Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Görlitz News

Fall Bärbel B.: Schützte der Vater seinen Sohn – und saß unschuldig im Gefängnis?

Fall Bärbel B.: Schützte der Vater seinen Sohn – und saß unschuldig im Gefängnis?
Symbolbild Weißwasser / pixabay TechLine
Von: Uwe Tschirner
Die Kriminalpolizei prüft neue Hinweise zu einem 15 Jahre alten Tötungsdelikt in Weißwasser und bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Im Fokus stehen Fragen zu den damaligen Abläufen sowie mögliche Aussagen aus dem Umfeld der Beteiligten.

Hintergrund der Ermittlungen

Im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt aus dem Jahr 2011 in Weißwasser/O.L. hat die Kriminalpolizei neue Ermittlungen aufgenommen und wendet sich nun mit einer Öffentlichkeitsfahndung an die Bevölkerung. Ziel ist es, bisher unklare Fragen zum Ablauf der Tatnacht zu beantworten und mögliche Hinweise aus dem Umfeld der Beteiligten zu erhalten.

Der Fall betrifft die Rosa-Luxemburg-Straße 19, wo es in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 2011 zu einem schweren Gewaltverbrechen gekommen sein soll. Trotz einer früheren Verurteilung sind bis heute nicht alle Umstände der Tat geklärt. Nun sollen neue Erkenntnisse helfen, die Geschehnisse besser einzuordnen.

Mehr aus dieser Kategorie

Der Ablauf im Mai 2011

Am frühen Morgen des 29. Mai 2011 meldete sich der damals 58-jährige Hans-Joachim B. bei der Polizei. Er teilte mit, er habe seine Frau Bärbel B. erschlagen und man könne ihn nun von der genannten Adresse in Weißwasser abholen. Die eintreffenden Einsatzkräfte fanden die Frau mit schwersten Kopfverletzungen vor, die offenbar durch einen Zimmermannshammer verursacht worden waren.

Das Opfer wurde noch in eine Klinik gebracht, erlag dort aber einige Tage später trotz intensivmedizinischer Behandlung seinen Verletzungen. Gegen Hans-Joachim B. wurde daraufhin wegen Totschlags ermittelt. Das Landgericht Görlitz verurteilte ihn am 26. April 2012 zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Ungeklärte Fragen zum Tatgeschehen

Bis heute ist jedoch unklar, wie es genau zu den tödlichen Verletzungen kam. Der Verurteilte gab für den relevanten Zeitraum einen Erinnerungsverlust an und äußerte sich weder gegenüber der Kriminalpolizei noch vor Gericht zum konkreten Tatgeschehen. Hinzu kam, dass nur wenige Tage nach dem Angriff auf seine Frau ein Umzug des Ehepaars in die alten Bundesländer geplant war.

Für die Ermittler bleibt deshalb offen, wer die tödlichen Attacken gegen Bärbel B. tatsächlich ausgeführt hat und welche Rolle die einzelnen Beteiligten möglicherweise spielten. Neue Spuren sollen nun helfen, diese Lücke zu schließen.

Neue Hinweise aus späteren Ermittlungen

Im Zuge der Ermittlungen zu einem Tötungsdelikt aus dem Jahr 2025 gegen Tony B. wurden Informationen bekannt, die den Verdacht nahelegen, dass dessen Vater, Hans-Joachim B., die Tat von 2011 möglicherweise zum Schutz seines Sohnes auf sich genommen haben könnte. Tony B. erklärte im Rahmen der gegen ihn geführten Gerichtsverhandlung im März 2026 selbst, dass bei bestehendem Anfangsverdacht ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet worden sei.

Diese neuen Erkenntnisse haben dazu geführt, dass die Kriminalpolizei den älteren Fall erneut aufrollt. Da Hans-Joachim B. inzwischen verstorben ist, ebenso wie seine spätere Lebensgefährtin Heidemarie T., sind unmittelbare Aussagen aus dem engsten Umfeld nur noch eingeschränkt möglich. Umso wichtiger werden Hinweise von Personen, die damals Beobachtungen gemacht oder Gespräche mit den Beteiligten geführt haben.

Gesuchte Informationen zur Tatnacht

Hinweise zu Tony B.

Die Polizei möchte wissen, wer Angaben zum Aufenthalt von Tony B. in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 2011 machen kann. Gesucht werden auch Personen, die ihn in diesem Zeitraum im Wohnhaus in der Rosa-Luxemburg-Straße 19 oder im Umfeld des Hauses gesehen haben. Zudem wird gefragt, mit wem Tony B. über die Umstände des Todes seiner Mutter gesprochen hat und welche Inhalte dabei genannt wurden.

Hinweise zu Hans-Joachim B. und Heidemarie T.

Auch zu Hans-Joachim B. erhoffen sich die Ermittler neue Angaben. Von Interesse ist, ob es Personen gibt, die mit ihm in Haft waren und sich mit ihm über die Tat unterhielten. Ebenso relevant sind Hinweise von Menschen, mit denen er außerhalb der Haft bis zu seinem Tod über das Geschehen gesprochen haben könnte.

Darüber hinaus sucht die Mordkommission nach Personen aus dem Umfeld von Heidemarie T., die von ihr Aussagen zu der Tat ihres Lebensgefährten gehört haben könnten. Solche Gespräche könnten helfen, bisher unbekannte Details zum Tatgeschehen zu rekonstruieren.

So können Hinweise gemeldet werden

Die Kriminalpolizeiinspektion bittet Zeuginnen und Zeugen, sich mit der Mordkommission unter der Rufnummer 03581 468 5000 in Verbindung zu setzen. Auch scheinbar kleine Beobachtungen können für die Ermittlungen im Fall des Tötungsdelikts von 2011 bedeutsam sein.

Uwe Tschirner
Artikel von

Uwe Tschirner

Uwe Tschirner ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media