Plötzlich und ohne Vorwarnung kann Blutkrebs Menschen jeden Alters betreffen. Bei einer besonders aggressiven Form, der Akuten Myeloischen Leukämie, zählt jede Woche. Doch Forschende der Dresdner Hochschulmedizin haben jetzt eine neue Kombination aus bekannten Medikamenten getestet, die deutlich mehr Betroffenen eine echte Heilungschance geben könnte.
Akute Myeloische Leukämie, kurz AML, ist eine bösartige Erkrankung des Blutes. Dabei wachsen kranke Blutzellen unkontrolliert und verdrängen die gesunden. Eine Chemotherapie kann die Krankheit oft zurückdrängen. Doch bei vielen Patienten kehrt sie zurück. Dann wird es besonders schwierig. Nur etwa 40 Prozent der Betroffenen erreichen mit herkömmlicher Behandlung eine sogenannte Remission, also einen Zustand, in dem die Krankheit nicht mehr nachweisbar ist. Nur wer diese Phase erreicht, kann eine Stammzelltransplantation erhalten. Dabei werden kranke Blutzellen durch gesunde Spenderzellen ersetzt. Das ist oft die einzige Chance auf dauerhafte Heilung.
Dresdner Forschung macht den Unterschied
Die deutschlandweite Studie wurde unter Leitung des Dresdner Mediziners Prof. Christoph Röllig konzipiert und im Rahmen der Studienallianz Leukämie an vielen Kliniken in Deutschland gemeinsam durchgeführt. "Wenn die AML zurückkommt, sinken die Chancen auf längerfristige Heilung deutlich", erläutert Röllig. Ziel sei es, Erkrankte überhaupt erst in die Lage zu versetzen, eine Stammzelltransplantation zu erhalten. Das gelinge jetzt deutlich häufiger. Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, betont die Bedeutung des Fortschritts: "Die Ergebnisse bedeuten einen großen Fortschritt, weil sie uns neue, wirksame Möglichkeiten an die Hand geben, um Patientinnen und Patienten auf dem Weg zu einer lebensrettenden Stammzelltransplantation bessere Ausgangsbedingungen zu verschaffen."
Die neue Therapie ist keine ferne Zukunft. Röllig berichtet, dass bereits über 150 weitere AML-Kranke außerhalb der Studie nach dem neuen Schema behandelt wurden. Die ersten Ergebnisse seien erfolgversprechend. Damit hat die in Dresden entwickelte Methode gute Chancen, künftig häufiger eingesetzt zu werden und die Behandlung von Rückfällen bei dieser Leukämie zu verbessern.
Publikation:
Venetoclax plus high-dose cytarabine and mitoxantrone as salvage treatment for relapsed or refractory acute myeloid leukaemia (RELAX): a multicentre, single-arm, phase 1/2 trial, Ruhnke, Leo et al., The Lancet Haematology, Volume 13, Issue 3, e157 - e168