Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Bautzen News

Schloss Klippenstein in Radeberg – mehr Lust oder mehr Last für die Stadt?

Ein Schloss, das eher massiv wie eine Burg gebaut ist, mit weißer Fassade und rotem Dach. Davor ein Gewässer. Zum Schlosstor hin eine Brücke.
Schloss Klippenstein. Foto: Heimatzeitung "die Radeberger"
Von: Bürger machen Journalismus
Radeberg, am Rand der Westlausitz vor den Toren Dresdens gelegen, ist die Kleinstadt vor allem durch ihr gleichnamiges Bier bekannt. Aber auch ehemalige Standorte der Glasherstellung sowie der Fernsehgeräte- und Computerproduktion machten Radeberg zu einer bedeutenden Industriestadt. Es gibt jedoch ein besonderes Kleinod in der Großen Kreisstadt: Zentrumsnah, aber dennoch verborgen über einer Senke, thront Schloss Klippenstein.

Ein Bericht mit Kommentar von Axel Frech


Urkundlich erwähnt wurde die „Radeberger Burg“ erstmals im Jahr 1289. Ein steinerner Wohnturm mit mehreren Stockwerken erhob sich trutzig auf einem Felskegel aus granitverwandtem Gestein. Über Jahrhunderte wurde die Burg vom sächsischen Adel genutzt und ausgebaut. Vor allem der Umbau von einer wehrhaften Anlage zu einem repräsentativen Jagdschloss im 16. Jahrhundert unter Herzog Moritz von Sachsen prägte das heutige Schlossbild. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss in seiner heutigen Gestalt als Amtsverwaltung genutzt.

Ein Schloss aus dem Mittelalter kann eine Stadt bereichern, wirtschaftlich aber auch eine große Last sein. Sobald eine Kommune, ein Land oder der Bund Eigentümer eines Schlosses ist, geht damit die Verpflichtung zum Erhalt und zur öffentlichen Nutzung für Bürger und Besucher einher. Schloss Klippenstein gehört zum Marketingverbund „Schlösserland Sachsen“ und profitiert dadurch von der gemeinsamen touristischen Vermarktung. Eigentümerin des Schlosses ist jedoch die Stadt Radeberg. Seit der Übertragung durch den Freistaat Sachsen im Jahr 1993 trägt die Kommune die finanziellen Lasten für den Erhalt und den Betrieb des historischen Bauwerks selbst. Wie steht es nun um die „Perle“ Radebergs, die schließlich auch gepflegt werden muss? Mehr Last oder mehr Lust für die Radeberger? Um dieser Frage nachzugehen, habe ich einige Stimmen aus dem Schlossumfeld eingefangen.

Mehr aus dieser Kategorie


„Schloss Klippenstein ist für mich ganz klar mehr Lust als Last“, so der Radeberger Oberbürgermeister Frank Höhme. „Natürlich bringt ein historisches Bauwerk immer Verantwortung, Kosten und organisatorische Herausforderungen mit sich. Die Stadt trägt jährlich über 400.000 Euro dazu bei. Aber es ist zugleich Identifikationsort, Geschichtsbuch und Kulturstätte in einem. Die vielfältige Nutzung für Museum und Kulturveranstaltungen zeigt, welches Potenzial im Schloss steckt. In der Summe überwiegt für mich eindeutig die Freude darüber, wie sich dieser Ort entwickelt hat und welche Chancen er für die weitere Stadtentwicklung bietet.“



Der Radeberger Oberbürgermeister Frank Höhme.
Foto: Heimatzeitung „die Radeberger“


Die Schlosschefin Dr. Karina Iwe meint: „Unsere klassischen Aufgaben sind das Sammeln, Erforschen, Bewahren, Vermitteln und Ausstellen. Doch in unserer Arbeit geht es heute auch ganz stark um gesellschaftliche Relevanz: darum, ein aktiver Begegnungsort für die Menschen der Stadt und über die Grenzen Radebergs hinaus zu sein – ein starker dritter Ort. Daher ist es wichtig, abwechslungsreiche Ausstellungen und Veranstaltungen anzubieten, um möglichst viele Menschen zu erreichen und die Sichtbarkeit des Schlosses, das noch zu wenig bekannt ist, zu erhöhen. Junge Menschen zu erreichen ist eines der Ziele des Museums. Man muss ihre Lebenswelten kennen, um entsprechende Angebote zu entwickeln und ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Events mit DJ-Pult können dabei ein Zugang sein, aber auch der Besuch eines Pferdes auf der Reitertreppe, um zu zeigen, dass wir alles andere als verstaubt sind.


Schlosschefin Dr. Karina Iwe.
Foto: Heimatzeitung „die Radeberger“


Es geht dabei um moderne Darstellungs- und Vermittlungsmethoden, um jüngeren Generationen einen neuen Blick auf das historische Erbe unserer Stadt zu eröffnen. Neben dem Ziel, bei allen Bürgern und Besuchern der Stadt sichtbarer zu werden, ist es wesentlich, durch zielgruppengerechte Veranstaltungen auch jüngere Radeberger immer wieder anzusprechen. Bereits heute gibt es Projekte und Veranstaltungen mit dem Jugendzentrum sowie dem ehemaligen Kinder- und Jugendstadtrat, der KJIR – Kinder- & Jugendinitiative Radeberg. Das Programm der Ultimate Sound Crew (USC) konzentrierte sich in diesem Jahr zum Bierstadtfest erneut auf das Ultimate Schloss Open Air im historischen Ambiente des Schlosses. Der Schlossverein, unser gemeinnütziger Förderverein, unterstützt uns regelmäßig und in hohem Maße. Das ist ehrenamtliches Engagement, von dem auch die Besucher profitieren – beispielsweise, wenn Vereinsmitglieder den Ausschank bei Veranstaltungen organisieren oder wenn der Verein notwendige Eigenmittel für Förderprojekte aufbringt. Auch ihr Engagement auf dem Weihnachtsmarkt und bei den stadtbekannten Schlosskaspereien ist für Museum und Schloss von großem Wert.“

