Was ab Montag in Dresden auf der Güntzstraße passiert
Dresden. Auf einem fast 300 Meter langen Stück der Güntzstraße kriechen die Straßenbahnen derzeit im Schritttempo: Nur noch 10 Kilometer pro Stunde erlauben die Sicherheitsvorgaben, und was die Bahn ausbremst, staut auch den Verkehr dahinter. Damit ist ab Montag Schluss - allerdings für den Preis einer sechswöchigen Umleitung.
Von Montag (6. Juli), 4 Uhr, bis Dienstag (11. August), 3 Uhr, rollen die Linien 8 und 13 zwischen Sachsenallee und Straßburger Platz nicht mehr über die Güntzstraße, sondern in beiden Richtungen über einen Bogen: via Blasewitzer Straße, Fetscherstraße und Fetscherplatz. Die Haltestelle „Dürerstraße" fällt in dieser Zeit weg; zur Station „St. Benno-Gymnasium" kommt man mit der Buslinie 62.

Wie der Carolabrücken-Einsturz die Güntzstraße ruinierte
Der eigentliche Grund für die Eile reicht Monate zurück. Ursprünglich sollten Gleise und Leitungen erst beim geplanten grundhaften Ausbau der Strecke erneuert werden - irgendwann. Dann stürzte die Carolabrücke ein, und die Güntzstraße musste plötzlich den umgeleiteten Auto-, Lkw- und Straßenbahnverkehr mitschultern. Unter dieser Last verschlechterte sich der Zustand von Gleis und Fahrbahn rasant, auch die unterirdische Entwässerung ist vielerorts reparaturbedürftig.
Die Folgen spürt der Betrieb täglich: Jede Bahn braucht pro Richtung zwei Minuten länger, was ungeplante Kosten verursacht. Verschlechtert sich der Gleiszustand weiter, droht sogar die vorübergehende Einstellung des Straßenbahnverkehrs. Deshalb greifen DVB und Stadtentwässerung Dresden mit Zustimmung der Stadt jetzt zu und beheben die schlimmsten Schäden - bewusst in der verkehrsärmeren Ferienzeit.
1.489 Meter neues Gleis für 3,3 Millionen Euro
Der Umfang der Arbeiten ist beträchtlich: Rund 1.489 Meter Einfachgleis tauschen die DVB aus und asphaltieren anschließend etwa 4.300 Quadratmeter Fahrbahndecke neu. Die meisten Schwellen bleiben erhalten, nur 181 müssen im Bereich alter Schächte ausgebaut oder gekürzt werden. Dazu kommen eine instandgesetzte Weiche am Güntzplatz, drei neue Fahrleitungsmasten und Reparaturen an den Abwasserleitungen unter der Straße. Unterm Strich summiert sich das auf rund 3,3 Millionen Euro, die sich DVB und Stadtentwässerung teilen.
Autofahrer kommen durch - aber nur in eine Richtung
Für den Autoverkehr bleibt die Güntzstraße trotz allem befahrbar: Voll gesperrt wird sie nie, wechselnde Baufelder halten stets eine Richtung offen. Vom Straßburger Platz geht es immer bis zur Kreuzung Striesener Straße; wer weiter zur Sachsenallee will, folgt der Umleitung über Striesener Straße, Hans-Grundig-Straße und Gerokstraße. In der Gegenrichtung ist die Strecke von der Sachsenallee bis zur Pillnitzer Straße frei, danach leitet die Beschilderung über Pillnitzer Straße, Rathenauplatz, St. Petersburger Straße und Grunaer Straße. Wer die Ecke kennt, plant für die nächsten sechs Wochen also besser ein paar Minuten mehr ein.