bei der Erfolgsmessung will man sich nicht an klassischen Verlagskennzahlen orientieren. Auf die Frage, ob es eine konkrete Zielmarke für die erste Ausgabe gebe, bleibt Germaine bewusst offen: „Natürlich freuen wir uns über gute Verkaufszahlen. Aber für uns ist das nicht der einzige Maßstab. Spannend ist auch, wie Leser, Creator und Medien auf das Magazin reagieren. Welche Geschichten werden besonders gerne gelesen? Welche Interviews sorgen für Gespräche? Und welches Feedback bekommen wir aus der Community?" Die erste Ausgabe sei „ein wichtiger Start", man betrachte „das Gesamtbild und nicht nur eine einzelne Kennzahl".

Ein einmaliges Experiment soll der „Insider" ausdrücklich nicht bleiben. „Nein, der BestFans Insider ist definitiv kein einmaliges Projekt", stellt Germaine klar. „Aktuell erscheint es einmal pro Quartal, sodass wir vier Ausgaben pro Jahr veröffentlichen können. Dadurch haben wir die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen aufzugreifen, neue Creator vorzustellen und spannende Geschichten aus unserer Community zu erzählen." Gleichzeitig wolle man das Heft „mit jeder Ausgabe weiterentwickeln und auf das Feedback unserer Leser eingehen". Der Fokus liege darauf, das Magazin „als festen Bestandteil unserer Marke zu etablieren und langfristig erfolgreich weiterzuführen".

Ob sich daraus eines Tages ein Abo-Modell oder gar ein internationaler Ableger entwickelt, lässt das Unternehmen offen. Man beobachte, wie sich das Magazin entwickle und welche Möglichkeiten sich daraus ergäben, heißt es lediglich.

Bleibt die Frage, ob der „BestFans Insider" ein Einzelfall bleibt oder ein frühes Signal für eine breitere Entwicklung ist. Germaine selbst formuliert es vorsichtig: „Ob es in zehn Jahren wieder deutlich mehr erotische Print-Magazine geben wird, kann ich natürlich nicht vorhersagen. Aber ich glaube schon, dass hochwertige Print-Produkte auch in Zukunft ihren Platz haben werden – gerade dann, wenn sie etwas bieten, das man online so nicht bekommt." Für die Medienbranche, die das Sterben des gedruckten Heftes seit Jahren verwaltet, ist das immerhin eine ungewohnt optimistische These – ausgerechnet aus einer Ecke, aus der sie kaum jemand erwartet hätte.

Konrad Vers
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Konrad Vers

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