Baustart am Bahnhof Neustadt: Dresden baut sein erstes Fahrradparkhaus
Dresden. Wer sein E-Bike oder Gravelbike am Neustädter Bahnhof abstellt, sorgt sich oft um Diebstahl oder Vandalismus. Damit soll ab Ende 2027 Schluss sein. Am Dienstag gaben Vertreter von Stadt und Politik auf dem Schlesischen Platz mit dem Spatenstich den offiziellen Startschuss für den Bau von Dresdens erstem Fahrradparkhaus.
Die vier Millionen Euro teure Anlage entsteht in Holzbauweise direkt auf der Nordostseite des Bahnhofsvorplatzes. Sie bietet künftig 800 überdachte, abgesperrte Stellplätze sowie Plätze für Lastenräder. Ein speziell abgestimmtes Beleuchtungskonzept sorgt dafür, dass das Gebäude auch im Dunkeln gut sichtbar ist und sich in das Ensemble des denkmalgeschützten Bahnhofs einfügt.
Hohe Diebstahlzahlen machen sicheres Parken notwendig
Der Bedarf am Bahnhof Neustadt ist seit Jahren hoch. Im Jahr 2025 habe es in Dresden rund 3.600 gestohlene Fahrräder bei einer Aufklärungsquote von zehn Prozent gegeben, sagte die Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta, die das Festhalten an der Bundesförderung für das Projekt auch mit diesen Zahlen begründete: „Wir haben in allen großen deutschen Städten Fahrradparkplätze vor den Bahnhöfen, die komplett überquellen. Und dabei lassen viele Leute ihr Rad aus Angst vor Diebstahl gleich zu Hause.“
Das städtische Baudezernat reichte den Antrag für die Bundesmittel frühzeitig ein. Der Bund übernimmt 2,4 Millionen Euro der Gesamtkosten. Den städtischen Eigenanteil bezahlt die Stadtverwaltung komplett aus Stellplatzablösemitteln, sodass der normale Haushalt unberührt bleibt. Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn betonte beim Baustart den Nutzen für Radfahrer: „Wer ein hochwertiges Fahrrad hat, ob das jetzt ein E-Bike oder Gravelbike ist, überlegt sich das bislang zweimal. Wenn er auf Dienstreise ist oder eine Wanderung macht, und sein Fahrrad hier stehen lässt, fragt er sich, ob er es vollständig zurückbekommt oder wichtige Teile fehlen.“
Ein Buchungssystem für alle Dresdner Fahrradparkhäuser
Derzeit sucht die Stadt per Ausschreibung nach einem Betreiber. Das Haus soll sich ohne städtische Zuschüsse wirtschaftlich tragen, weshalb die Nutzung für Radfahrer kostenpflichtig wird. Die exakten Tarife stehen noch nicht fest. Sie orientieren sich voraussichtlich an Städten wie Leipzig, wo Tageskarten laut Piechotta einen Euro und Monatskarten zehn Euro kosten.
Bei der Betreibersuche achtet die Stadtverwaltung auf eine einheitliche digitale Lösung. Ziel ist es zu verhindern, dass Radfahrer an verschiedenen Standorten in der Stadt unterschiedliche Systeme oder Apps nutzen müssen. „Wichtig ist, dass für den Kunden am Ende nicht fünf Apps nötig sind, wenn man am Bahnhof Neustadt oder am Hauptbahnhof ausleiht oder abstellt, sondern dass man da kompatibel ist mit den Buchungssystemen“, erklärte Kühn.
Komplexer Baugrund und Ausweichflächen während der Bauzeit
Die Bauarbeiten auf dem Schlesischen Platz gelten als anspruchsvoll. Unter der Erde verlaufen zahlreiche Versorgungsleitungen der Stadt. Zudem erfordert die unmittelbare Nähe zum historischen Bahnhofsgebäude eine enge Abstimmung mit der Deutschen Bahn. Anja Lange vom städtischen Amt für Hochbau und Immobilienverwaltung verwies auf die nötige Geduld bei der Vorbereitung: „Für einige Projekte braucht es mehr Optimismus als für andere. Das gilt für diesen Standort auf alle Fälle.“
Während der anderthalbjährigen Bauzeit fallen auf dem Vorplatz einige der bisherigen Fahrradbügel weg. Die Stadtverwaltung kündigte an, kurzfristige Ausweichmöglichkeiten im Umfeld zu prüfen. Neben der geplanten Fertigstellung Ende 2027 steht auch das nächste Großprojekt am Hauptbahnhof i den Startlöchern, wo im Zuge des neuen Fernbusterminals ebenfalls ein Fahrradparkhaus entsteht.