Schloss Klippenstein in Radeberg – mehr Lust oder mehr Last für die Stadt?
Ein Bericht mit Kommentar von Axel Frech
Urkundlich erwähnt wurde die „Radeberger Burg“ erstmals im Jahr 1289. Ein steinerner Wohnturm mit mehreren Stockwerken erhob sich trutzig auf einem Felskegel aus granitverwandtem Gestein. Über Jahrhunderte wurde die Burg vom sächsischen Adel genutzt und ausgebaut. Vor allem der Umbau von einer wehrhaften Anlage zu einem repräsentativen Jagdschloss im 16. Jahrhundert unter Herzog Moritz von Sachsen prägte das heutige Schlossbild. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss in seiner heutigen Gestalt als Amtsverwaltung genutzt.
„Schloss Klippenstein ist für mich ganz klar mehr Lust als Last“, so der Radeberger Oberbürgermeister Frank Höhme. „Natürlich bringt ein historisches Bauwerk immer Verantwortung, Kosten und organisatorische Herausforderungen mit sich. Die Stadt trägt jährlich über 400.000 Euro dazu bei. Aber es ist zugleich Identifikationsort, Geschichtsbuch und Kulturstätte in einem. Die vielfältige Nutzung für Museum und Kulturveranstaltungen zeigt, welches Potenzial im Schloss steckt. In der Summe überwiegt für mich eindeutig die Freude darüber, wie sich dieser Ort entwickelt hat und welche Chancen er für die weitere Stadtentwicklung bietet.“
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Der Radeberger Oberbürgermeister Frank Höhme. |
Die Schlosschefin Dr. Karina Iwe meint: „Unsere klassischen Aufgaben sind das Sammeln, Erforschen, Bewahren, Vermitteln und Ausstellen. Doch in unserer Arbeit geht es heute auch ganz stark um gesellschaftliche Relevanz: darum, ein aktiver Begegnungsort für die Menschen der Stadt und über die Grenzen Radebergs hinaus zu sein – ein starker dritter Ort. Daher ist es wichtig, abwechslungsreiche Ausstellungen und Veranstaltungen anzubieten, um möglichst viele Menschen zu erreichen und die Sichtbarkeit des Schlosses, das noch zu wenig bekannt ist, zu erhöhen. Junge Menschen zu erreichen ist eines der Ziele des Museums. Man muss ihre Lebenswelten kennen, um entsprechende Angebote zu entwickeln und ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Events mit DJ-Pult können dabei ein Zugang sein, aber auch der Besuch eines Pferdes auf der Reitertreppe, um zu zeigen, dass wir alles andere als verstaubt sind.
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Schlosschefin Dr. Karina Iwe. |
Es geht dabei um moderne Darstellungs- und Vermittlungsmethoden, um jüngeren Generationen einen neuen Blick auf das historische Erbe unserer Stadt zu eröffnen. Neben dem Ziel, bei allen Bürgern und Besuchern der Stadt sichtbarer zu werden, ist es wesentlich, durch zielgruppengerechte Veranstaltungen auch jüngere Radeberger immer wieder anzusprechen. Bereits heute gibt es Projekte und Veranstaltungen mit dem Jugendzentrum sowie dem ehemaligen Kinder- und Jugendstadtrat, der KJIR – Kinder- & Jugendinitiative Radeberg. Das Programm der Ultimate Sound Crew (USC) konzentrierte sich in diesem Jahr zum Bierstadtfest erneut auf das Ultimate Schloss Open Air im historischen Ambiente des Schlosses. Der Schlossverein, unser gemeinnütziger Förderverein, unterstützt uns regelmäßig und in hohem Maße. Das ist ehrenamtliches Engagement, von dem auch die Besucher profitieren – beispielsweise, wenn Vereinsmitglieder den Ausschank bei Veranstaltungen organisieren oder wenn der Verein notwendige Eigenmittel für Förderprojekte aufbringt. Auch ihr Engagement auf dem Weihnachtsmarkt und bei den stadtbekannten Schlosskaspereien ist für Museum und Schloss von großem Wert.“
