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Oberspielleiter Stefan Wolfram: Abschied nach zehn Jahren

Oberspielleiter Stefan Wolfram: Abschied nach zehn Jahren
Foto: Miroslaw Nowotny
Von: Uwe Tschirner
Nach zehn Jahren als Oberspielleiter, Regisseur, Bühnenbildner und Autor verlässt Stefan Wolfram zum Ende der Spielzeit auf eigenen Wunsch das Bautzener Theater. Stefan Wolframs Inszenierungen entstanden aus der Ensemblearbeit, dicht, bildmächtig, sinnlich authentisch, ohne Beliebigkeit. Nun verlässt der Oberspielleiter das Haus, das er über zehn Jahre prägte, und blickt noch einmal zurück auf die Momente, die bleiben und verrät, was ihm am meisten fehlen wird.

Eine Dekade am Deutsch-Sorbischen Volkstheater - auf welche Inszenierung oder welchen Moment auf der Bühne blicken Sie heute am liebsten zurück, und warum berührt er Sie noch immer?

Da gibt es viele Momente. Es waren und sind diese Augenblicke, wenn man spürt, dass der sogenannte „Funke“ während der Vorstellung übergesprungen ist. Also wenn es zum Austausch und Dialog mit dem Publikum kommt. Es gibt ja die zwei Theatermasken, die lachende und die weinende. Zu erleben, dass ein Publikum gemeinsam lacht oder bewegt ist von dem Geschehen auf der Bühne und emotional und gedanklich bereichert dann nach Hause geht, das macht unsere Arbeit sinnvoll und berührt.

Welche Begegnung hat Sie in Ihrer Arbeit als Oberspielleiter am meisten verändert?

Das ganze Leben ist ja Veränderung. Aber wenn Sie nach der Begegnung fragen, dann ist es die Begegnung mit diesem Ensemble. Mit den Schauspielerinnen und Schauspielern habe ich ja die meiste Zeit verbracht. Es war eine sehr aufregende Zeit. Das Ringen um das Gelingen unserer Arbeit ist nicht immer einfach. Da wird sich schon mal gestritten und auch viel gelacht. Also wie in einer ganz normalen Beziehung. Diese Zusammenarbeit war lebendig und berührend und führt unweigerlich zu einem Lernprozess.

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Gab es eine Inszenierung, bei der alles schiefzulaufen schien und genau daraus etwas ganz Besonderes entstanden ist? Was hat Sie das über Theater und über sich selbst gelehrt?

Eine bestimmte Inszenierung gab es nicht. Aber dafür besondere Momente, zum Beispiel, wenn es zur Absage einer Vorstellung hätte kommen können. Das sind dann diese großartigen Erlebnisse, zu spüren, wie das ganze Haus, alle Abteilungen zusammenstehen und alles dafür tun, dass die Vorstellung doch stattfinden kann. Da entsteht dieser Teamgeist, der voller Kraft und Energie ist, und dann die Freude, dass wir es doch geschafft haben und das Publikum nicht nach Hause schicken mussten. Das ist schon großartig. Und ich habe viel über die Bedeutung des Theaters in der heutigen Zeit gelernt. Unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben werden immer komplexer und nicht gerade einfacher. Theater soll immer ein Ort sein, wo Menschen sich treffen und gemeinsam darüber nachdenken, was uns bewegt, und der ein kollektives emotionales Erlebnis ermöglicht. Und wir dürfen auch träumen, träumen davon, was uns verbindet und wie wir zusammenleben möchten. Hier kann Theater eine zentrale Rolle einnehmen.

Was nehmen Sie aus diesem Haus mit, was kein anderes Theater Ihnen hätte geben können?

Ich glaube am einzigen bikulturellen Berufstheater Deutschlands zu arbeiten ist eben einmalig und besonders. 

Wenn Sie heute einem jungen Regieteam nur einen einzigen Satz mitgeben könnten, wie würde der lauten?

Da möchte ich mit einem Zitat von George Tabori antworten. „Theatermachen ist ein Akt der Liebe“.

Sie werden nicht in Bautzen bleiben. Was wird Ihnen am meisten fehlen?

Die Möglichkeit, auf künstlerischem Wege Gesellschaft mitzugestalten, werde ich nicht mehr in diesem Umfang haben. Und natürlich die kontinuierliche Zusammenarbeit mit einem festen Ensemble. Ich wünsche dem Ensemble, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie unserem Publikum alles Gute und sage Danke für die erlebte gemeinsame Zeit.

Interview: DSVT Bautzen

Uwe Tschirner
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Uwe Tschirner

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