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Recht, Rat, Revolte: Wege zur städtischen Selbstständigkeit in der mittelalterlichen Oberlausitz

Recht, Rat, Revolte: Wege zur städtischen Selbstständigkeit in der mittelalterlichen Oberlausitz
Majestätssiegel am Bleichprivileg der Stadt Bautzen vom 22. Dezember 1474 / Quelle: Archivverbund Bautzen, Stadtarchiv, 61000 Urkunden, Nr. 491
Wie aus abhängigen Gemeinden selbstbewusste Städte wurden, zeigt am Abend ein Vortrag über Bautzen und Kamenz in der mittelalterlichen Oberlausitz. Im Mittelpunkt stehen Privilegien, Ratsverfassung und Zunftunruhen als Motoren städtischer Autonomie.

Städtische Autonomie in der Oberlausitz

Die Oberlausitzer Sechsstädte Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Löbau und Kamenz besaßen in der Vormoderne ein bemerkenswertes Maß an Selbstständigkeit. Besonders im ausgehenden Mittelalter erreichten sie einen Status, der in vieler Hinsicht an den der Reichsstädte erinnerte. Auch wenn ihre Stadtherren formal die böhmischen Könige waren, entwickelten die Städte eigene Formen der Verwaltung, des Rechts und der politischen Aushandlung.

Privilegien als Grundlage kommunaler Eigenständigkeit

Der Vortrag von Joseph Maak nimmt vor allem Bautzen und Kamenz in den Blick. Er zeigt, wie königliche Privilegien als Sonderrechte den Weg zur kommunalen Eigenständigkeit ebneten. Solche Rechte stärkten nicht nur die wirtschaftliche und rechtliche Position der Städte, sondern verschoben auch das Machtgefüge zwischen Stadtherr und Bürgerschaft. Die Entwicklung der städtischen Selbstverwaltung wurde damit nicht plötzlich erreicht, sondern schrittweise erkämpft und abgesichert.

Ratsverfassung und städtische Ordnung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der mittelalterlichen Ratsverfassung. Der Rat war das zentrale Organ städtischer Herrschaft und Selbstorganisation. Seine Zusammensetzung, seine Kompetenzen und seine Legitimation spiegelten die jeweilige Balance zwischen Tradition, königlichem Einfluss und innerstädtischen Interessen. Gerade in Bautzen und Kamenz lässt sich daran gut erkennen, wie sich aus anfänglicher Abhängigkeit eine stärker eigenständige kommunale Struktur herausbildete.

Zunftunruhen als Ausdruck sozialer Konflikte

Neben den rechtlichen Entwicklungen beleuchtet der Vortrag auch Zunftunruhen und andere soziale Konflikte. Solche Auseinandersetzungen waren nicht bloß Störungen der Ordnung, sondern Ausdruck politischer Teilhabe und städtischer Spannungen. Sie machten sichtbar, dass Autonomie immer wieder neu ausgehandelt werden musste. Rechtsentwicklung und soziale Konflikte wirkten dabei zusammen und formten die politische Kultur der Oberlausitz nachhaltig.

Quellen aus Bautzen und Kamenz

Die Untersuchung beruht auf einem sorgfältigen Quellenstudium spätmittelalterlicher Urkunden und Stadtbücher aus den Archiven in Bautzen und Kamenz. Diese Quellen eröffnen einen direkten Blick auf die Praxis städtischer Herrschaft und auf die Wege, auf denen sich aus abhängigen Gemeinden selbstbewusste Kommunen entwickelten.

Vortrag im Archivverbund

Der Vortrag findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Archivverbunds am Dienstag, den 13. Oktober 2026, um 19.00 Uhr statt. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Veranstaltungsort ist der Raum von Archiv und Bibliothek in der Schloßstraße 12. Der Eintritt ist frei.