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Mehr als nur eine Medaille: Wertschätzung auf Augenhöhe

Johanniterin
Magdalena Hoffmann im Gespräch mit Marius Fischer von ehrensache.jetzt nach dem Sanitätsdienst
Von: ehrensache.jetzt Bürgerstiftung Dresden
Ein Raum ohne Tische und Stühle, die Kinder sitzen in den Schränken und eigentlich sollte die Stunde gleich beginnen. In einem Moment, in dem bei den meisten Menschen der Stresspegel steigt, bleibt Magdalena Hoffmann gelassen. Sie findet schnell eine Lösung und behält das Gewusel im Griff. Als sie vor die Tür tritt, um mich zu begrüßen, merkt man kaum Hektik in ihrer Stimme. Stattdessen gibt es ein herzliches Lächeln und die ersten Worte: „Hey, sag einfach Magda“.

Hier hat die Landesvorsitzende der Johanniter-Jugend selbst einst angefangen - als Siebtklässlerin im Schulsanitätsdienst legte Magdalena den Grundstein für ihren Werdegang in der Hilfsorganisation. Heute investiert sie viele Stunden in der Woche einerseits haupt- aber vor allem ehrenamtlich für den Verband. Dass dieser Weg sie weit führen würde, unterstrich im letzten Jahr das Sächsische Staatsministerium für Gesundheit, Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, welches Magdalena für ihre jahrelange Arbeit bei den Johannitern mit der Annen-Medaille ehrte – eine Anerkennung für Menschen, die sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl einsetzen. Auch in diesem Jahr sucht das Staatsministerium nach solchen Vorbildern. Vorschläge für die Medaille können noch bis zum 31. Mai eingereicht werden.

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Erste Hilfe auf Augenhöhe

Teil dieses umfassenden Ehrenamtes ist auch das neue Ganztagsangebot am Maria-Montessori-Schulzentrum in Leipzig, das heute auf der Tagesordnung steht. Wer hier in den Raum kommt, sieht keine dozierende Lehrerin, sondern ein eingespieltes Team. Das Verhältnis zwischen Magda und den Kindern ist auf Augenhöhe, ohne dass jemand den Respekt vor der Aufgabe verliert. In diesem Zimmer herrscht eine Atmosphäre, in der sich wirklich alle wohlfühlen. Die Erklärung, warum heute Besuch in der Stunde ist, wird abrupt durch Beifall unterbrochen. Kaum fällt das Stichwort der Auszeichnung, die Magda im letzten Jahr erhielt, wird der Gast im Raum zur Nebensache. Alle Augen richten sich nach vorn und ein spontaner Applaus für die Johanniterin bricht aus. Eine ehrlichere Gratulation zur Annen-Medaille hätte es im letzten Jahr wohl kaum geben können.
Der Schulsanitätsdienst kann jetzt beginnen und Magdalena ist sofort in ihrem Element. Sie scheint alle kleinen Sanitäter gut zu kennen, kommuniziert mit jedem Kind individuell und weiß, wie man am besten persönlich auf sie eingeht. Das spiegelt sich auch in den Gesichtern der Kinder wider, welche sichtlich Spaß an der Stunde haben. Heute geht es um die Unfalldiagnose als Ersthelfende. Die Jugendleiterin hat hierfür Zettel mit verschiedenen Notfallszenarien vorbereitet, welche die Schülerinnen und Schüler nun erkennen sollen. Nach der Stunde verabschieden sich alle. Eine Schülerin möchte aber sichergehen, dass die Botschaft des Nachmittags auch wirklich ankommt: „Schreiben Sie gut. Magda ist toll!“ gibt sie mir als Auftrag mit auf den Weg. Solche Momente machen für Magda den Kern ihrer Arbeit aus. Ihr persönliches Highlight ist das jährliche Sommerlager der Johanniterjugend. Dort findet sie die Zeit, jedes Kind kennenzulernen, ihnen bei privaten Anliegen zuzuhören und ihre Fortschritte zu sehen.

Kinder rennen
Sommerlager der Johanniter-Jugend 2025, Bild: Johanniter/ T. Naumann

