Dresden. Das Timing ist bemerkenswert. Während die Dresdner Musikfestspiele seit Jahren mit einem sinkenden Stadtzuschuss jonglieren – von einst 1,325 Millionen Euro flossen 2024 noch 615.000 Euro aus der Stadtkasse, 2025 knapp 700.000 Euro – landet nun eine Spende auf dem Tisch, die in ihrer Größenordnung schlicht außergewöhnlich ist: Fast 1,7 Millionen Euro vom Packard Humanities Institute aus Los Altos, Kalifornien, bestimmt für das Projekt „The Wagner Cycles – Götterdämmerung 2026“. Der Finanzausschuss der Landeshauptstadt Dresden muss die Annahme am 24. April noch formell beschließen – aber die Botschaft ist schon jetzt angekommen.
So entsteht die Neuinterpretation des Rings
Denn „The Wagner Cycles" ist kein gewöhnliches Konzertformat. Unter der Leitung von Kent Nagano und Intendant Jan Vogler entsteht eine auf aktueller Quellenforschung basierende Neuinterpretation von Wagners Ring-Tetralogie, die seit 2023 konzertant erarbeitet wird. Das Projekt bezieht sich dabei auf Wagners eigene Aufführungshinweise sowie auf Erkenntnisse der neueren Wagner-Philologie – ein Ansatz, der sich von der Praxis der historisch informierten Aufführung Alter Musik unterscheidet, ihr aber in der quellenorientierten Arbeitsweise verwandt ist. 2026 soll die „Götterdämmerung" das Projekt beschließen – im 150. Jubiläumsjahr der Uraufführung des vollständigen Rings in Bayreuth von 1876.
Jan Vogler hat das Fundraising von Anfang an international gedacht. Für die Wagner Cycles erhielten die Festspiele 2023 und 2024 Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie 2025 Unterstützung durch die Würth-Stiftung. Nun kommt mit dem Packard Institute ein Partner hinzu, dessen Interesse an philologisch fundierter Musikforschung direkt zu Voglers Konzept passt: Die Stiftung hat bereits Gesamtausgaben der Werke Mozarts und Carl Philipp Emanuel Bachs finanziert und verfügt damit über langjährige Erfahrung in editorisch anspruchsvollen Musikprojekten – auch wenn Wagner einer ganz anderen Epoche und Überlieferungstradition angehört.