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Von 40 auf 75 Prozent: Neue Therapie verbessert Chancen bei aggressivem Blutkrebs

Eine Blutprobe zeigt, ob die Krankheit zurückgedrängt ist. Mit der neuen Dresdner Therapie gelingt das fast doppelt so vielen Patienten wie bisher.
Bei Blutkrebs wachsen kranke Zellen unkontrolliert und verdrängen die gesunden. Dresdner Forschende haben eine Therapie entwickelt, die das stoppen kann. © pixabay/Annett Klingner
Von: Wissensland
Patienten mit einer aggressiven Form von Blutkrebs, der Akuten Myeloischen Leukämie, hatten bisher nur geringe Chancen, wenn die Krankheit zurückkam. Dresdner Forschende haben das verändert. Mit einer neuen Therapie-Kombination erreichen jetzt dreimal so viele Betroffene den entscheidenden Schritt zur Heilung.

Plötzlich und ohne Vorwarnung kann Blutkrebs Menschen jeden Alters betreffen. Bei einer besonders aggressiven Form, der Akuten Myeloischen Leukämie, zählt jede Woche. Doch Forschende der Dresdner Hochschulmedizin haben jetzt eine neue Kombination aus bekannten Medikamenten getestet, die deutlich mehr Betroffenen eine echte Heilungschance geben könnte.

Akute Myeloische Leukämie, kurz AML, ist eine bösartige Erkrankung des Blutes. Dabei wachsen kranke Blutzellen unkontrolliert und verdrängen die gesunden. Eine Chemotherapie kann die Krankheit oft zurückdrängen. Doch bei vielen Patienten kehrt sie zurück. Dann wird es besonders schwierig. Nur etwa 40 Prozent der Betroffenen erreichen mit herkömmlicher Behandlung eine sogenannte Remission, also einen Zustand, in dem die Krankheit nicht mehr nachweisbar ist. Nur wer diese Phase erreicht, kann eine Stammzelltransplantation erhalten. Dabei werden kranke Blutzellen durch gesunde Spenderzellen ersetzt. Das ist oft die einzige Chance auf dauerhafte Heilung.

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Neues Medikament macht den Unterschied

Genau hier setzt die RELAX-Studie an. Forschende am Universitätsklinikum Dresden und der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden prüften, ob ein zusätzliches Medikament namens Venetoclax die Wirkung der Standardchemotherapie verbessert. Venetoclax ist ein sogenannter BCL2-Hemmer. Das Medikament sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass sich Krebszellen nicht mehr so gut gegen den natürlichen Zelltod schützen können. Dadurch sterben die Krebszellen schneller ab.

"Mit der neuartigen Kombination erhöhten wir die bislang beobachteten Remissionsraten von 40 Prozent auf 75 Prozent. Der überwiegende Teil der Behandelten konnte dadurch erfolgreich eine Stammzelltransplantation erhalten", berichtet Dr. Leo Ruhnke, Erstautor der Studie und Arzt an der Dresdner Uniklinik. In der Studie wurde zunächst geprüft, ob die Kombination gut vertragen wird und anschließend, wie wirksam sie ist. Die Ergebnisse erschienen jetzt im renommierten Fachblatt "The Lancet Haematology".

Dresdner Forschung macht den Unterschied

Die deutschlandweite Studie wurde unter Leitung des Dresdner Mediziners Prof. Christoph Röllig konzipiert und im Rahmen der Studienallianz Leukämie an vielen Kliniken in Deutschland gemeinsam durchgeführt. "Wenn die AML zurückkommt, sinken die Chancen auf längerfristige Heilung deutlich", erläutert Röllig. Ziel sei es, Erkrankte überhaupt erst in die Lage zu versetzen, eine Stammzelltransplantation zu erhalten. Das gelinge jetzt deutlich häufiger. Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, betont die Bedeutung des Fortschritts: "Die Ergebnisse bedeuten einen großen Fortschritt, weil sie uns neue, wirksame Möglichkeiten an die Hand geben, um Patientinnen und Patienten auf dem Weg zu einer lebensrettenden Stammzelltransplantation bessere Ausgangsbedingungen zu verschaffen."

Die neue Therapie ist keine ferne Zukunft. Röllig berichtet, dass bereits über 150 weitere AML-Kranke außerhalb der Studie nach dem neuen Schema behandelt wurden. Die ersten Ergebnisse seien erfolgversprechend. Damit hat die in Dresden entwickelte Methode gute Chancen, künftig häufiger eingesetzt zu werden und die Behandlung von Rückfällen bei dieser Leukämie zu verbessern.


Publikation:
Venetoclax plus high-dose cytarabine and mitoxantrone as salvage treatment for relapsed or refractory acute myeloid leukaemia (RELAX): a multicentre, single-arm, phase 1/2 trial, Ruhnke, Leo et al., The Lancet Haematology, Volume 13, Issue 3, e157 - e168 

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