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Sport, Spaß und Freundschaft – Mit den Fitness-Mädels durchs Jahr

Vier Frauen verrenken sich am Boden auf einer Matte mit farbigen Punkten (vom Spiel "Twister"), in einer Turnhalle
Foto: PSV Kamenz
Von: Bürger machen Journalismus
Mehr als nur ein Sportverein! Beim Kamenzer PSV Fitness entstehen Freundschaften fürs Leben.

Ein Bericht von Kerstin Schmele

Zweimal wöchentlich treffen sich die Frauen in einer Sporthalle im westlausitzer Städtchen Kamenz. Sie gehören zur motivierten Fitnessgruppe des Polizeisportvereins Kamenz e. V., kurz „PSV Kamenz“, der 1992 gegründet, aktuell knapp 300 Mitglieder zählt und unter anderem Judo, Ju-Jutsu und Kraftsport anbietet. Ingo Lange, erfahrener Judoka und Gründungsmitglied des PSV, bezeichnet den Verein als „Familienbetrieb“, denn einige Familien sind komplett im Verein aktiv. Auf die Frage nach prominenten Sportlern antwortet er augenzwinkernd: „Wir alle.“ Hilfsbereitschaft, Respekt, Wertschätzung, Mut und Freundschaft prägen das Vereinsleben.

Rund die Hälfte der derzeit etwa 30 Frauen nimmt regelmäßig am 90-minütigen Fitnesstraining teil. Dabei werden nicht nur die Muskeln, sondern auch die Lachmuskeln trainiert. Kreativität, Interaktion, Vielseitigkeit und Integration werden großgeschrieben. Jede Trainingsstunde ist anders und abwechslungsreich. Im Laufe der Jahre ist die Fitnessgruppe zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen, in der alle willkommen sind. Interessierte können jederzeit ein Probetraining absolvieren. Auch Männer sind willkommen.

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Simone Kirschke und Peggy Stötzer erklären, wie die Frauen zusammenfanden: „Durch unsere Kinder.“ Die Kinder trainieren in verschiedenen Sparten des PSV und ihre Eltern bringen sie zum Training. Statt die Wartezeit mit Einkaufen zu verbringen, nutzten die Mütter die Gelegenheit für ihre eigene Work-Life-Balance. Altersunterschiede spielen dabei keine Rolle. „Meine Mutti ist mit 68 Jahren die Älteste der Fitnessgruppe“, erzählt Simone Kirschke.

In den Bereichen Kraft, Ausdauer, Mobilität und Koordination trainieren sie die persönliche Fitness auf spielerische Weise – abgestimmt auf das eigene Leistungsniveau. Die Trainerinnen achten auf die individuellen Voraussetzungen, um Leistungssteigerung ohne Überforderung zu erreichen. Spaß gehört dabei ausdrücklich dazu. Schließlich trainieren die Mädels unter den wachsamen Augen von Profis: Das sechsköpfige Trainerinnenteam besteht aus Frauen, die entweder Sport studiert oder ihre Trainerausbildung über den Verein absolviert haben.

Sommer: Schwimmen, Sportabzeichen und Eis

In den Sommermonaten stehen leichtere Bewegungseinheiten oder Schwimmen im nahen Steinbruch „Teufelsbruch“ auf dem Programm. Das lockere Sommertraining wie Springen, Werfen, Laufen, Walken und Schwimmen dient auch einem besonderen Ziel: der Erlangung des Sportabzeichens des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Für das Abzeichen müssen Leistungen in den vier Bereichen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination erbracht werden. Außerdem ist ein Schwimmnachweis erforderlich. Zur Vorbereitung gehören deshalb auch Laufevents, Bowling, Tischtennis, Hallenhockey und Trampolinspringen, die den Trainingsalltag abrunden.



Foto: PSV Kamenz


Überhaupt sind den sportlichen Aktivitäten kaum Grenzen gesetzt – Hauptsache, man bleibt in Bewegung. Und wenn nebenbei noch eine schöne Bikini-Figur für den Sommer herausspringt, umso besser. Dafür werden unter anderem Standweitsprung, Medizinballwerfen und Seilspringen trainiert. Damit niemand die Lust verliert, geht es zwischendurch auch einmal mit dem Fahrrad ins 15 Kilometer entfernte Bernsdorf – zum Eisessen.

An weniger schönen Tagen verschlägt es die Sportlerinnen in den Kraftraum, um sich richtig auszupowern. Wenn dieser gerade von den männlichen Vereinsmitgliedern in Beschlag genommen wird, weichen die Frauen kurzerhand in die nahegelegene Schwimmhalle aus.

Nach einer anstrengenden Fitness‑, Lauf- oder Schwimmeinheit verlangt das Mikado-Spiel eine ruhige Hand. Simone Kirschke sieht darin eine gute Übung für Feingefühl und Konzentration: Neben dem Körper soll auch der Kopf gefordert sein. Fallschule und Selbstverteidigung stärken zusätzlich das Selbstbewusstsein. Teambuilding und Übungen zur Außenwirkung gehören auch zum Programm.

Herbst: Spinnen, Schnee und Süßes oder Saures

Im Herbst steigt die Teilnehmerzahl meist deutlich an und die Halle wird richtig voll. Zu Halloween klettern dann grazile Spinnen im Trainingsanzug an Stangen und Netzen Richtung Hallendecke. Das lustige Trainingsprogramm „Süßes oder Saures“ wird am Boden fortgesetzt. Dafür werden Bälle, Kegel und Ringe aus der hintersten Ecke hervorgeholt und die Matten ausgiebig für den Hochsprung genutzt. Langeweile kommt dabei definitiv nicht auf.