Dazu der Vorstandsvorsitzende des Schlossvereins, Eckard Müller: „Im Zuge der Übernahme des Schlosses vom Freistaat Sachsen durch die Stadt Radeberg im Jahr 1993 wurde auch der Förderverein gegründet – nun also vor 33 Jahren. Mit der Vereinsgründung wurde das Bemühen engagierter Radeberger Bürger im damaligen Kuratorium Schloss Klippenstein auf die notwendigen organisatorischen Füße gestellt. Auf unser Drängen hin wurde beispielsweise der aufwendige Außenaufzug errichtet, der unser Schloss barrierefrei macht. Wir verstehen uns eher als ‚Möglichmacher‘ und ‚Mittler‘ zwischen Schloss und Bevölkerung – den Menschen, die als eigentliche Eigentümer ihr Schloss in Besitz nehmen sollen.“ *




Der Vorstandsvorsitzende des Schlossvereins Eckard Müller.
Foto: Heimatzeitung „die Radeberger“


Katja Fissel, Redakteurin der Heimatzeitung „die Radeberger“, sagt: „Die breite Masse schaut erfahrungsgemäß gern nach, welche kulturellen Möglichkeiten aktuell geboten werden. Das zeigt auch unsere Zusammenarbeit mit dem Schlossteam und der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Regelmäßig veröffentlichen sie bei uns Anzeigen zu Ausstellungen, Veranstaltungen und Konzerten.“



Katja Fissel, Redakteurin der Heimatzeitung „die Radeberger“.
Foto: Heimatzeitung „die Radeberger“


Weiter führt Katja Fissel aus: „Radeberg hat eine sehr bedeutende Industriegeschichte, von der noch heute zahlreiche große Unternehmen zeugen. Doch all das hätte es ohne die Ansiedlung der Burg nicht gegeben. Schloss Klippenstein zeigt unsere vielfältige Stadt- und Industriegeschichte eindrucksvoll in den liebevoll eingerichteten Museumsräumen. Zahlreiche interessante Sonderausstellungen beleuchten regelmäßig weitere Facetten der Stadtgeschichte. Das altehrwürdige Gebäude ist ein Aushängeschild, ein Zeitzeuge unserer Geschichte und ein gesellschaftlicher Treffpunkt für jedermann. Es verbindet unsere Innenstadt mit dem Naherholungsgebiet Hüttertal. Radeberg verfügt damit über einen echten Erlebnispfad, der Kultur, Geschichte und Natur miteinander verbindet.“


Kommentar

von Axel Frech

Die Radeberger können stolz auf ihr Schloss Klippenstein sein. Es bereitet mehr Lust als Last – doch das allein reicht nicht. Ein Schloss ist nie fertig. Nach zahlreichen Sanierungsmaßnahmen, einem beeindruckenden Museum und einem gut gefüllten Veranstaltungskalender bleiben zwei Themen, an denen weitergearbeitet werden muss: die Sichtbarkeit des Schlosses und die Altersstruktur seiner Besucher.

An der Lage des Schlosses lässt sich nichts ändern. Es liegt etwas versteckt in einer Senke und fällt nicht sofort ins Auge. Umso wichtiger ist es, Schloss Klippenstein stärker in den Köpfen der Radeberger zu verankern. Nach dem Motto: Wenn nicht genügend Radeberger ins Schloss kommen, muss das Schloss zu den Radebergern gehen. Das gelingt durch regelmäßige Pressearbeit, attraktive Veranstaltungen, die Neugier wecken, und eine stärkere mediale Präsenz.

Damit verbunden ist auch die Frage nach der Aktivierung der jüngeren Altersgruppen, die bislang noch zu selten im Schloss anzutreffen sind. Mehr Veranstaltungen für die 16- bis 40-Jährigen, eine stärkere Präsenz in den sozialen Medien sowie die aktive Einbindung der Radeberger Vereine, die das Schloss auch für Versammlungen und Feiern nutzen könnten, wären sinnvolle Schritte. In diesem Sommer wurde mit dem 1. Radeberger Sommertheater auf Schloss Klippenstein bereits ein großer Schritt in diese Richtung gemacht.

Das Engagement aller Beteiligten ist groß, und an zusätzlichen Ideen mangelt es ebenfalls nicht. Das Kulturzentrum Schloss Klippenstein ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie durch bürgerschaftliches und kommunales Engagement das kulturelle Erbe eines sächsischen Schlosses bewahrt und zugleich zeitgemäß weiterentwickelt werden kann.




* Ergänzend zu diesem Beitrag ist ein ausführliches Interview mit Eckard Müller in der Heimatzeitung „die Radeberger“ erschienen (Ausgabe 30–2026 vom 31.7.2026). Ein weiteres Interview mit Katja Fissel ist für eine der nächsten Ausgaben geplant.



Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Bürger machen Journalismus" entstanden.
Mehr Informationen zum Projekt - und wie auch Sie teilnehmen können - finden Sie unter: www.buergerjournalismus-sachsen.de

 Bürger machen Journalismus
Artikel von

Bürger machen Journalismus

Bürger machen Journalismus ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media