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Rezension: Florian Weisner „Was bleibt von Habermas?“

Rezension: Florian Weisner „Was bleibt von Habermas?“
Das Buch „Was bleibt von Habermas“ aus der Feder von Florian Weisner erschien im Wortschein-Verlag.
Von: Matthias Stark
Hochaktueller Rückblick

Der schmale Band aus der Feder von Florian Weisner hat es in sich. Der Autor gibt auf nur 138 Seiten Einblick in das Leben, das Denken und die wissenschaftlichen Thesen des mit 96 Jahren verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas.

Es ist ein durchaus tiefer Einblick, gleichzeitig auch eine gelungene Überschau und damit ein sehr zu empfehlendes Buch für all jene, die sich schnell einen Überblick über das Werk von Habermas verschaffen wollen.

In zehn Kapiteln geht es um ein paar biografische Tatsachen, obgleich der Philosoph sein Privatleben nie in den Vordergrund gestellt hat. Florian Weisner schafft es, das Leben mit dem Werk in gekonnter Weise zu verbinden. Der erste Abschnitt des Buches ist dem Leben von Habermas gewidmet. Gefolgt vom zweiten Teil, in dem es um die Ideen des Denkers geht. Ein wichtiger Bereich ist die sogenannte Öffentlichkeit. Florian Weisner schreibt: „Demokratie braucht einen Raum, in dem Menschen miteinander reden können. Wird dieser Raum zerstört, stirbt die Demokratie.“ und fasst so eine wichtige Idee von Habermas zusammen. Es gehe um „den freien Austausch von Argumenten unter Gleichen“, ein wichtiger Gedanke und keineswegs selbstverständlich in heutiger Zeit.

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Ein weiteres Kapitel des Buches ist dem kommunikativen Handeln gewidmet. Wahrheit, Richtigkeit, Wahrhaftigkeit und Verständlichkeit seien nach Habermas die Geltungsansprüche an gelungene Kommunikation. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Diskursethik und damit der Frage, welche Handlungsnormen in Diskursen gültig sind. Auch dieser Teil des Buches ist verständlich geschrieben und sehr erhellend.

Der dritte Abschnitt widmet sich den Debatten, denen sich Habermas in seiner Karriere stellte. Unter der Überschrift „Streit als Lebensform“ werden vier große Debatten beleuchtet, welche die Meinung von Jürgen Habermas herausforderten.

Im vierten Abschnitt widmet sich der Autor der Frage, die der Buchtitel stellt. Was bleibt von Habermas? Der Philosoph habe die Werkzeuge geschmiedet, mit denen man nach Antworten auf schwierige Fragen der heutigen Zeit suchen könne. Es geht dabei um Begriffe wie die deliberative Demokratie, den Verfassungspatriotismus oder die Kolonisierung der Lebenswelt. Alles Begriffe aus der Denkschule von Jürgen Habermas, die brandaktuell sind und es bleiben werden. Florian Weisner fasst die Gedanken von Habermas mit Blick auf die sogenannten sozialen Medien wie folgt zusammen: „Die sozialen Medien simulieren Öffentlichkeit, ohne sie herzustellen. Sie erzeugen Lärm, wo Stille angemessen wäre, und Meinung, wo Nachdenken nötig gewesen wäre.“

Florian Weisner schafft es, die philosophischen Erkenntnisse von Jürgen Habermas in anschaulicher Weise zusammenzufassen. Das zeichnet dieses Buch aus dem Wortschein-Verlag aus. Ergänzt wird es durch einen Anhang mit einer Zeittafel zum Leben von Jürgen Habermas, einer kommentierte Leseliste, ein Glossar mit 15 Schlüsselbegriffen sowie einem ausführlichen Quellenverzeichnis.

Das Buch bietet wichtige Erkenntnisse zu aktuellen Themen und kann allen an philosophischen Themen interessierten Lesern uneingeschränkt empfohlen werden.

Matthias Stark
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Matthias Stark

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