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Vor Carolabrücken-Entscheidung: VCD Dresden warnt vor „unnützen" Spuren

Weiter Blick über die Dresdner Elbwiesen auf die ruhige Elbe. Im Hintergrund ist bei klarem blauen Himmel die historische Altstadt mit Frauenkirche und Hofkirche zu sehen. Links im Vordergrund verläuft ein asphaltierter Fuß- und Radweg.
Debatte um die Carolabrücke: Vor der Empfehlung des Begleitgremiums zum Siegerentwurf macht der VCD Druck: Der Verband fordert weniger Autospuren für den Neubau, um Millionen zu sparen. Die Mehrheit im Stadtrat will vier Spuren. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Während die Stadt beim Nahverkehr und im Sozialbereich spart, droht die neue Carolabrücke Millionen teurer zu werden als nötig. Der VCD fordert kurz vor der Entscheidung zum Siegerentwurf einen radikalen Kurswechsel.

Dresden. Kurz bevor das Begleitgremium zum Wiederaufbau der Carolabrücke seine Empfehlung für den Siegerentwurf formuliert, macht der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Druck: Die Ortsgruppe Dresden fordert, die Verkehrsanlagen der neuen Brücke „nach allgemein anerkannten Regeln der Technik" zu dimensionieren - und hält vier Kraftfahrstreifen für überflüssig und teuer.

Der Vorwurf: teuer und ohne Mehrwert

Aus Sicht des Verbands bringt eine vierstreifige Brücke „keinerlei Mehrnutzen", weil die Leistungsfähigkeit ohnehin von den benachbarten Knotenpunkten bestimmt werde. Der VCD verweist auf Zähldaten und Prognosen: Die Kfz-Werte auf den Dresdner Brücken sänken im langjährigen Trend, die Bedeutung der Carolabrücke für den Autoverkehr habe in zehn Jahren um rund 30 Prozent abgenommen, während Fahrgast- und Radverkehrszahlen deutlich stiegen. Auch Führerscheinbesitz und Auto-Anteil auf Arbeitswegen gingen zurück. Als Quellen nennt der Verband die Verkehrserhebung SrV 2023 der TU Dresden und die städtische Verkehrsprognose zur neuen Carolabrücke.

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Verweis auf die Finanzlage

Besonders scharf argumentiert der VCD mit dem Geld. Eine schlankere Brücke ermögliche Einsparungen „im achtstelligen Bereich"; die Kreditkosten der Mehrausgabe beziffert der Verband auf über eine Million Euro pro Jahr. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage sei das nicht zu rechtfertigen. „Bei der DVB und sozialen Einrichtungen wird gekürzt, während der Stadtrat Geld für unnütze Fahrstreifen aus dem Fenster wirft", wird VCD-Mitglied Tobias Nicke zitiert. Ortsgruppensprecher Karsten Imbrock verweist auf Oberbürgermeister Dirk Hilbert: Beim Bürgerbegehren zur DVB sei es ihm auf „jede zusätzliche Million" angekommen, bei einer überdimensionierten Carolabrücke aber „schweigt der Oberbürgermeister sehr laut".

Kein neues Planverfahren nötig

Einem möglichen Einwand tritt der Verband vorab entgegen: Eine Reduzierung der Spuren erfordere kein langwieriges Planfeststellungsverfahren. Der VCD beruft sich dabei auf das dem Stadtratsbeschluss zugrunde liegende Rechtsgutachten, wonach eine Verringerung der Fahrstreifen - bei nachgewiesener Verkehrsqualität an den Knoten - ohne solches Verfahren möglich sei. Die planenden Büros hätten bereits Varianten mit weniger Spuren entwickelt.

Die Gegenposition

Der VCD steht mit seiner Forderung nicht allein - auch das Expertengremium um den Dresdner Brückenforscher Steffen Marx hatte eine Spur-Reduzierung empfohlen. Die gestaltende Stadtratsmehrheit hält dagegen bislang an der vierstreifigen Variante fest. Die Stadt selbst verweist auf ihre Leitziele: Der Erhalt der Leistungsfähigkeit von Hauptachsen bleibe Planungsgrundlage, eine stadtweite Tempo-30-Begrenzung sei ausgeschlossen.
Wie groß der Spielraum tatsächlich ist, zeigt die aktuelle städtische Verkehrsprognose für 2040: Der Anteil des Autoverkehrs sinkt demnach nur leicht von 31 auf 29 Prozent der Wege - und liegt damit noch über dem selbst gesteckten Ziel von 25 Prozent, das die Stadt auf Anfrage als „nicht erreicht" einräumt. Der Radverkehr wächst der Prognose zufolge von 16 auf 18 Prozent, Bus und Bahn von 20 auf 21 Prozent. Der VCD liest daraus ein sinkendes Kfz-Aufkommen und damit ein Argument gegen breite Fahrbahnen; Kritiker wie Holger Zastrow ziehen den gegenteiligen Schluss: Das Auto bleibe „auch 2040 das wichtigste Verkehrsmittel in Dresden". Die Empfehlung des Begleitgremiums zum Siegerentwurf wird in der kommenden Woche erwartet.
Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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