Winter: Eisstock, Karneval und kaltes Wasser

Wenn Frau Holle es gut mit den Mädels meint und ausreichend Schnee schickt, findet im Winter die Erwärmung sogar im Schnee statt. Beim Schneemannbauen entstehen dabei manchmal erstaunlich kreative Kunstwerke, die anschließend gut sichtbar vor der Sporthalle aufgestellt werden.

Kurz vor der Weihnachtsfeier wird den meisten bewusst, wie schnell ein Sportjahr vergeht. Neben Rückblick und Ausblick steht auch Eisstockschießen auf dem Programm. Die Mannschaften treten in einem sportlich fairen Wettkampf gegeneinander an. Der Ehrgeiz ist geweckt, und alle feilen an ihrer Schusstechnik. Es wird über Spielzüge philosophiert, diskutiert und gekämpft. Beim traditionellen Schrottwichteln ist man sich dann wieder einig und blickt erwartungsvoll auf das nächste Sportjahr.

Auch der Jahreswechsel wird sportlich begangen. Kurz vor Silvester sprangen einige besonders mutige Mädels gemeinsam mit vielen anderen Verrückten vor den Augen zahlreicher Zuschauer in das eiskalte Wasser des Dreiweiberner Sees bei Hoyerswerda. Mit einem Foto sicherten sich die Badenixen anschließend einen Platz in der regionalen Presse, bevor sie sich bei Kakao oder Tee wieder aufwärmten.

In der Karnevalszeit verwandelt sich die Trainingsstätte in ein kunterbuntes Sportzentrum. Zu Rockmusik und mit viel Halligalli werden Kniebeugen gemacht. Anschließend stehen Eierlauf, Sackhüpfen und Luftballonlauf auf dem Programm. Dabei springt die Königin schon mal höher als das Pferd, die Maus überholt den Piraten und die Putzfrau zeigt dem Seemann, wie man mit dem Löffel jongliert. Beim Rosenmontags-Scrabble absolvieren Biene, Giraffe und Maus Lieblingsübungen wie Seilspringen, Sit-ups und Hockersteigen – selbstverständlich kostümiert. Wem bei „Laurenzia“ noch nicht die Puste ausgegangen ist, der versucht sich anschließend im Luftschlangen-Weitpusten.

Frühling: Ostern, Wanderschuhe und Blütenlauf

Auch Ostern wird sportlich begangen: Zur Erwärmung müssen zunächst Luftballons zertreten werden. Danach stehen Übungen wie „Käfer“, „Hampelmann“ und „Ostereier durch die Halle pusten“ auf dem Programm. Natürlich darf auch der Besuch des Osterhasen nicht fehlen. Eine jährliche Osterwanderung gehört ebenfalls dazu.

Ein weiterer Höhepunkt ist der Mammutmarsch am Karfreitag. Bereits um 6 Uhr morgens starten die Sportlerinnen gemeinsam mit weiteren Vereinsmitgliedern in Kamenz und wandern 45 Kilometer durch die Sächsische Schweiz bis zur Bastei. Jede Teilnehmerin bestimmt ihr eigenes Tempo und genießt die Landschaft. Der Weg zählt mehr als das Ziel: Auch wer die Strecke nicht vollständig schafft, kann stolz auf die eigene Leistung sein.

Der jährliche Kamenzer Blütenlauf im Mai ist etwas ganz Besonderes und für die Gruppe ein absolutes Muss. Das Vereins-Urgestein Peggy Stötzer war 2024 die erste PSV-Sportlerin, die sich den Sieg in der Frauenwertung über die 10-Kilometer-Walking-Strecke in einer Stunde und achtzehn Minuten sicherte.


Foto: PSV Kamenz


Auch Corona konnte den Sport nicht stoppen

Selbst während der Corona-Pandemie wurde weitertrainiert. Mithilfe einer App stellte das Trainerteam einen sportlichen Kalender zusammen, nach dem individuell zu Hause oder gemeinsam im Chat trainiert wurde. Entgegen dem allgemeinen Trend gab es nach der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs sogar mehr Anmeldungen als Austritte im Verein. Die Pandemie konnte dem Gemeinschaftsgefühl offenbar wenig anhaben. Der Sport fand zwar zeitweise anderswo statt – die Gemeinschaft blieb bestehen.

Sport macht sexy – und sorgt für Nachwuchs

Sport macht sexy – deshalb sorgen die Mädels auch für Vereinsnachwuchs. Die „Vereinsbabys“ erhalten gleich nach der Geburt einen traditionellen PSV-Strampelanzug und einen Mitgliedsantrag als Begrüßungsgeschenk. Wenn beim Training einmal kein Babysitter zur Verfügung steht, unterstützt man sich gegenseitig. Die Kinder werden einfach ins Programm integriert oder von anderen Sportlerinnen im Bällebad betreut.



Foto: PSV Kamenz


Und auch sonst ist man füreinander da. Wenn ein runder Geburtstag oder eine private Familienfeier ansteht, sind selbstverständlich alle dabei. Es ist eigentlich undenkbar, dass die Frauen vom Sportverein fehlen – sie sind schließlich wie eine Familie. Auch außerhalb der Sporthalle verbringt die „Wahlfamilie“ gerne Zeit miteinander: Ob Kino, Poetry Slam oder Kamenzer Forstfest – wer kann, ist dabei.

Vielleicht ist genau das das Geheimnis dieser Fitnessgruppe: Hier geht es längst um mehr als Sport. Es geht um gemeinsame Erlebnisse, um Spaß, um gegenseitige Unterstützung – und um Freundschaften, die weit über die Trainingshalle hinausreichen. Und so kann ich allen, die Fitness, Spaß und Freundschaft miteinander verbinden wollen, nur raten: Mach mit, mach’s nach, mach’s besser – mit den Mädels!





Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de

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