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Verkehrsplaner Knoflacher nennt für Dresdner Parkplatz Kosten von 600 Euro im Monat

Hermann Knoflacher über Parkplätze Dresden
Hermann Knoflacher (Bild: Screenshot Youtube)
Der Wiener Verkehrsplaner Hermann Knoflacher hält Parkraum in Städten für deutlich zu billig. Bei einer Diskussion im Verkehrsmuseum Dresden nannte er für einen Stellplatz in Dresden eine Größenordnung von rund 600 Euro im Monat. Tatsächlich zahlen Bewohner mit Parkausweis derzeit 75 Euro im Jahr. Ein direkter Vergleich der Beträge greift allerdings zu kurz.

Dresden. Rund 600 Euro im Monat müsste ein Parkplatz in Dresden nach Auffassung des Wiener Verkehrsplaners Hermann Knoflacher kosten, wenn neben der Fläche auch die damit verbundenen Folgen berücksichtigt würden. Diese Größenordnung nannte der emeritierte Professor der TU Wien am Dienstagabend bei einer Diskussion im Verkehrsmuseum Dresden. Wie sich die 600 Euro konkret zusammensetzen, erläuterte Knoflacher in dem Gespräch nicht.

Knoflacher diskutierte beim Forum Mobilität unter dem Titel „Fortfahren statt Fortschritt?“ mit Martin Tajmar, Professor für Raumfahrtsysteme an der TU Dresden. Im Mittelpunkt standen unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sich Menschen künftig bewegen sollen. Das Verkehrsmuseum hatte Knoflacher als Kritiker der automobil geprägten Stadt eingeladen, Tajmar vertrat stärker technisch geprägte Zukunftsszenarien. Die Veranstaltung fand am 29. September 2026 ab 19 Uhr statt.

Knoflacher sieht den Parkplatz als entscheidenden Hebel

Knoflachers Argument beginnt nicht beim Auto selbst, sondern beim Platz, der für Autos bereitgestellt wird. Werden Stellplätze unmittelbar an Wohnungen, Geschäften oder Arbeitsplätzen angeboten, erleichtere dies die Nutzung des Autos und beeinflusse damit die Wahl des Verkehrsmittels. Der Verkehrsplaner beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dieser Verbindung zwischen Stadtplanung und Mobilitätsverhalten. Bekannt wurde er unter anderem mit seinem „Gehzeug“, einem Holzrahmen, der sichtbar macht, wie viel Straßenfläche ein einzelner Autofahrer beansprucht.

Im Verkehrsmuseum stellte Knoflacher die Frage nach dem tatsächlichen wirtschaftlichen Wert des dafür genutzten öffentlichen Raums. Seine grundsätzliche Position fasste er später in einem kurzen Satz zusammen: „Kostenwahrheit im Verkehr ist immer gut.“

Die genannten 600 Euro sind allerdings keine bestehende Dresdner Gebühr. Aus dem Gespräch geht auch nicht hervor, mit welchem Grundstückswert, welcher Stellplatzgröße oder welchen Folgekosten Knoflacher gerechnet hat. Die Zahl lässt sich anhand seiner Aussagen auf dem Podium deshalb nicht als konkrete Vollkostenberechnung überprüfen.

Das kostet Parken in Dresden tatsächlich

Für Autofahrer gelten in Dresden je nach Lage unterschiedliche Gebühren. Nach der von der Stadt veröffentlichten Parkgebührenverordnung werden in der Tarifzone 1, zu der unter anderem Bereiche der Altstadt und der Äußeren Neustadt gehören, montags bis samstags 2,40 Euro pro Stunde verlangt. Der Tagestarif beträgt zwölf Euro. An Sonn- und Feiertagen sind es 1,50 Euro pro Stunde beziehungsweise sechs Euro pro Tag.

