Im Rahmen des Ausstellungsprojektes „Staatsgeheimnis! Die Zittwerke. Ein Rüstungskonzern im Nationalsozialismus“ laden die Städtischen Museen Zittau am Donnerstag, 11. Juni, um 17 Uhr zu einem Vortrag ins Kulturhistorische Museum Franziskanerkloster ein. Prof. Dr.-Ing. Jos Tomlow aus Zittau spricht unter dem Titel „Unter Tarnung: Die Zittwerke in Kleinschönau und Semil in der NS-Zeit“ über ein Kapitel regionaler und europäischer Industrie- und Kriegsgeschichte. Eine telefonische Anmeldung ist unter (03583) 55 47 90 oder per E-Mail an museum@zittau.de möglich. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro.
Die Zittwerke waren ein Tarnunternehmen der Junkers Flugzeugwerke aus Dessau. Mit der Verlagerung der Produktion in den Zittauer Raum reagierte das Unternehmen auf die Bombardierungen Mitteldeutschlands. In den Jahren 1943 und 1944 wurde der Ausbau des Produktionskomplexes mit großer Energie vorangetrieben. Dafür wurden zahlreiche Fabriken beschlagnahmt und eine Kaserne in Kleinschönau, dem heutigen Sieniawka in Polen, zum Kern des Areals umgebaut. Dort entstanden Jumo-Triebwerke für die Me262, ein düsengetriebenes Jagdflugzeug der Wehrmacht. Der Vortrag beleuchtet auch die unmenschlichen Bedingungen, unter denen die Produktion Ende 1944 aufgenommen wurde. Betroffen waren bis zu 5.000 Menschen, darunter Stammarbeiter von Junkers, europäische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, jüdische Frauen aus dem KZ Groß Rosen sowie Kriegsgefangene. Trotz der historischen Dimension ist der zentrale Komplex bis heute in weiten Teilen erhalten, auch wenn er nur Eingeweihten bekannt ist.