Von 15 Unfällen auf null: Umstrittener Brücken-Umbau in Dresden zeigt Wirkung
Dresden. Eine veränderte Ampelschaltung hier, ein verlegter Radfahrstreifen dort: Dresdens Kampf gegen schwere Verkehrsunfälle wird an vielen Kreuzungen zugleich geführt, oft unscheinbar, und er zeigt Wirkung. Die Zahl der Schwerverletzten im Straßenverkehr ist seit 2017 um rund 20 Prozent zurückgegangen, von 442 auf 356 Personen im Jahr 2025, wie die Stadt Dresden am Donnerstag auf einer Pressekonferenz zur Verkehrssicherheit mitteilte. Möglich gemacht hätten das die systematische Auswertung des Unfallgeschehens und die gezielte Entschärfung von Unfallschwerpunkten.
Weniger Schwerverletzte auf Dresdens Straßen seit 2017
Grundlage der Entwicklung seien die Arbeit der Unfallkommission, der städtische Verkehrssicherheitsbericht und die Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei sowie die Umsetzung von Radverkehrskonzept und Fußverkehrsstrategie. Ziel bleibe die sogenannte Vision Zero, bei der es im Straßenverkehr keine Getöteten und Schwerverletzten mehr geben solle. Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn betonte, die Stadt sei von diesem Ziel noch entfernt, jeder verhinderte schwere Unfall sei aber ein Schritt dorthin.
Entschärfte Unfallschwerpunkte: Albertbrücke als Beispiel
Zu den bereits umgebauten Stellen zählen die Kreuzungen Fritz-Löffler-Straße/Reichenbachstraße in der Südvorstadt, Lohrmannstraße/Enno-Heidebroek-Straße in Reick und Schandauer Straße/Bergmannstraße in Striesen sowie die Brückenköpfe der Waldschlößchenbrücke an der Fetscherstraße und der Albertbrücke am Sachsenplatz, beide in der Johannstadt. Durch veränderte Radverkehrsführungen, neue Ampelschaltungen und bauliche Anpassungen seien dort Konflikte entschärft worden.
Als deutlichstes Beispiel nannte die Stadt den Altstädter Brückenkopf der Albertbrücke. Seit dort getrennte Ampelphasen für Auto- und Radverkehr gelten, sei die Zahl der Unfälle mit Verletzten binnen eines Jahres von 15 auf null gesunken. Die neue Ampelschaltung hatte zum Teil scharfe Kritik ausgelöst. Kühn wies sie zurück: „Es wäre schön, wenn man die Fachleute erst einmal machen lassen würde.“
284 Unfallschwerpunkte in Dresden noch offen
Wie viel Arbeit bleibt, machte Paula Scharfe, Fachreferentin für Nahmobilität und Verkehrssicherheit, deutlich. In Dresden gebe es derzeit 284 Unfallschwerpunkte. Die Zahl sei zwar gesunken, aber „immer noch viel zu hoch“. Als Unfallschwerpunkt gilt fachlich ein Knotenpunkt oder kurzer Streckenabschnitt, an dem sich innerhalb von ein bis drei Jahren auffällig viele gleichartige Unfälle ereignen.
Konkret solle auf der Stübelallee stadteinwärts demnächst Tempo 30 gelten, weil an zwei Kreuzungen wiederholt Einbiege- und Kreuzungsunfälle aufgetreten seien. Weitere Maßnahmen seien an der Franz-Liszt-Straße und an der Grunaer Straße/Mathildenstraße geplant, zusätzlich würden Konfliktstellen zwischen Radverkehr und Straßenbahngleisen untersucht. Zum Zusammenspiel mit der Unfallkommission sagte Kühn, man wolle früh ansetzen: „Es geht darum, präventiv zu wirken. Es muss nicht erst ein Unfall passieren, um das Problem anzugehen.“
Tempo 30 und neue Zebrastreifen für sichere Schulwege
Einen Schwerpunkt legt die Stadt auf den Schulweg. Für das kommende Jahr kündigte Kühn zehn neue Zebrastreifen an, viele davon an Grundschulen. Möglich wird das auch durch die Novelle der Straßenverkehrsordnung, die seit Oktober 2024 gilt: An Fußgängerüberwegen, Spielplätzen und auf hochfrequentierten Schulwegen kann Tempo 30 seither leichter angeordnet werden, ohne dass eine besondere Gefahrenlage nachgewiesen werden muss. Auf Hauptstraßen bleibt die Anordnung allerdings an besondere Gefahrenstellen gebunden, ein allgemeines Tempo 30 innerorts sieht die Reform nicht vor.
Geplant seien 2026 zudem Gehwegvorstreckungen an der Münchner Straße in der Südvorstadt und der Hepkestraße in Gruna sowie eine Mittelinsel an der Pappritzer Straße in Gönnsdorf. Nach den Erfahrungen an der 63. Grundschule in Blasewitz sollen an fünf weiteren Grundschulen Elternhaltestellen entstehen, an denen Kinder die letzten Meter zu Fuß zurücklegen. Ergänzend prüfe die Stadt Tempo 30 auf stark genutzten Schulwegen, zunächst an den Grundschulen.
Diese Schritte sind als Nächstes geplant
Die Verwaltung will ihre Arbeit fortsetzen. Vorgesehen seien weitere Umbauten an Unfallschwerpunkten, zusätzliche Querungsstellen für Fußgänger und neue Projekte zur Schulwegsicherheit. Scharfe fasste das Vorgehen so zusammen: Man analysiere das Unfallgeschehen, setze Maßnahmen um und überprüfe deren Wirkung, Schritt für Schritt und auf Grundlage belastbarer Daten.