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Sachsen spart an der Kultur: Akademie muss Preise aussetzen und Projekte streichen

Sachsen spart an der Kultur: Akademie muss Preise aussetzen und Projekte streichen
Der erfahrene Kulturmanager Michael Grisko übernimmt die Leitung der Akademie der Künste und bringt langjährige Expertise aus Kulturinstitutionen in Deutschland mit. Fotoquelle: Michael Grisko
Von: Cornelius de Haas

Wenn Prof. Dr. Michael Grisko am 1. April sein neues Büro in der Sächsischen Akademie der Künste betritt, übernimmt er nicht nur eine traditionsreiche Institution, sondern eine Aufgabe, die größer ist als jeder Titel. Der 55-jährige Literatur- und Medienwissenschaftler, der in Kassel geboren wurde und über Stationen in Erfurt und Braunschweig zu einem der versiertesten Kulturmanager seiner Generation wurde, tritt die Nachfolge von Dr. Klaus Michael an — einem Mann, der die Akademie fast drei Jahrzehnte lang geprägt hat.

Die Übergabe wirkt beinahe symbolisch: Während Michael den Raum verlässt, beginnt Grisko, die ersten Unterlagen zu sortieren. Zwischen den Papieren liegen nicht nur Termine und Projekte, sondern auch die Spuren einer Institution, die sich im 30. Jahr ihres Bestehens neu behaupten muss. „Ich freue mich darauf, … Impulse bei den anstehenden Debatten zur Gestaltung einer lebendigen Kunst- und Kulturlandschaft zu geben“, sagt Grisko. Doch die Realität, die ihn erwartet, ist komplexer als jede Debatte.

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Die Akademie vereint 185 Künstlerinnen, Künstler und Kunsttheoretiker aus dem In- und Ausland. Sie ist ein Ort des Austauschs, der Reflexion, der künstlerischen Freiheit — und sie ist gesetzlich beauftragt, Kunst und kulturellen Dialog zu fördern. Genau dieser Auftrag steht nun auf dem Spiel. Denn die Sparmaßnahmen im sächsischen Doppelhaushalt 2025/26 treffen die Akademie an einem empfindlichen Punkt. In der Mitteilung heißt es ungewöhnlich deutlich, der Auftrag sei „massiv gefährdet“.

Was das bedeutet, zeigt sich in den konkreten Einschnitten: Mehrere renommierte Preise — der Hans-Theo-Richter-Preis, der Semperpreis und der Chamisso-Preis — müssen ausgesetzt werden. Preise, die nicht nur künstlerische Leistungen würdigen, sondern auch Sichtbarkeit schaffen, Karrieren befördern und das kulturelle Selbstverständnis des Freistaats prägen. Ihr Wegfall ist mehr als eine Budgetentscheidung; er ist ein Signal, das weit über die Akademie hinausreicht.

Auch Veranstaltungen und Publikationen werden stark reduziert. Damit verliert die Akademie jene öffentliche Wirksamkeit, die sie seit ihrer Gründung auszeichnet. Besonders schmerzhaft ist dies für den „kulturellen Brückenschlag zu den mittel- und osteuropäischen Ländern“, der zu den Kernaufgaben der Institution gehört. In einer Zeit, in der internationale Kulturbeziehungen politisch und gesellschaftlich an Bedeutung gewinnen, wirkt dieser Rückbau wie ein Schritt in die falsche Richtung.

Akademiepräsident Prof. Dr. Wolfgang Holler würdigt den scheidenden Präsidialsekretär mit Worten, die zugleich als Mahnung gelesen werden können. Ohne Michaels Engagement, seine „breitgefächerte Bildung“ und seinen „wachen, kritischen Geist“ hätte die Akademie nicht das Ansehen erreicht, das heute „internationale Strahlkraft entfaltet“. Diese Strahlkraft zu bewahren, wird nun zur Aufgabe von Grisko — und sie wird schwieriger denn je.

Denn der neue Präsidialsekretär übernimmt eine Institution, die sich in einem Spannungsfeld bewegt: zwischen künstlerischem Anspruch und politischer Realität, zwischen internationaler Vernetzung und regionalen Sparzwängen, zwischen dem Wunsch nach kultureller Vielfalt und der Notwendigkeit, mit weniger Mitteln mehr zu erreichen.

Für Grisko bedeutet das, dass seine Rolle weit über die Leitung der Geschäftsstelle hinausgeht. Er wird moderieren müssen, vermitteln, erklären — gegenüber Politik, Öffentlichkeit und einer Kulturszene, die zunehmend um ihre Zukunft bangt. Die Frage, wie viel dem Freistaat seine Kunst wert ist, wird in den kommenden Monaten nicht nur in Gremien verhandelt, sondern auch in den Köpfen der Menschen.

Der Personalwechsel markiert damit einen Moment, der größer ist als die Akademie selbst. Er steht für eine Zäsur in der sächsischen Kulturpolitik — und für die Hoffnung, dass die Kunst im Freistaat trotz aller Einschnitte weiter sichtbar bleibt. Während draußen die Wolken über der Elbe aufreißen, beginnt für Grisko ein Kapitel, das nicht nur Mut, sondern auch Beharrlichkeit verlangt. Und vielleicht ist genau das die Qualität, die die sächsische Kulturlandschaft jetzt am dringendsten braucht.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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