OpenAI-Managerin redet Klartext in Dresden: Wo deutsche Firmen bei KI patzen
Dresden. Künstliche Intelligenz solle im Betrieb nicht länger nur Fragen beantworten, sondern ganze Aufgaben übernehmen. Das forderte Sarah Kemether, bei OpenAI zuständig für das Geschäft mit Unternehmen, am Dienstag bei der Konferenz "Brains on Silicon" in Dresden. Deutschland nutze KI so intensiv wie kaum ein anderes Land in Europa, hole den Nutzen in den Firmen aber noch nicht ab.
Der Sprung liege im Delegieren. Früher habe man eine KI etwa um eine SWOT-Analyse gebeten, sagte Kemether. Inzwischen könne ein Agent aus vorhandenen E-Mails, Kundendokumenten und Besprechungsnotizen ein fertiges Angebot ausarbeiten. Der Mensch bleibe im Prozess, prüfe das Ergebnis und stelle es am Ende vor.
Deutschland bei KI-Nutzung vorn, mit Lücke im Betrieb
Bei den wöchentlich aktiven ChatGPT-Nutzern sei Deutschland die Nummer eins in Europa, sagte Kemether. Bei den zahlenden Abonnenten und bei den Entwicklern, die OpenAIs Schnittstellen nutzten, gehöre das Land weltweit zu den drei aktivsten Märkten, bei der Nutzung des Software-Agenten Codex zu den fünf aktivsten.
Zugleich verwies Kemether auf eine Lücke. Nach einer von ihr zitierten ifo-Studie habe nur einer von fünf Beschäftigten im Job Zugang zu einem bezahlten KI-Werkzeug. Von diesen bekomme rund ein Drittel das Werkzeug vom Arbeitgeber, zwei Drittel organisierten es selbst. Vieles davon bleibe ungenutzt, zugleich entstehe ein Kontrollproblem, weil viele KI privat und ungesteuert einsetzten.
Zwei deutsche Beispiele: Kanzleiverbund und Anlagenbauer
Als erstes Beispiel nannte Kemether die HSP Gruppe, einen bundesweiten Verbund selbstständiger Steuerberatungs-, Wirtschaftsprüfungs- und Rechtsanwaltskanzleien. Rund 900 Beschäftigte arbeiteten dort mit ChatGPT Enterprise. Das Unternehmen berichte von 98,6 Prozent höherer Produktivität und 84,6 Prozent besserer Arbeitsqualität; eine bewusst vorsichtige interne Rechnung komme auf etwa 40.000 Stunden zusätzliche Arbeitskapazität im Jahr. Die Qualitätsprüfung durch Menschen bleibe Teil des Ablaufs.
Das zweite Beispiel war STADLER Anlagenbau, ein familiengeführter Hersteller automatisierter Sortier- und Recyclinganlagen mit über 230 Jahren Geschichte und rund 650 Beschäftigten. Seit 2023 nutze dort jeder Bildschirmarbeitsplatz KI, sagte Kemether. Nach Angaben von OpenAI setze das Unternehmen mehr als 125 zugeschnittene Assistenten ein, spare 30 bis 40 Prozent Zeit bei typischen Wissensaufgaben und komme rund 2,5-mal schneller zu einem ersten brauchbaren Entwurf. Ein Motiv sei auch der Wissenstransfer in einer alternden Belegschaft.
Drei Bedingungen: Leistung, Kosten, Sicherheit
Damit Unternehmen mehr Arbeit an KI abgäben, müssten nach Kemethers Darstellung drei Dinge zusammenkommen. Es brauche eine Plattform, um lohnende Abläufe zu finden und der KI Kontext, Zugang und Werkzeuge zu geben, wobei ein Mensch die Ergebnisse prüfe. Die Kosten fielen stärker ins Gewicht; die Gespräche mit Kunden drehten sich zunehmend um Effizienz, die Preise gingen tendenziell nach unten. Und die Sicherheit gehöre in jedes Vorstandsgespräch: OpenAI biete Modelle mit Fokus auf Cybersicherheit an, die Sicherheitsteams beim Aufspüren von Schwachstellen helfen sollten. Für Agenten müsse klar geregelt sein, auf welche Systeme und Daten sie zugreifen dürften.
Kemether warb dafür, verstärkt per Sprache mit den Agenten zu arbeiten, weil sich so mehr Kontext übergeben lasse. OpenAI betreibt seit Mai 2025 ein Büro in München und hat ein zweites in Berlin angekündigt.