Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Wirtschaft

Razzia bei Internet-Star Anike Ekina: „Plötzlich steht mein ganzes Leben unter Verdacht“

Anike Ekina, Content-Creatorin und Unternehmerin, hält ein Smartphone in der Hand und steht vor einem Yachthafen.
Anike Ekina: Zwischen Erfolg und Ermittlungen – wie Social Media und Steuern kollidieren / Bildrechte: Anika Ekina
Von: Konrad Vers

Ein gewöhnlicher Tag endet für Unternehmerin, Musikerin und BestFans-Creatorin Anike Ekina abrupt mit einem massiven Einsatz der Steuerfahndung: 20 bis 30 Beamte der Task Force Social Media stehen vor ihrer Tür. Es folgt eine Hausdurchsuchung, bei der Mobiltelefone, Server und geschäftliche Infrastruktur beschlagnahmt werden. Der operative Betrieb kommt vollständig zum Erliegen.

„In diesem Moment merkst du: Hier geht es nicht mehr nur um Zahlen. Hier wird dein komplettes Leben auseinandergenommen“, beschreibt Ekina die Situation.

Gegenstand der Ermittlungen ist der Vorwurf, die mehr als drei Millionen Follower von Ekina stünden in einem erheblichen Missverhältnis zu den gemeldeten Umsätzen. Ekina weist diese Annahmen jedoch entschieden zurück: „Die hier konstruierten Schlussfolgerungen entsprechen nicht der tatsächlichen wirtschaftlichen Realität.“

Mehr aus dieser Kategorie

Automatisierte Auswertungen als Ausgangspunkt

Nach ihrer Darstellung basieren die Ermittlungen unter anderem auf automatisierten Analysen von Social-Media-Inhalten, Interviews sowie gesprochenen Aussagen aus Podcasts. Ein zentraler Punkt: eine öffentlich getätigte Aussage über angebliche Monatseinnahmen. „Ich wurde gefragt, was ich im Monat verdiene – und habe sechsstellig gesagt“, erklärt Ekina. „Ich habe in dem Moment nicht darüber nachgedacht, weil ich intern immer in Jahresumsätzen rechne. Das war keine Absicht, sondern ungenau formuliert.“ Diese Aussage werde nun offenbar als Grundlage für steuerliche Bewertungen herangezogen.

Vorwürfe und Vermögensarrest

Für die Jahre 2021 und 2022 steht ein Betrag von rund 229.000 Euro im Raum. Für das Jahr 2023 liegt bislang lediglich ein Verdacht vor, aktuelle Jahre sind nicht Bestandteil des Verfahrens. Dennoch wurde ein Vermögensarrest in Höhe von 154.000 Euro verhängt. „Es wird ein Bruchteil betrachtet – und daraus ein Gesamtvorwurf gebaut“, kritisiert Ekina weiter.

Kritik an Berechnungsmethoden

Besonders deutlich äußert sich Ekina zur Methodik der Ermittlungen: „Es werden nur die Einnahmen gesehen – aber die komplette Struktur dahinter ignoriert.“

Sie verweist darauf, dass ihre Tätigkeiten in unternehmerische Strukturen eingebettet sind, die Mitarbeiter, Produktionskosten und Infrastruktur umfassen. Zudem hebt sie internationale steuerliche Besonderheiten hervor: „Bei Einnahmen aus Großbritannien über Plattformen wird die Umsatzsteuer bereits durch den Betreiber in die jeweiligen Länder abgeführt, in denen sie entsteht. Deshalb werden diese Beträge netto nach Deutschland ausgezahlt.“ Eine isolierte Gegenüberstellung von Plattform-Einnahmen und nationalen Steuererklärungen greife daher aus ihrer Sicht zu kurz.

Zunehmende Komplexität administrativer Anforderungen

Ekina nennt als zentrale Ursache die zunehmende Komplexität administrativer Anforderungen: „Die Bürokratie in Deutschland ist mittlerweile so extrem, dass du kaum noch hinterherkommst.“ Ihr Unternehmen sei klein strukturiert und familiengeführt, dennoch arbeiteten bereits zwei Mitarbeiter ausschließlich im administrativen Bereich. „Und selbst das reicht nicht aus.“

Wirtschaftlicher Druck verschärft Situation

Neben den rechtlichen Herausforderungen beschreibt Ekina auch die angespannte wirtschaftliche Lage: „2024 war schon schwierig – aber 2025 hat uns wirtschaftlich richtig zugesetzt.“ Sinkende Nachfrage bei gleichzeitig steigenden regulatorischen Anforderungen stellten viele Unternehmen vor erhebliche Probleme. „Die Kosten, die der Staat verursacht, die Auflagen, die Bürokratie – das nimmt kein Ende.“

Massive Auswirkungen durch Durchsuchung

Die unmittelbaren Folgen der Maßnahme seien gravierend gewesen: „Unsere komplette Arbeitsfähigkeit war von einem Moment auf den anderen weg.“

Neben der Beschlagnahmung zentraler Geräte und Zugänge sei der gesamte Betrieb temporär zum Stillstand gekommen. Während des Einsatzes seien zudem weitere Beschlüsse erwirkt worden, die zusätzliche Unternehmensbereiche betrafen.

Teil einer größeren Entwicklung

Der Fall steht laut Ekina im Kontext verstärkter Maßnahmen gegen Internet-Persönlichkeiten. Berichten zufolge gehen Finanzbehörden bundesweit verstärkt gegen Influencer und digitale Geschäftsmodelle vor, unterstützt durch technische Systeme zur automatisierten Auswertung öffentlich zugänglicher Inhalte. Allein in Nordrhein-Westfalen wird ein möglicher Steuerschaden von rund 300 Millionen Euro diskutiert. Bundesweit sollen rund 1.200 Ermittlungsbeamte in diesem Bereich eingesetzt sein.

Grundsätzliche Kritik und Ausblick

Ein besonders prägender Moment sei eine Aussage während des Einsatzes gewesen: „Wir haben gefragt, warum man nicht gegen offensichtliche Problemfälle vorgeht, die jeder kennt.“ Die Antwort darauf lautet nur: „An die kommt man nicht so leicht ran wie an Sie.“ Für Ekina wirft dies grundlegende Fragen auf: „Dann nimmt man die, die sichtbar sind. Die, die hier sind. Die, die erreichbar sind.“

Gemeinsam mit einer spezialisierten Steuerstrafrechtlerin arbeitet sie nun an der vollständigen Aufklärung des Falls. „Wir klären das transparent. Mit Zahlen, nicht mit Annahmen“, betont sie abschließend. „Ich habe nichts davon, etwas zu verschleiern. Aber ich habe ein Problem damit, wenn Dinge falsch dargestellt werden.“

Konrad Vers
Artikel von

Konrad Vers

Konrad Vers ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.