Ein Kommentar von Thomas Friebe
Am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, fanden bundesweit zahlreiche Demonstrationen und Aktionen statt, um für eine inklusive Gesellschaft und Barrierefreiheit zu kämpfen. Hintergrund ist eine von der Bundesregierung angekündigte und bereits im Vorfeld vielfach kritisierte Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes.
In Görlitz Weinhübel hatte das Inklusionsteam von „Die Linke Sachsen“ zum Protest aufgerufen. Mit überschaubarem Ergebnis. Inklusive der Organisatoren waren letztlich zehn (10!) Teilnehmer vor Ort. Offenbar hatte das kryptische Demo-Motto „Inklusiv gegen jeden Ableismus!" die angesprochene Zielgruppe nicht erreicht. Zur Erklärung: Werden Menschen im Alltag auf ihre körperliche, ihre psychische Behinderung oder zum Beispiel auf eine Lernschwierigkeit reduziert und ungleich behandelt, spricht man in der Fachsprache von Ableismus.
Immerhin nutzte der zur musikalischen Aufheiterung eingeladene lokale Rapper die Gunst der Stunde, dem spärlichen Publikum fünf Titel aus seinem Repertoire vorzutragen. Auch der Redebeitrag „Barrierefreiheit bei Konzerten“ verstärkte den Eindruck, es handelt sich um eine Werbeveranstaltung für das Album des Rappers. Unschöner, aber logischer Schlusspunkt: Auch der angekündigte Protestzug durch Weinhübel vorbei an den Görlitzer Werkstätten fiel ins Wasser.
Mein Fazit: Mit derartigen Veranstaltungen bringt man die so wichtigen Themen Inklusion und Behindertenrechte keinen Schritt voran.