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Stadt im Wandel: Görlitz will mehr als eine Filmkulisse sein

Stadt im Wandel: Görlitz will mehr als eine Filmkulisse sein
Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) sieht die Entwicklung der Neißestadt auf einem guten Weg. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Von: DieSachsen News
Eine Stadt, zwei Länder: Görlitz ist 950 Jahre alt, eine architektonische Perle und hat mit Zgorzelec einen polnischen Teil. Beim Blick in die Zukunft setzt man auf Wissenschaft und Forschung.

Görlitz rüstet sich als Wissenschafts- und Hightech-Standort für die Zukunft. «In den vergangenen Jahren hat sich hier ein Nukleus an Forschungseinrichtungen etabliert, der nun wächst. Davon profitiert die ganze Region», erklärte Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiel nannte er unter anderem das Center for Advanced Systems Understanding (Casus) - ein Forschungsinstitut, das sich auf digitale Systemforschung, Datenwissenschaften und Simulationen spezialisiert hat.

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Zahlreiche Forschungseinrichtungen in Görlitz

Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz gilt als führende Einrichtung der Biodiversitätsforschung und konzentriert sich auf Bodenzoologie, Botanik und Ökologie. Die Hochschule Zittau/Görlitz thematisiert mit ihren Instituten Aspekte wie Gesundheit, Alter und Wohnen. Außerdem entsteht das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA), das als Großforschungszentrum im Zuge des Strukturwandels nach Görlitz kam und nun eine internationale Reputation aufbauen soll. Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung setzt sich mit IT-Sicherheit für kritische Infrastrukturen auseinander.

Görlitz wird durch Zuzug internationaler

Laut Ursu wird auf den Straßen von Görlitz immer öfter Englisch gesprochen, insbesondere von den über 100 Mitarbeitern des DZA, die bereits aus aller Welt in die deutsch-polnische Grenzstadt gezogen sind.

Als Filmkulisse für viele Hollywood-Produktionen hat sich «Görliwood» auch international einen Namen gemacht. «Das tut der gesamten Region gut. Wir sind eine Stadt in zwei Ländern, ein internationaler Standort», sagte Ursu. Über 5.000 Menschen aus Polen wohnen und arbeiten in Görlitz. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten wächst die Stadt weiterhin.

Stadt mit Chancen für junge Menschen

«Wir sind eine Stadt mit Chancen für junge Menschen», betonte der Oberbürgermeister. Vom ursprünglichen Plan, wohlhabende Rentner aus dem Westen nach Görlitz zu ziehen, hat man Abstand genommen. «Wir brauchen junge Menschen, die hier Geld verdienen und ausgeben. Das bedeutet nicht, dass ältere Menschen nicht willkommen sind. Sie können gerne bei uns leben und wohnen. Aber unsere Zielgruppe sind in erster Linie junge und gut qualifizierte Menschen. Am schönsten ist es, wenn sie auch Familie und Kinder haben. Dafür werben wir.»

Ursu will zur Oberbürgermeisterwahl im Mai wieder antreten

Ursu, der seit fast sieben Jahren im Amt ist und auch zur OB-Wahl im Mai antreten will, lobt die Zusammenarbeit mit polnischen Behörden. Unter dem Slogan «United Heat» planen die Stadtwerke Görlitz und der Wärmeversorger SEC Zgorzelec ein Joint Venture. Bis 2030 soll die Fernwärme in beiden Stadtteilen aus erneuerbaren Energien und einer Hand bereitgestellt werden.

Laut Ursu sind für das Projekt 130 Millionen Euro von der EU und vom Bund zugesichert. Mit Beteiligung der Konzerne Eon und Veolia sollen insgesamt rund 200 Millionen Euro investiert werden, was eine Einsparung von 50.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zur Folge hat.

Kooperation über die Grenzen hinweg eingespielt

«Mittlerweile kann man Görlitz und Zgorzelec gar nicht mehr richtig trennen. Wir haben sehr viele gemischte Familien. Wir werden das nicht mehr so trennen können, weil wir zusammenleben», sagte Ursu und betonte die positive Entwicklung.

Auch bei der Aufnahme der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Februar 2022 und später hätten beide Stadthälften gut zusammengearbeitet. «Das war eine logistische Herausforderung. Wir haben das gut hinbekommen, weil wir an grenzüberschreitende Kooperationen gewöhnt sind.»

Hoffnung auf Ende der Grenzkontrollen

Der Görlitzer Oberbürgermeister hofft, dass die Grenzkontrollen zur Bekämpfung der illegalen Migration kein Dauerzustand werden. «Wir haben damals alle für offene Grenzen innerhalb Europas gekämpft. In einer Stadt mit viel Grenzverkehr ist das noch deutlicher zu spüren, auch wenn die Einwohner sich mittlerweile damit arrangiert haben. Aber für uns sollte es selbstverständlich sein, ohne Kontrolle über die Grenze zu gehen. Man merkt erst, was man hat, wenn es einem weggenommen wird.»

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