Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht keine Voraussetzungen für einen guten Start ins neue Schuljahr. Gerade beim Lehrernachwuchs gebe es viel Frust, sagte GEW-Chef Burkhard Naumann der Deutschen Presse-Agentur. Referendare sollen künftig statt 12 Stunden pro Woche 14 Stunden im Unterricht zum Einsatz kommen. Das Kultusministerium verspricht sich davon eine Erhöhung der Kapazität um 150.000 Stunden und damit ein Mittel, den Unterrichtsausfall zu minimieren. Naumann rechnet durch die höhere Belastung im Referendariat mit mehr Abbrüchen.
Abwanderungen und hohe Unzufriedenheit
«Die Referendare werden zur Bedarfsdeckung genutzt, ohne dass sie eine angemessene Vergütung bekommen», sagte Naumann. Durch solche Entscheidungen in den vergangenen Jahren habe man die Leute verschreckt. Es sei kein Wunder, wenn sich gerade junge Lehrkräfte jetzt nach einem Job in Sachsen-Anhalt oder Thüringen umsehen. «Wir haben eine Abwanderungsbewegung aus Sachsen und eine hohe Unzufriedenheit an den Schulen. Das ist bei dem aktuellen Lehrkräftemangel hochriskant. Es ist nicht gut, wenn das neue Schuljahr mit Frust beginnt.»
GEW-Chef fordert Wertschätzung und Verlässlichkeit
Naumann zufolge sind Wertschätzung und Verlässlichkeit eine Grundvoraussetzung, um Lehrer im Schulsystem zu halten. Auch die hohe Zahl an Abordnungen an andere Schulen trage nicht dazu bei. «Das verursacht eine große Unruhe. Es fehlt die Zuverlässigkeit, ob ich morgen noch an meiner Schule unterrichte.» Das mangelnde Vertrauen schlage nicht zuletzt auf die Unterrichtsqualität durch. Keiner wisse so richtig, wie lange er vor einer Klasse steht. Bei manchen Klassen wechsele der Klassenleiter mehrmals pro Schuljahr.
«Es geht beim Unterrichtsausfall nicht allein um die Statistik. Es geht um Beziehungsarbeit, Verlässlichkeit, Planbarkeit. Das alles ist massiv beschädigt worden», sagte Naumann. Wenn das Ziel darin bestehe, vor jeder Klasse einen Lehrer zu haben, dann klinge das zwar schön. Entscheidend sei aber, dass es nicht irgendein Lehrer ist, sondern der gleiche Lehrer. «Lehrer sind nicht einfach austauschbar. Schülerinnen und Schüler bauen eine Beziehung zu ihren Lehrern auf.»
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