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Handlungsbedarf bei Kita-Bildung – Neuer Plan für Sachsen

Handlungsbedarf bei Kita-Bildung – Neuer Plan für Sachsen
Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) sieht Handlungsbedarf bei der frühkindlichen Bildung (Archivbild). / Foto: Robert Michael/dpa
Von: DieSachsen News
Defizite von Kindern sollen frühzeitig erkannt werden, um ihnen ihre Entwicklung und den Übergang zur Schule nicht zu verbauen. Auch darum geht es beim neuen Erziehungs- und Bildungsplan in Sachsen.

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) sieht dringenden Handlungsbedarf für eine Reform frühkindlicher Bildung. Er verweist auf einen wachsenden Anteil von Mädchen und Jungen mit Defiziten in der Entwicklung. Wenn mehr als ein Drittel der Vorschüler nicht mehr über ausreichende Kompetenzen in Deutsch verfügten, sei das nur die Spitze des Eisberges, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auffälligkeiten gebe es in fast allen Bereichen. Deshalb setze der Freistaat auf verbindliche Erziehungs- und Bildungsziele und bessere Übergänge zwischen den Einrichtungen. 

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Erziehung steht im Plan an erster Stelle

Clemens hatte Anfang Mai den neuen Erziehungs- und Bildungsplan vorgestellt. Dass Erziehung nunmehr an erster Stelle steht, ließ die Fachwelt aufhorchen. Der Minister versteht dahinter aber keinesfalls «schwarze Pädagogik». «Es ist eine bewusste Entscheidung. Wir haben darüber diskutiert, ich habe mich überzeugen lassen. Es ist gut, dass wir einen neuen Akzent setzen, denn es geht um mehr, als nur die ersten Buchstaben zu erlernen», betonte der Minister. Der Plan betreffe auch neue Themen wie den Umgang mit digitalen Medien.

Eltern sind Kindern beim Medienkonsum ein schlechtes Vorbild

«Wir müssen uns Gedanken über Persönlichkeitsentwicklung insgesamt machen. Im Zeitalter digitaler Medien ist das dringend erforderlich», sagte Clemens. Er habe manchmal das Gefühl, dass Eltern ihren Kindern beim Medienkonsum ein schlechtes Vorbild sind. «In vielen Familien wird zu Hause heute weniger zu Hause gesprochen und weniger unternommen. Die Eltern sind nach einem langen Arbeitstag angespannt.» Kitas müssten sich auf auch vor diesem Hintergrund Kindern fundierter widmen.

Zeit bis zur Umsetzung des Planes ist laut Clemens nicht zu knapp 

Nach den Worten des Ministers bietet der Erziehungs- und Bildungsplan eine wissenschaftliche Grundlage und soll Erzieherinnen und Erziehern als Kompass und eine Art Lehrplan dienen. Am 1. Januar tritt er in Kraft. Clemens sieht nicht die Gefahr, dass die Frist bis zur Einführung zu knapp ist. «Die Einrichtungen erhalten konkrete Anwendungshilfen, um den Plan in eigener Regie umzusetzen.»

Es soll keine Abstriche bei der Umsetzung geben

«Für die Anwendung des Erziehungs- und Bildungsplanes braucht es begleitende Materialien, die wir jetzt erarbeiten», sagte Clemens. Trotz Spardrucks mache man bei der Umsetzung keine Abstriche. Er sehe das Personal durch die Qualifizierung auch nicht zusätzlich belastet. Das hatte etwa die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) befürchtet. Sie sieht die Kitas ohnehin schon am Limit.

Clemens vergleicht Erziehungs- und Bildungsplan mit einem Lehrplan

«Wir bieten Schulungen an, wir bieten Materialien an. Der Bildungsplan an sich ist ein Instrument, mit dem die Erzieherinnen und Erzieher, alle pädagogischen Fachkräfte in den Kitas, arbeiten sollen. Wenn man einen neuen Lehrplan einführt, ist das auch nicht mit einer Verbesserung des Personalschlüssels verknüpft. Die Aneignung des Erziehungs- und Bildungsplanes kann in der Vor- und Nachbereitungszeit erfolgen.»

Kitas sollen selbst über Mittelverwendung entscheiden

«Wir haben einen Teil der Kita-Finanzierung erheblich erhöht, geben jetzt pro Kind 367 Euro im Jahr an die Kommunen und haben uns auf die Dynamisierung der Kita-Pauschale verständigt», sagte der Kultusminister. Die Kommunen könnten selbst darüber befinden, ob sie mehr Geld für Personal ausgeben. «Wenn eine Kommune ihre Kita trotz rückläufiger Kinderzahlen halten oder den Personalschlüssel verbessern möchte, kann sie das selbst entscheiden.» 

Clemens für Sozialindex bei Kita-Förderung

Clemens begrüßt die im Koalitionsvertrag auf Bundesebene getroffene Vereinbarung, mit einer bundesweit einheitlichen Untersuchung der Vierjährigen schon frühzeitig Sprach- und Entwicklungsdefizite zu ermitteln und anschließend in den Einrichtungen bedarfsbezogene Förderung anzubieten. Allerdings müsse der Bund dafür auch die finanziellen Mittel bereitstellen. Das geplante Qualitätsentwicklungsgesetz des Bundes als zentrales Element der Kita-Qualität müsse jetzt rasch kommen und auch einen Sozialindex berücksichtigen. Unterstützung brauchten vor allem Einrichtungen, in deren Umfeld es soziale Problemlagen gebe. 

Einen Bundesbildungsplan für alle Kinder in Deutschland hält Clemens nicht für notwendig. Bildung sei Ländersache, man brauche auch einen «Wettbewerb der Ideen». «Jedes Bundesland hat seine eigene Historie, eigene Ambitionen und seine eigene Sozialstruktur. Gerade bei Kindertageseinrichtungen gebe es eine besondere ostdeutsche Prägung. «Im Osten ist eine Neun-Stunden-Betreuung die Regel. Bei uns gibt es dafür hochqualifiziertes Personal.»

Dennoch hält Clemens gemeinsame Vorgaben und deutschlandweite Standards als Konsequenz aus den dem verbindlichen Screening Vierjähriger für sinnvoll. «Es geht darum, gezielter zu fördern und die zwei Jahre bis zum Schuleintritt effektiv zu nutzen. Ich bin überzeugt, dass sich bei der frühkindlichen Bildung noch viel mehr erreichen lässt.»

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