Voller Einsatz, rund um die Uhr

Der Schulsanitätsdienst ist jetzt vorbei und alle Nachwuchs-Johanniter auf dem Weg nachhause – Zeit, um Magda persönlich kennenzulernen. Es wäre eine Vorzeigestunde gewesen, erzählt sie. An anderen Tagen geht es hier auch mal drunter und drüber, denn sie als Sanitäterin, genau wie die Kinder, macht das hier zum ersten Mal. Ziel ist es, dass alle eine gute Zeit haben und es niemandem neuen Stress aufbürdet. Deswegen, erklärt Magda, räumt sie den Schülerinnen und Schülern möglichst viel Freiraum ein. 
Die Johanniterin ist das perfekte Beispiel dafür, wie der Schulsanitätsdienst nachhaltig Begeisterung für dieses Thema wecken kann. Schon während ihrer Schulzeit begann sie die Ausbildung zur Jugendgruppenleiterin, später studierte sie dann Gesundheitsmanagement über das Deutsche Rote Kreuz – Thema ihrer Bachelorarbeit: Burnout im Ehrenamt. Während ihres Studiums nahm sie das Amt als Landesjugendleitung an und plant seit mittlerweile fünf Jahren sachsenweit Veranstaltungen. Hauptamtlich arbeitet sie für die Johanniter-Unfall-Hilfe in einer Wohngruppe mit Kindern und Jugendlichen, die aus familiären oder sozialen Gegebenheiten nicht in ihrem elterlichen Zuhause bleiben können. Dazu kommen noch der Katastrophenschutz und ihre Rolle als Erste Hilfe-Trainerin. Sie ist ständig im Einsatz, neben ihrem Vollzeitjob, selbst an Urlaubstagen. Doch der Drang zu helfen liegt ihr im Blut: Schon ihr Vater und ihre Großmutter waren im Katastrophenschutz aktiv. 

Eine Frage der Wertschätzung

Dass dieser unermüdliche Einsatz nicht unbemerkt blieb, erfuhr Magdalena Hoffmann im letzten Sommer. Sie selbst hätte sich nie für die Auszeichnung der Annen-Medaille vorgeschlagen, das erledigten Freunde heimlich für sie. „Ich bin eines Tages an den Briefkasten gegangen und dort lag ein schön glänzender Briefumschlag. Der war ganz hochwertig.“, erzählt die Johanniterin. Absender war das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie selbst hat auch schon Kolleginnen und Kollegen für bestimmte Ehrungen vorgeschlagen, um ihnen Wertschätzung zu schenken. Es ist eine Geste die viel Bedeutung trägt: Noch bis zum 31. Mai läuft die Frist, um Menschen für die diesjährige Annen-Medaille zu nominieren – eine Ehrung für jene, die sich seit Jahren außergewöhnlich stark für andere Menschen engagieren. „Es geht keinem von uns um Anerkennung und Preise“, erklärt Magda als wir über das Thema Wertschätzung reden, „Es muss einfach aufrichtig sein. Kein Geld oder so, sondern ein ehrliches „Schön, dass du da bist.“ reicht schon“. Am Ende geht es um aufrichtige Wertschätzung – etwas, das sie besonders intensiv in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erfährt. 
Die Annen-Medaille war die erste Auszeichnung für die Johanniterin, das erste Mal, dass Magda im Rampenlicht stand. Auf der Porzellan-Scheibe ist die Kurfürstin Anna von Sachsen abgebildet. Die Landesmutter widmete ihr Leben in besonderer Weise dem Gemeinwohl und wirkt bis heute als Symbol für soziales Engagement. Doch so viel Gewicht die offizielle Ehrung durch den Freistaat Sachsen auch hat, für Magdalena Hoffmann ist der wahre Wert viel mehr als die Medaille: Es ist die Resonanz, welche die Auszeichnung in ihrem Umfeld ausgelöst hat. Von Eltern die froh über die Betreuung ihrer Kinder waren, bis hin zu hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen, die ihre Arbeit im Rahmen der Medaille würdigten. 

Dass Magda überhaupt mal stillsitzt oder eine Aufgabe abgibt, gehört eher zu den Ausnahmen. Oft ist ihr eigener Antrieb schneller als der Terminkalender und Absagen eine der härtesten Aufgaben. Wie schwer es sein kann Prioritäten zu setzen, lernte die Johanniterin erst Anfang dieses Jahres: Als ein wichtiges Jugendlager anstand, ihre Großmutter aber gesundheitliche Probleme hatte, haderte sie tagelang mit der Absage. Letztendlich entschied sie sich für die Familie. Dies entpuppte sich als Glücksfall, denn sie war selbst zur Stelle, um bei einem Schlaganfall ihrer Oma sofort Erste Hilfe zu leisten. Rückblickend ein absurder Moment des Zweifels, durch den sie lernte, wie wichtig es sein kann, auf sich zu achten. Umso dankbarer ist Magda für ihr Umfeld bei den Johannitern, welches mehr als verständnisvoll in diesen Situationen reagiert.
Wenn Magdalena von ihrem Ehrenamt spricht, meint sie vor allem die Gemeinschaft dahinter. Denn am Ende geht es ihr nicht um Titel oder Medaillen, sondern um das Gefühl, dass man gemeinsam für jede Katastrophe gewappnet ist. Ihr Antrieb bleibt dabei so klar wie simpel: Es sind die Menschen, mit denen man gemeinsam an einem Strang zieht.

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