Dazu der Vorstandsvorsitzende des Schlossvereins, Eckard Müller: „Im Zuge der Übernahme des Schlosses vom Freistaat Sachsen durch die Stadt Radeberg im Jahr 1993 wurde auch der Förderverein gegründet – nun also vor 33 Jahren. Mit der Vereinsgründung wurde das Bemühen engagierter Radeberger Bürger im damaligen Kuratorium Schloss Klippenstein auf die notwendigen organisatorischen Füße gestellt. Auf unser Drängen hin wurde beispielsweise der aufwendige Außenaufzug errichtet, der unser Schloss barrierefrei macht. Wir verstehen uns eher als ‚Möglichmacher‘ und ‚Mittler‘ zwischen Schloss und Bevölkerung – den Menschen, die als eigentliche Eigentümer ihr Schloss in Besitz nehmen sollen.“ *
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Weiter führt Katja Fissel aus: „Radeberg hat eine sehr bedeutende Industriegeschichte, von der noch heute zahlreiche große Unternehmen zeugen. Doch all das hätte es ohne die Ansiedlung der Burg nicht gegeben. Schloss Klippenstein zeigt unsere vielfältige Stadt- und Industriegeschichte eindrucksvoll in den liebevoll eingerichteten Museumsräumen. Zahlreiche interessante Sonderausstellungen beleuchten regelmäßig weitere Facetten der Stadtgeschichte. Das altehrwürdige Gebäude ist ein Aushängeschild, ein Zeitzeuge unserer Geschichte und ein gesellschaftlicher Treffpunkt für jedermann. Es verbindet unsere Innenstadt mit dem Naherholungsgebiet Hüttertal. Radeberg verfügt damit über einen echten Erlebnispfad, der Kultur, Geschichte und Natur miteinander verbindet.“
Kommentarvon Axel Frech Die Radeberger können stolz auf ihr Schloss Klippenstein sein. Es bereitet mehr Lust als Last – doch das allein reicht nicht. Ein Schloss ist nie fertig. Nach zahlreichen Sanierungsmaßnahmen, einem beeindruckenden Museum und einem gut gefüllten Veranstaltungskalender bleiben zwei Themen, an denen weitergearbeitet werden muss: die Sichtbarkeit des Schlosses und die Altersstruktur seiner Besucher. An der Lage des Schlosses lässt sich nichts ändern. Es liegt etwas versteckt in einer Senke und fällt nicht sofort ins Auge. Umso wichtiger ist es, Schloss Klippenstein stärker in den Köpfen der Radeberger zu verankern. Nach dem Motto: Wenn nicht genügend Radeberger ins Schloss kommen, muss das Schloss zu den Radebergern gehen. Das gelingt durch regelmäßige Pressearbeit, attraktive Veranstaltungen, die Neugier wecken, und eine stärkere mediale Präsenz. Damit verbunden ist auch die Frage nach der Aktivierung der jüngeren Altersgruppen, die bislang noch zu selten im Schloss anzutreffen sind. Mehr Veranstaltungen für die 16- bis 40-Jährigen, eine stärkere Präsenz in den sozialen Medien sowie die aktive Einbindung der Radeberger Vereine, die das Schloss auch für Versammlungen und Feiern nutzen könnten, wären sinnvolle Schritte. In diesem Sommer wurde mit dem 1. Radeberger Sommertheater auf Schloss Klippenstein bereits ein großer Schritt in diese Richtung gemacht. Das Engagement aller Beteiligten ist groß, und an zusätzlichen Ideen mangelt es ebenfalls nicht. Das Kulturzentrum Schloss Klippenstein ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie durch bürgerschaftliches und kommunales Engagement das kulturelle Erbe eines sächsischen Schlosses bewahrt und zugleich zeitgemäß weiterentwickelt werden kann. |
Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de