In Zone 2 nennt die Verordnung 1,50 Euro pro Stunde und sechs Euro am Tag, in Zone 3 1,20 Euro pro Stunde und fünf Euro am Tag. Außerhalb bewirtschafteter Bereiche kann das Abstellen eines Autos im öffentlichen Straßenraum weiterhin kostenlos sein.

Eine weitere Größe ist das Bewohnerparken. Seit dem 1. Juli 2025 kostet ein Bewohnerparkausweis für ein Jahr 75 Euro. Für sechs Monate verlangt Dresden 49,50 Euro, für zwei Jahre 135 Euro.

Die 75 Euro dürfen allerdings nicht mit einer Jahresmiete für einen Parkplatz verwechselt werden. Der Bewohnerparkausweis berechtigt lediglich dazu, in einem festgelegten Gebiet unter den dort geltenden Bedingungen zu parken. Einen konkreten Stellplatz garantiert die Stadt ausdrücklich nicht.

Warum 75 Euro und 7.200 Euro im Jahr nicht direkt vergleichbar sind

Rechnerisch liegen zwischen Knoflachers Größenordnung von 600 Euro im Monat und einem Dresdner Bewohnerparkausweis erhebliche Unterschiede: 600 Euro im Monat entsprechen 7.200 Euro im Jahr. Ein Jahresausweis für Bewohner kostet 75 Euro.

Die beiden Zahlen beschreiben jedoch verschiedene Dinge. Die 75 Euro sind eine Verwaltungs- und Berechtigungsgebühr. Knoflacher will nach seinen Aussagen dagegen den wirtschaftlichen Wert der genutzten Fläche sowie weitere Folgen des Parkens berücksichtigen. Wie hoch dieser Wert in Dresden tatsächlich wäre, müsste für einen belastbaren Vergleich gesondert berechnet werden.

Genau darüber wird in der Verkehrsplanung seit Jahren gestritten. Bereits 2022 argumentierte die Dresdner Stadtverwaltung, Gebühren könnten neben dem Verwaltungsaufwand auch den wirtschaftlichen Wert einer Parkmöglichkeit berücksichtigen. Damals wurde für Bewohnerparkausweise eine Staffelung nach Fahrzeuggröße mit 120 bis 240 Euro pro Jahr vorgeschlagen. Durchgesetzt wurde dieses Modell so nicht. Seit Juli 2025 gelten stattdessen die heutigen 75 Euro für ein Jahr.

Parkgebühren stehen in Dresden erneut auf der Tagesordnung

Das Thema ist in Dresden aktuell. Seit September 2026 gibt es mit der Vorlage V0991/26 erneut ein Verfahren zur Änderung der städtischen Parkgebührenverordnung. Eine Entscheidung über diese Vorlage steht noch aus.

Auf DIE SACHSEN NEWS wird bereits über die möglichen Folgen höherer Parkgebühren und die Regeln beim Bewohnerparken diskutiert. Ein aktueller Beitrag beschäftigt sich unter anderem mit Bewohnern von Neubauten, die trotz ihrer Lage in Bewohnerparkgebieten keinen Bewohnerparkausweis erhalten können. 

Knoflachers Forderung geht allerdings erheblich weiter als die bisherige Dresdner Debatte. Der österreichische Verkehrsplaner betrachtet Parkplätze als Instrument, mit dem Städte das Verkehrsverhalten beeinflussen können. Er war Professor für Verkehrsplanung an der TU Wien und beschäftigt sich seit den 1970er Jahren mit dem Verhältnis zwischen Auto, öffentlichem Raum und Stadtentwicklung. 

Historisch hat Dresden seine Parkgebühren mehrfach als Instrument der Verkehrssteuerung verstanden. Bei der großen Gebührenreform ab 2021 begründete die Stadt höhere Preise unter anderem damit, das Verhältnis zu den Kosten des öffentlichen Nahverkehrs zu verändern und die Nutzung von Bus, Bahn und Fahrrad attraktiver zu machen.