Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Wirtschaft

Sachsens Unternehmerin des Jahres weist Politik zurecht: Reden reicht Mareen Götz nicht mehr

Sachsens Unternehmerin des Jahres weist Politik zurecht: Reden reicht Mareen Götz nicht mehr
Montage: Mareen Götz mit der Skulptur "Die Träumenden" bei der Verleihung zu Sachsen Unternehmerin des Jahres (Bild: Michael Schmidt)
Von: Thomas Wolf
Erst hörte sich Mareen Götz die Vorschläge von Michael Kretschmer und Christian Hartmann an. Dann wurde Sachsens Unternehmerin des Jahres deutlich: Deutschland rede zu viel und handle zu langsam. Von der Politik fordert sie Verlässlichkeit, Vertrauen und Tempo.

Mareen Götz hat beim Sommerfest der CDU-Landtagsfraktion in Dresden deutliche Kritik an der Politik geübt. Nachdem Ministerpräsident Michael Kretschmer und CDU-Fraktionschef Christian Hartmann ihre Vorschläge für bessere wirtschaftliche Bedingungen vorgestellt hatten, fragte der Moderator die Unternehmerin, ob sie mit den Antworten zufrieden sei.

Götz antwortete knapp: „Wir reden immer drüber.“ Dann legte sie nach: „Wenn ich im Unternehmen immer nur drüber reden würde, würde ich heute nicht hier stehen.“

Die Geschäftsführerin der Vowalon Beschichtung GmbH aus Treuen war im Mai gemeinsam mit ihrem Bruder Gregor Götz als Sachsens Unternehmer des Jahres 2026 ausgezeichnet worden. Nun nutzte sie ihren Auftritt vor Politikern und Wirtschaftsvertretern, um mehr konkrete Entscheidungen einzufordern.

Mehr aus dieser Kategorie

Direkte Antwort auf Kretschmer und Hartmann

Kretschmer hatte zuvor über Bürokratie, hohe Energiepreise, langsame Genehmigungen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gesprochen. Hartmann forderte weniger Dokumentationspflichten, einfachere Verfahren und verlässlichere politische Entscheidungen.

Götz reichten diese Erklärungen nicht. In einem Unternehmen müsse irgendwann entschieden und gehandelt werden. Genau das vermisse sie in Deutschland. Auch kleine Schritte seien besser als weitere Diskussionen ohne Ergebnis.

Ihre Kritik richtete sich nicht gegen ein einzelnes Vorhaben. Götz stellte die politische Arbeitsweise insgesamt infrage. Probleme würden seit Jahren beschrieben. Unternehmen warteten jedoch weiter auf Entscheidungen, mit denen sie langfristig planen könnten.

Auch Kretschmer hatte zuletzt mehr Reformen von der Bundesregierung verlangt. DIE SACHSEN NEWS berichtete über seine Kritik am bisherigen Kurs in Berlin.

22 Millionen Kilowattstunden Gas im Jahr

Wie stark politische Entscheidungen in den Betrieb hineinwirken, erklärte Götz am Beispiel der Energieversorgung. „Wir verbrauchen 22 Millionen Kilowattstunden Gas im Jahr“, sagte sie. Beim Gasverbrauch sei Vowalon mit einer Kleinstadt vergleichbar.

Das Unternehmen produziert in Treuen Kunstleder und technische Beschichtungen. Die Materialien werden unter anderem in Fahrzeugen, Sesselliften, Fitnessgeräten, Massagestühlen, Möbeln, Taschen und Schuhen eingesetzt.

Für Vowalon sind Energiepreise deshalb keine Randfrage. Sie entscheiden mit darüber, ob das Unternehmen im Vogtland international konkurrenzfähig produzieren kann. Götz verlangt Klarheit darüber, welche Energieträger in den kommenden Jahren verfügbar sind und was sie kosten.

Industrieanlagen würden nicht für wenige Jahre angeschafft. „Wir betreiben Anlagen, wenn wir investieren, nicht für zwei Jahre, sondern für 20 Jahre“, sagte Götz. Wechselnde Förderbedingungen und politische Kursänderungen erschwerten solche Entscheidungen.

Verlässlichkeit, Vertrauen und Tempo

Götz fasste ihre Erwartungen an die Politik in drei Begriffen zusammen: „Verlässlichkeit, Vertrauen und Tempo.“

Verlässlichkeit bedeute für sie, dass politische Entscheidungen länger als eine Legislaturperiode gelten. Unternehmen müssten Investitionen über Jahrzehnte kalkulieren. Wenn Regeln nach einer Wahl wieder geändert würden, steige das finanzielle Risiko.

Mit Vertrauen meint Götz mehr Spielraum für Unternehmer. Betriebe müssten täglich im Wettbewerb bestehen, Mitarbeiter bezahlen und Investitionen finanzieren. Die Politik solle unternehmerische Entscheidungen deshalb nicht mit immer neuen Nachweisen und Vorgaben erschweren.

Beim Tempo nannte sie Genehmigungsverfahren und Infrastrukturprojekte. „Wir können nicht erst Jahre warten, bis etwas genehmigt wird“, sagte Götz. Ein Unternehmen müsse wenige Monate nach einer Investitionsentscheidung mit der Umsetzung beginnen können.

Familienunternehmen produziert für mehr als 40 Länder

Vowalon wurde im Jahr 1900 gegründet und nach der deutschen Wiedervereinigung privatisiert. Vater Friedmar Götz übernahm den früheren volkseigenen Betrieb 1992. Heute führen Mareen und Gregor Götz das Familienunternehmen.

Nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums hat Vowalon seit 1993 mehr als 62 Millionen Euro in den Standort investiert. Das Unternehmen beschäftigt rund 230 Menschen und erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von etwa 58 Millionen Euro. Die Produkte aus Treuen werden in mehr als 40 Länder geliefert.

Am 8. Mai 2026 wurden Mareen und Gregor Götz als Sachsens Unternehmer des Jahres ausgezeichnet. Die Jury würdigte ihre unternehmerische Widerstandsfähigkeit, die internationale Ausrichtung und das Bekenntnis zum Vogtland.

Beim CDU-Sommerfest machte Mareen Götz deutlich, was sie nun von der Politik erwartet. Weitere Problembeschreibungen reichen ihr nicht. Sie will Entscheidungen, auf deren Grundlage Vowalon am Standort Treuen investieren und produzieren kann.

Thomas Wolf
Artikel von

Thomas Wolf

Thomas Wolf ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media